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Leichtathletik : Teamgeist twelve points

  • -Aktualisiert am

Jeder Punkt zählt: Das 800-Meter-Rennen der Frauen mit der Deutschen Fabienne Kohlmann (Mitte) Bild: dpa

Einer für alle, alle für einen - die Leichtathleten versuchen sich als Mannschaftswettbewerb und Deutschland liegt bei dieser Team-Europameisterschaft nach dem ersten Tag in Führung.

          Christina Schwanitz ist trotz 15 Grad und fiesem Wind einen Tag früher ins Stadion gekommen, damit sie ihre Kollegen anfeuern kann. Die deutsche Kugelstoßerin muss bei der Team-Europameisterschaft der Leichtathleten erst am Sonntag in den Ring, stand aber schon am Samstag dicht dran: „Ich wollte Storli anfeuern“, sagt die 29-Jährige, „und natürlich auch den Markus und die  Shanice“. 

          Teamgeist wird groß geschrieben bei diesem Nationen-Wettbewerb, bei dem zwar wie üblich in der Leichtathletik mit Ausnahme der Staffeln jeder für sich kämpfen muss, aber alle  Ergebnisse zu einem großen Ganzen zusammengefügt werden. Ein Motto wie bei den  Musketieren: „Einer für alle, alle für einen.“

          Aufgeben gilt nicht

          Zwölf Nationen starten in der europäischen Eliteklasse an diesem Wochenende in  Braunschweig, in 40 Disziplinen stellt jedes Land jeweils einen Teilnehmer. Der  Sieger bekommt zwölf Punkte, der zweite elf, der dritte zehn und der zwölfte  noch einen - sofern er ins Ziel kommt.  Aufgeben gilt deshalb nicht, und dieses Motto wurde bei der Teambesprechung am Freitag jedem einzelnen in der deutschen Mannschaft noch einmal mit auf die Laufbahn gegeben: Jeder Zentimeter zählt, jede Hundertstel Sekunde auch - es könnte ja eine bessere Plazierung dabei herauskommen - und damit noch ein  Pünktchen für die Mannschaft.

          Die Zählweise hat Einfluss auf die Taktik, wie die Athleten nach ihren  Beiträgen einräumen. „Der erste Versuch muss passen“, sagte David Storl, „danach kann der Wettkampf losgehen.“ Als Doppel-Weltmeister war Kugelstoßer  Storl von vornherein eine sichere Bank für das Wunsch-Resultat „Germany twelve  points“ , und der Hüne aus Chemnitz erfüllte die Erwartungen. Er gewann mit  Saisonbestmarke (21,20 Meter) und sagte hinterher zufrieden: „Der Anspruch bei  einer Team-EM ist höher, man will für das Team gewinnen, da ist die Motivation  noch mal größer.“ „Alles, was zweistellig ist, ist super“, hatte Hammerwurf-Routinier Markus  Esser sich und seinen Mitstreitern als Punkteziel auf den Weg gegeben, blieb  dann aber als Vierter (neun Punkte) knapp unter dem selbst gesetzten  Limit.

          Dafür gab einige, die die stramme Vorgabe bravourös umsetzten: besonders  auf der Laufbahn überzeugten die Deutschen: Silvio Schirmmeister (400 Meter  Hürden), Homiyu Tesfaye (1500m), Antje Möldner-Schmidt (3000-Meter-Hindernis)  sowie Esther Cremer (400m) gewannen jeweils elf Punkte für Deutschland. Auch  Diskuswerferin Shanice Craft belegte bei ihrer Premiere im deutschen Trikot  gleich mal den zweiten Platz. Jenny Elbe (Weitsprung), Katharina Bauer  (Stabhoch) und Linda Stahl (Speerwurf) steuerten ebenso wie Verena Sailer (100  Meter) jeweils zehn Punkte bei.

          Die Sprintstaffel der Frauen rannte derweil nicht so rund: Nach einer Wechselschwäche, die kurzzeitig gar zu einer später korrigierten Disqualifizierung geführt hatte, landete sie nur auf Rang sechs. Besser machten es die Sprintmänner, die  zum Abschluss des ersten Tages als Zweite ins Ziel kamen. Nach dem ersten Tag  mit 21 der 40 Wettbewerbe führt die deutsche Mannschaft mit 195 Punkten vor Favorit Russland (192) und Frankreich (161).

          Reifs Satz des Tages

          Den Satz des Tages lieferte dabei Christian Reif, der mit 8,13 Metern nicht nur  den Weitsprung-Wettbewerb gewann, sondern auch noch 5000-Meter-Läufer Arne  Gabius beflügelte, dessen Rennen parallel ausgetragen wurde. „Ich sah Christian  aus dem Augenwinkel jubeln“, erzählte Gabius später über sein Zwischenhoch 600 Meter vor dem Ziel: „Da wusste ich, dass er mindestens zehn, elf Punkte geholt hatte - und das wollte ich auch.“

          Es wurden zwölf.  Gabius ließ sich auch vom klangvollen Namen seines schärfsten Konkurrenten  nicht beeindrucken, fightete den Spanier Jesus Espana auf der Zielgerade nieder  und hatte unter dem frenetischen Jubel des Heimpublikums auf der Haupttribüne  das Gefühl, „ein Tor für Deutschland geschossen zu haben“.

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