https://www.faz.net/-gtl-tmcm

Leichtathletik : Olympiasieger Riedel wechselt nach Rheinhessen

  • -Aktualisiert am

So kennt man Lars Riedel gemeinhin nicht... Bild: picture-alliance/ dpa

Der Turn- und Sportverein Saulheim ist bislang nicht unbedingt eine der führenden Adressen in der nationalen Leichtathletik gewesen. Gleichwohl wechselt der fünfmalige Diskus-Weltmeister Lars Riedel zu diesem Verein in Rheinhessen.

          Der Turn- und Sportverein Saulheim ist bislang nicht unbedingt eine der führenden Adressen in der nationalen Leichtathletik gewesen. Saulheim? Ja, die kleine Rheinhessengemeinde unweit von Mainz, bekannt für guten Wein und seit einigen Jahren auch durch das internationale Stabhochsprung-Meeting der Frauen. Doch zumindest in Leichtathletikkreisen wird man den Namen künftig häufiger hören, denn am Dienstag wurde bekannt, daß der fünfmalige Diskus-Weltmeister Lars Riedel vom LAC Chemnitz zum TuS Saulheim wechselt.

          In der Provinz ebenfalls einen Einjahresvertrag unterschrieben, eine Woche zuvor, hat die dreimalige deutsche Stabhochsprungmeisterin Yvonne Buschbaum. Sie kehrt dem Klub ABC Ludwigshafen den Rücken. „Wo ein Kind satt wird, werden auch zwei satt“, sagt die Vorsitzende des TuS Saulheim, Waltraud Becker. Bei der Beantwortung der Frage, wie ein Dorfverein die Finanzierung von zwei prominenten Leichtathleten stemmen kann, hält sich die Vorsitzende zurück.

          Mit Vertragsangebot in Chemnitz unzufrieden

          Nebulös spricht sie von „Sponsoren im Umfeld“, konkretisieren mag sie das Engagement jedoch nicht. „Aber der Name Riedel hat gezogen, selbst heute rufen noch Interessenten an“, behauptet Waltraud Becker. Das wird der mittlerweile 39 Jahre alte Riedel gerne hören. Der Olympiasieger von Atlanta 1996 hatte vor einigen Wochen einen stark leistungsbezogenen Vertragsentwurf aus Chemnitz gelesen, eher kurz überflogen und recht schnell gemerkt: „Dort ist nicht mehr so viel Platz für mich.“ Soll heißen: Das Angebot war nicht akzeptabel, das Grundgehalt erheblich reduziert worden. Doch er sei im Guten geschieden, sagt Riedel, ohne ein böses Wort. Nach dreizehn Jahren. Der Kontakt zum TuS Saulheim kam dann über den USC Mainz zustande, im blau-weißen Trikot des Traditionsklubs war er von 1991 bis 1993 gestartet. Doch wie bei Yvonne Buschbaum, auch deren erste Option war der USC Mainz, scheiterte dieser Wechsel am Individualvertrag mit dem Sportartikelhersteller Adidas. Der Mainzer Großklub wird von Asics unterstützt.

          ...so schon.

          Doch der neue Verein des Diskushünen wird zu keiner Pressekonferenz einladen, und es werden auch keine neuen Sponsoren hinzukommen. Denn finanziert wird die womöglich letzte Etappe der Riedelschen Karriere einzig und allein von Lotto Rheinland-Pfalz, in die Wege geleitet über die enge persönliche Freundschaft zu Geschäftsführer Hans-Peter Schössler. Riedel und Schössler kennen sich seit Anfang der neunziger Jahre, als Schössler noch als Hauptgeschäftsführer des Landessportbundes Rheinland-Pfalz tätig war. Nun hat er dem einstmals weltbesten Diskuswerfer einen kurzzeitigen sportlichen Rentenvertrag beschafft.

          Neunte WM als Ziel

          Riedel, der mit dem Trikottausch seinen letzten Leichtathletik-Bezugspunkt im Osten Deutschlands verliert, mag dies nur recht sein. „Die Leichtathletik hat es schwer in den letzten Jahren.“ Auch er selbst, erstmals war er im Sommer 2006 ohne persönlichen Trikothauptsponsor in den Ring gestiegen. Nach Trennung und Scheidung lebt Riedel nun in Rottach-Egern, seine Freundin arbeitet im „Medical Park“ in Bad Wiessee. Im Oberbayrischen fühlt sich Riedel nicht nur privat gut aufgehoben, in der Rehaklinik kann er auch täglich seinen in mehr als zwanzig Leistungssportjahren arg geschundenen Körper pflegen und behandeln lassen.

          Riedel hat viele Brücken abgebrochen, auch jene zu seinem Manager Helmut Ebert, geblieben an seiner Seite ist Erfolgstrainer Karlheinz Steinmetz aus dem hessischen Dieburg. „Mein Ziel steht fest“, sagt Riedel. „Ich will nächstes Jahr in Osaka meine neunte Weltmeisterschaft erleben.“ In Japan würde sich für ihn ein Kreis schließen, 1991 in Tokio hatte er seinen ersten WM-Titel gewonnen. Für den USC Mainz. Riedel, bei der diesjährigen EM in Göteborg nur enttäuschender Achter, will noch einmal angreifen. Von Rückzug, mit Anfang Vierzig ein durchaus nachvollziehbarer Gedanke, ist keine Rede. Aber ob es für Olympia 2008 in Peking reicht? Ob er solange einigermaßen gesund und damit konkurrenzfähig bleibt? Keiner weiß es. Seine Bestleistung von 71,50 Meter stammt aus dem Jahr 1997, geworfen in Wiesbaden. Am Montag hat Riedel seinen Arbeitsvertrag für 2007 unterschrieben, in etwa zeitgleich das Wintertraining aufgenommen. Vorher hatte er anderes zu tun: als Kufenartist in einer Eislaufshow.

          Weitere Themen

          Ohne den Unsinn der Radikalität

          Suhrkamp-Rechtskultur : Ohne den Unsinn der Radikalität

          1968 plante Siegfried Unseld mit dem späteren Bundesinnenminister Werner Maihofer und dem Frankfurter Zivilrechtler Rudolf Wiethölter als Herausgebern eine juristische Zeitschrift neuen Stils. Warum wurde nichts daraus?

          Die klare Botschaft des Manuel Neuer

          Bayern München : Die klare Botschaft des Manuel Neuer

          Dortmund hat kräftig aufgerüstet. Die Bayern indes kommen auf dem Transfermarkt nicht so richtig voran. Torwart Manuel Neuer sieht das gelassen – und verrät, welches besondere Ziel die Münchner antreibt.

          Topmeldungen

          Müssen sich auf Reformen einigen: Luigi Di Maio und Matteo Salvini im Februar in Rom

          Italiens Regierung : Salvini droht mit vorgezogenen Wahlen – mal wieder

          Italiens nnenminister steht wegen der Affäre um mögliche Parteispenden aus Russland unter Druck – und bedrängt nun seinen Koalitionspartner. Es sei noch genügend Zeit, das Parlament aufzulösen und nach der Sommerpause neu zu wählen.

          Im Persischen Golf : Iran hält ausländischen Tanker fest

          Laut iranischen Staatsmedien haben die Revolutionsgarden einen Öltanker gestoppt und die Crew verhaftet. Der Tanker soll demnach eine Million Liter Treibstoff in den Persischen Golf geschmuggelt haben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.