https://www.faz.net/-gtl-om9k

Leichtathletik : Schritt für Schritt will sich Ecker zu alten Höhen aufschwingen

  • -Aktualisiert am

Auf dem Weg zurück: Danny Ecker Bild: dpa

Immer wieder haben Verletzungen Danny Ecker zurückgeworfen. Jetzt arbeitet Deutschlands talentiertester Stabhochspringer an einem Comeback auf höchstem Niveau.

          3 Min.

          Man kann die immense Belastung von Höchstleistungssportlern auch gehörig übertreiben. Elf Tonnen, so schätzte Frank Hensel, wirkten als Spitzenwert an Zug- und Druckkraft auf das Schultergelenk eines abhebenden Stabhochspringers. Armer Danny Ecker!

          Wenn der Leistungssportdirektor des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) mit seiner gewichtigen Befürchtung richtig läge, dann wäre die rechte Schulter des 26jährigen Leverkuseners längst zerschmettert. Und zwar so irreparabel, daß der Bayer-Athlet sich längst voll und ganz seinem Betriebswirtschaftsstudium widmen könnte und an einen Start bei den deutschen Hallen-Meisterschaften an diesem Wochenende in Dortmund überhaupt nicht mehr zu denken wäre. "In Wirklichkeit sind es rund 700 Kilogramm, die im Augenblick des Aufschwungs kurzzeitig und punktuell auf der Schulter lasten", versichert Falk Schade, Diplomsportwissenschaftler und Leitender Biomechaniker am Olympiastützpunkt Köln/Bonn/Leverkusen.

          Falsche Technik, zu wenig Muskeln

          Aber auch ein Bruchteil der allzu hoch gegriffenen 220 Zentner aus dem Munde Hensels, nämlich die tatsächlichen 14 Zentner, können dazu beitragen, eines der kompliziertesten Gelenke des menschlichen Körpers allmählich zu zerbröseln. "Denn", so sagt Schade, "die Schulter ist kaum knöchern gesichert, sondern fast nur durch Muskeln." Wenn man denn genug davon hat. Doch Danny Ecker, in dessen langer Verletzungsgeschichte die Maße und Gewichte wie limitierende Eckdaten auftauchen, zählt nicht zu den Bodybuildern der leichtathletischen Branche. Im Vergleich zu seinem Konkurrenten vom ASV Köln, Tim Lobinger, wirkt er trotz des behutsamen Krafttrainings nach seiner Schulteroperation im Dezember 2002 wie ein Hänfling: 1,92 lang, nur 78 Kilogramm schwer. "Danny hat einfach nicht die Muskelsubstanz wie Tim", konstatiert der für beide zuständige Disziplintrainer des DLV, Leszek Klima. Aber was in der Vergangenheit schwerer wog als weniger Muskeln, das war die falsche Technik - für die eigentlich der Trainer verantwortlich ist. "Wir haben auch immer wieder versucht, sie zu korrigieren", sagt Klima. "Nur, wenn doch die guten Ergebnisse kommen, dann ist die Motivation zur Veränderung nicht stark genug."

          Der Leidensdruck hat Ecker gezwungen, die gemeinsame Sache mit Klima nach zehn Monaten körperlicher Rehabilitation zu Beginn des Wintertrainings ganz anders anzugehen als bis dato. Der Trainer: "Danny neigte dazu, zu dicht an den Absprungkasten heranzulaufen." Und damit vom optimalen Bewegungsablauf abzuweichen: Nach 18 Schritten Anlauf, die einer Strecke von rund 40 Metern entsprechen, sollte der Athlet beim Einstich seines Stabes in die Vertiefung vier Meter vor dem Kasten sein. "Dann, kurz bevor der Stab gebogen wird, befinden sich die obere Hand, der Kopf und der Absprungfuß in einer Lotlinie", erklärt Klima. Dadurch, daß Ecker bis auf 3,60 oder 3,70 Meter an den Einstichkasten heranlief, geriet die Hand hinter den Kopf. "Und zum Zeitpunkt der Höchstbelastung für Schultergelenk und Lendenwirbelsäule wurde er gebremst, statt zu beschleunigen."

          Rückfall „in den alten Mechanismus“

          Schulter und Rücken haben Ecker den Kopf zurechtgerückt und die Notwendigkeit der technischen Korrektur erkennen lassen. Daran arbeitet der Olympia-Achte von Sydney 2000 nun schon vier Monate lang. "Aber der Bewegungsablauf muß im Wettkampf automatisiert werden. Das dauert seine Zeit, und man fällt zwischendurch immer mal wieder zurück in den alten Mechanismus", sagt Ecker. Der ebenso kluge wie bescheidene Leverkusener, der vor drei Jahren just in Dortmund mit glatten sechs Metern den noch gültigen deutschen Hallenrekord aufstellte und im Freien eine Bestmarke von 5,93 Metern hat, weiß genau, daß er sich nur Schritt für Schritt wieder zu früherer Klasse aufschwingen kann. Schritt für Schritt - das ist wörtlich gemeint.

          Im Training hat er es mit zwölf probiert, im Wettkampf zuletzt mit 14; aber er glaubt, die 16 inzwischen drauf zu haben. Je mehr Schritte Anlauf, desto höher das Tempo beim Absprung. Je größer die Geschwindigkeit, desto höher geht es hinaus. Das rechnet Klima ziemlich genau vor: Mit 14 Schritten kommt Ecker auf etwa 8,7 Meter pro Sekunde und kann 5,60 Meter überspringen. Im Wettkampf, zuletzt vor knapp zwei Wochen in Gent, hat es allerdings nur für die bisherige Saisonbestleistung von 5,46 Metern gereicht. "Das kann es nun wirklich nicht sein", findet der hochambitionierte Springer, der laut Klima mit 16 bis 18 Schritten auf ein Tempo von 9,2 bis 9,5 Metern pro Sekunde beschleunigen, damit 5,70 Meter und mehr überspringen kann.

          Aber wohl noch nicht in Dortmund, wo er den Titel außer Reichweite sieht und auch die Teilnahme an den Hallenweltmeisterschaften in Budapest nicht im Auge hat. "Diese Hallensaison ist reines Training", versichert Ecker, "mein Wettkampfziel sind die Olympischen Spiele." In Athen auf der Höhe seiner Möglichkeiten zu sein - allein dafür arbeitet der wohl begabteste deutsche Stabhochspringer.

          Weitere Themen

          Gigantische Olympische Ringe Video-Seite öffnen

          Sommerspiele in Japan : Gigantische Olympische Ringe

          Die Installation ist 32,6 Meter breit und 15,3 Meter hoch. Sie soll in der Bucht von Tokio vor Anker gehen, in der Schwimm- und Triathlonwettbewerbe stattfinden. Die Olympischen Sommerspiele beginnen am 24. Juli.

          Topmeldungen

          Klärungsbedarf: Zübeyde und Peter Feldmann am Abend der Wiederwahl des Oberbürgermeisters

          Feldmann und die Kita-Affäre : Gut bezahlte Nebenrolle

          Als Zübeyde Temizel noch am Konzept für eine Kita in Wiesbaden gearbeitet haben soll, besichtigte Peter Feldmann schon die „Dostluk“-Baustelle in Frankfurt. Und das ist längst nicht die einzige Ungereimtheit in der Sache.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.