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Olympia ohne Röhler : Tokio in Jena

Der Rücken: Thomas Röhler muss in Tokio pausieren. Bild: dpa

Der Rücken macht nicht mit: Speerwerfer Thomas Röhler muss seine Olympia-Teilnahme absagen. Dabei hatte der Rio-Olympiasieger das Olympiastadion von Tokio schon in seiner Trainingshalle simuliert.

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          Das Olympiastadion von Tokio hatte sich Thomas Röhler schon in die Trainingshalle nach Jena geholt. Über hochauflösende Bilder und einen Beamer, der die japanische Szenerie auf eine Thüringer Leinwand projizierte. So simulierte der Speerwurf-Olympiasieger von 2016 bei Tausenden von Übungswürfen mit Bällen die optische Anmutung des Stadions, in der am 8. August der wichtigste Speerwurf-Wettkampf des Sommers stattfinden soll.

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Doch nun wird er nicht daran teilnehmen. Eine Verletzung im „unteren Rückenbereich“ lasse es nicht zu, dass er zum Saisonhöhepunkt am Originalschauplatz seine Leistung „auf hundert Prozent hochfahren kann“, die er unter Laborbedingungen einstudiert hatte. „Es ist mir unglaublich schwergefallen, Tokio eine Absage zu erteilen“, ließ Röhler, 29 Jahre alt, an diesem Montag über sein Manager Fabian Linke mitteilen. Doch gemeinsam mit Trainer Harro Schwuchow habe er entschieden, dass die Gesundheit Vorrang habe: „Ich muss jetzt auf meinen Körper hören. Immerhin will ich meinen Sport noch ein paar Jahre auf Top-Niveau ausüben.“

          Der Körper habe ihm einen Spiegel vorgehalten, erklärt Linke bildhaft, wie sich Röhler seit Wochen intensiv, aber letztlich vergeblich bemüht habe, doch noch fit zu werden. Schon bei der deutschen Meisterschaft im Juni musste er nach nur einem Versuch aufgeben. Nun wollte er an diesem Dienstag in Luzern an einem Wettkampf teilnehmen, um wenigstens einmal den erforderlichen Leistungsnachweis zu erbringen. Doch der Gedanke: „es wird besser“ ließ sich nicht in die Realität umsetzen. Es wurde nicht besser. Deshalb nun der Startverzicht.

          Thomas Röhler ist kein Typ, der die Dinge auf gut Glück versucht. Er gilt als Denker und Tüftler unter den Speerwerfern. Lieber versucht er sich mit innovativen Ideen einen Vorsprung zu verschaffen, als nur auf die Kraft des Wurfarms zu vertrauen. So kam auch sein Gedanke mit dem Beamer zustande: zu einer guten Technik im Speerwerfen gehört, sich im Stadion einen Fixpunkt zu suchen und diesen beim Wurf in den Blick zu nehmen. Der weitgereiste Athlet hat deshalb durchaus Vorteile, weil er die Begebenheiten der Arenen aus eigenen Anschauung kennt. Und da Testevents in Zeiten der Pandemie ausfielen, „holte“ sich Röhler nicht nur das Olympiastadion nach Jena, sondern letztlich alle Stadien dieser Speerwurf-Welt.

          Die Investition soll sich spätestens im kommenden Sommer lohnen, wenn er bei der WM in Eugene einen Platz auf dem Treppchen anpeilt und bei der anschließenden Heim-EM in München die Titelverteidigung von Berlin 2018 erfolgreich gelingen soll. Dann sind auch die Olympischen Sommerspielen von Paris nicht mehr weit.

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