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Sprinterin Lisa Mayer : „Mir war klar, dass es so nicht weitergeht“

  • -Aktualisiert am

Fokussiert: Lisa Mayer Bild: Sven Simon

Lisa Mayer kämpft seit drei Jahren mit ihrem Körper. Um ihre Ziele zu erreichen, muss der aber „ja“ sagen. Deshalb baut die Sprinterin nun auf das besondere System ihres neuen Trainers.

          2 Min.

          Weil die Olympischen Spiele von Tokio ins nächste Jahr verschoben worden sind, mussten die nationalen Meisterschaften Anfang August in Braunschweig den Leichtathleten als Saisonhöhepunkt genügen. Doch als es in den Sprintfinals um Titel und Medaillen ging, musste Lisa Mayer zuschauen. Abermals bremsten die 24 Jahre alte Läuferin muskuläre Probleme. Wieder einmal stand sie „vor Scherben“, wie sie sagt. „Mir war klar, dass es so nicht weitergeht.“

          Seit drei Jahren kämpft die Halbfinalteilnehmerin über 200 Meter bei den Olympischen Spielen von Rio 2016 mit ihrem Körper. Es begann mit einer Verletzung des Beugers im rechten Oberschenkel, ein Jahr später folgten ähnliche Beschwerden auf der anderen Seite. Dazu kamen immer wieder Infekte. Die Zusammenarbeit mit einer Heilpraktikerin schien zu helfen, vor dem Sommer wähnte sich die gebürtige Gießenerin, die für das Sprintteam Wetzlar startet, in guter Form. Doch im Mai knickte sie im Alltag mit dem rechten Fuß um, und die Leidensgeschichte ging weiter.

          Keinen schmerzfreien Schritt

          „Am Ende“, sagt Lisa Mayer, „steht erneut eine abgebrochene Saison.“ Nur einen einzigen „richtigen Wettkampf“, im Juli in Wetzlar, habe sie fit und schmerzfrei absolvieren können. Dann folgten Rückschläge wie der kurz darauf in Regensburg, als sie zwei Tage nach einem „perfekten Abschlusstraining“ morgens keinen einzigen schmerzfreien Schritt mehr tun konnte. „Mein Körper schafft es nicht, relativ schnell zu heilen“, hat die Sportsoldatin festgestellt. Zudem sei ihr Kopf nicht mehr frei von negativen Gedanken. Sobald es irgendwo zwicke, verfalle sie in Schockstarre.

          Lisa Mayer suchte nach einem Weg hinaus aus dem Strudel, der sie immer wieder nach unten reißt. „Vielleicht gibt es die Nadel, nach der wir im Heuhaufen suchen, gar nicht“, sagt sie. Womöglich passe einfach das anfangs zu neuen Bestzeiten führende Trainingssystem bei Hürden-Bundestrainer Rüdiger Harksen nicht mehr zu ihrem Körper. Die ehrgeizige Athletin beschloss, nach etwas Neuem zu suchen. Noch in der Woche nach den Titelkämpfen stand nach intensiven Gesprächen mit allen Beteiligten fest, dass die Wahl-Frankfurterin ihre Trainingsrunden in Zukunft bei David Corell drehen will. Der Bundesnachwuchstrainer führte schon Kevin Kranz und Michael Pohl zu Meisterehren auf der Kurzstrecke, gehört aber noch der jungen Generation an. Lisa Mayer sieht darin Vorteile: „Er ist noch frei im Denken und wissbegierig“, sagt sie.

          Seit knapp zwei Wochen arbeiten die beiden zusammen. Wettkämpfe unter freiem Himmel wird sie in diesem Jahr nicht mehr bestreiten. Corell schicke seine Athleten in der Regel schon im Dezember bei einem Meeting über die Laufbahn; die Phase bis zum ungewohnt frühen Einsatz will die Olympiavierte mit der Staffel bestmöglich nutzen. In Zukunft trainiert sie im Blocksystem: Jeweils vier bis sechs Wochen lang wird ein Schwerpunkt, erst Kraft, dann Schnelligkeit, gesetzt. Die anderen Bereiche werden parallel dazu nicht mehr intensiv trainiert. Anders als im klassischen Aufbautraining setze das den Körper nicht so vielen verschiedenen Reizen auf einmal aus. Lisa Mayer verspricht sich davon, dass ihr Körper damit besser zurechtkommt.

          Die Forschung nach der Ursache für ihre an unterschiedlichen Stellen auftauchenden muskulären Beeinträchtigungen will sie nicht aufgeben. Noch in diesem Monat wird sie ein paar Tage lang in einem Diagnose- und Reha-Zentrum in Salzburg auf Herz und Nieren geprüft. Dass Corell mit seinen Sportlern an ihrem Wohnort arbeitet, sei „ein schöner Nebeneffekt“, aber nicht ausschlaggebend für die Wahl gewesen. Lisa Mayer, die vorher in Mannheim trainierte, spart so viel Fahrzeit. Ihren Master im Bereich Kommunikation hat sie auf den Herbst 2021 verschoben. „Ich will nicht, wie beim Bachelor, nebenbei studieren“, sagt sie. Über den Zeitgewinn flachst sie gerne: Ihrem Freund, 800-Meter-Läufer Marc Reuther, habe sie gesagt: „Ich kann ja jetzt mit einem Nähkurs beginnen.“

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