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Leichtathletik : Mit Mut und Risiko nach Barcelona

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Auf dem Weg nach ganz oben: Carolin Hingst Bild: picture alliance / dpa

52 Einzelathleten und 22 Staffelläufer sollen bei der Leichtathletik-EM eine zweistellige Medaillenzahl für den deutschen Leichtathletik-Verband herauslaufen, -werfen und -springen. Zum ersten Mal wird kein Zehnkämpfer am Start sein.

          Mit einer hoch motivierten Mannschaft und ein paar „heißen Eisen im Feuer“ wollen die deutschen Leichtathleten bei den 20. Europameisterschaften in Barcelona an die Erfolge der stimmungsvollen Berliner Heim-WM anknüpfen. Diskus-Weltmeister Robert Harting und Hochsprung-Hoffnung Ariane Friedrich führen das 74-köpfige Team bei der erwarteten Hitzeschlacht in der Olympia- Metropole von 1992 an. Acht Tage vor dem EM-Start benannte der DLV 36 Frauen und 38 Männer für den Saisonhöhepunkt vom 27. Juli bis 1. August. „Wir haben mit Anspruch und Augenmaß nominiert“, sagte Verbands-Sportdirektor Thomas Kurschilgen am Montag in Kienbaum. „Bei der EM werden wir eine leistungsstarke Mannschaft sehen, die mit Mut und Risiko in die Wettkämpfe gehen wird.“

          Zum Team gehören 52 Einzelathleten, von denen 45 die Norm voll erfüllten, und 22 Staffelläufer. Sieben Ausnahmen gab es laut Kurschilgen, weil sich die Athleten bei der DM und in der Europarangliste gut platzierten und die zweite Norm knapp verfehlten. Insgesamt neun Disziplinen blieben unbesetzt. Deutschlands große Weitsprung-Hoffnung Sebastian Bayer (Hamburg) hat die EM-Norm allerdings ebenso verfehlt wie der WM-Dritte im Hochsprung, Raul Spank (Dresden). Beide wurden von Verletzungen geplagt, Nachwirkungen und Trainingsrückstand ließen das Duo nicht rechtzeitig in Top-Form kommen.

          Kein Zehnkämpfer dabei - Behrenbruch sauer

          Zum ersten Mal seit der EM-Premiere vor 76 Jahren in Turin wird in Barcelona zudem kein deutscher Zehnkämpfer am Start sein: Pascal Behrenbruch (Frankfurt/Main) ist nicht fit genug für den Härtetest, befand die Nominierungskommission nach der vierstündigen Sitzung am Sonntagabend in Braunschweig. Bei ihm wäre „das medizinische Risiko im Hinblick auf seine weitere Karriere zu groß“ gewesen, erklärte der Sportdirektor. „Das ist uns sehr schwer gefallen. Aber wir haben uns in einer besonderen Verantwortung gesehen. Der Athlet hat nach wie vor diese Einsicht nicht.“ Behrenbruch, der die Norm in Götzis erfüllt hatte, war stinksauer.

          Von keinen Hürden aufzuhalten: Carolin Nytra

          Dennoch herrscht gute Stimmung im Team, das nur drei Athleten weniger umfasst als bei der EM 2006 in Göteborg. Auch Clemens Prokop ist guter Dinge. „Wir haben eine ganze Reihe von Athleten mit Medaillenchancen. Aber auch Glück und Tagesform werden entscheiden. Wenn alles gut läuft, könnte eine zweistellige Medaillenzahl herauskommen“, sagte der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) der Nachrichtenagentur dpa am Montag.

          Reif, Nytra, Hingst und Müller liegen theoretisch auf Gold-Kurs

          Kurschilgen erwartet einen „Dreikampf mit Großbritannien und Russland“ um den Spitzenplatz in der Nationenwertung. „Wir haben ein paar heiße Eisen im Feuer: Robert Harting, Ariane Friedrich, Betty Heidler. Aber das kann ganz schnell kippen, denn die Leistungsdichte ist sehr groß“, meinte Günther Lohre, der oberste „Leistungshüter“ des DLV. Der Vizepräsident rechnet mit einem „anständigen Auftritt“.

          Vor vier Jahren ließen sich die deutschen Asse in Schweden durch das „Skandinavien-Hoch“ inspirieren: Mit zehn Medaillen (4/4/2) kehrten die deutschen Sprinter, Werfer und Springer aus Göteborg zurück. Gold gab es dabei für Jan Fitschen (Wattenscheid) über 10.000 m, Ralf Bartels (Neubrandenburg) im Kugelstoßen, die mittlerweile zurück getretene Speerwerferin Steffi Nerius (Leverkusen) und die derzeit schwangere Marathon-Siegerin Ulrike Maisch (Rostock). In dieser Saison konnten sich die deutschen Athleten auch schon gut in Stellung bringen, ein Quartett steht in den aktuellen Europabesten-Listen an Position 1: Weitspringer Christian Reif (8,28 Meter), Hürdensprinterin Carolin Nytra (12,57 Sekunden), Stabartistin Carolin Hingst (4,72 Meter) und Diskuswerferin Nadine Müller (67,78).

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