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Zukunft des Leichtathleten : Marc Reuthers großer Schritt nach Australien

  • -Aktualisiert am

Au, Backe soll Vergangenheit sein: Marc Reuther ist nach Australien gegangen, um positiver zu werden. Bild: Imago

Der Mittelstreckenläufer Marc Reuther verlässt Frankfurt, um endlich sein ganzes Potential auszuschöpfen. In Melbourne trifft er auf einen Trainer, der seinem Job mit voller Leidenschaft nachgeht.

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          Mit kleinen, mit „halben“ Schritten, wie er sagt, ist Marc Reuther nicht weit genug gekommen. Zwei Jahre in Leipzig und Ende 2021 der Wechsel zurück nach Frankfurt haben sich für den 800-Meter-Spezialisten nicht wie erhofft ausgezahlt. Zwar stellte der zweimalige deutsche Freiluftmeister neue Bestleistungen auf, doch wenn es darauf ankam, blieb er hinter den Erwartungen zurück: Die Olympischen Spiele in Tokio verpasste der Mittelstreckenläufer.

          Im ablaufenden Jahr war der 26-Jährige zwar bei drei internationalen Meisterschaften dabei, musste sich jedoch nach enttäuschenden Vorstellungen jeweils in den Vorläufen verabschieden. Seine Freiluft-Bestmarke von 1:44,71 Minuten hätte im Finale der kontinentalen Titelkämpfen von München zu Gold gereicht.

          Training auf höchstem Niveau

          Schon während der Sommersaison war in Reuther der Plan gereift, sich einmal ganz aus der Komfortzone zu wagen und sein Glück im Ausland zu versuchen. Seit zwei Monaten genießt der Hesse die Sonne Australiens. In Melbourne hat er sich der starken internationalen Trainingsgruppe von Justin Rinaldi angeschlossen.

          „Er hat schon zahlreiche Läufer in große Finals und zu Medaillen geführt“, erklärt Reuther. Zusammen mit Disziplinkollegen aus Australien, Neuseeland, Schottland oder den Cookinseln, die dieselben Ziele wie er verfolgten, übe er tagtäglich auf höchstem Niveau. „Wir pushen uns gegenseitig, und das war mir wichtig.“ Seit Jahren habe er das Gefühl gehabt, sich immer nur selbst motivieren zu müssen.

          Mit dem Kapitel Frankfurt hat Reuther nach acht Jahren komplett abgeschlossen. Sein Appartement in der Mainmetropole hat er aufgelöst, will zwischen den gemeinsamen Trainingsblöcken mit dem neuen Team wieder in Wiesbaden wohnen und üben, wo der gebürtige Düsseldorfer aufgewachsen ist, und hat auch den Verein gewechselt: Statt für Eintracht Frankfurt wird der Leichtathlet in Zukunft für den Königsteiner LV am Start stehen. Mit dessen Sportlicher Leiterin Judith Wagemans ist er seit Jahren befreundet.

          Er brauche Menschen um sich, die an ihn glaubten, „die für mich da sind, egal, wie es gerade läuft“, erklärt Reuther. Das habe er zuletzt in seinem sportlichen Umfeld vermisst. „Ich habe absolut keinen Rückhalt mehr bekommen. Es war kein einziger Mensch mehr da, der gesagt hat: Marc, ich setze weiter auf dich.“ Dabei sei er „noch keine 35“ und als Achter der ewigen Bestenliste einer der schnellsten 800-Meter-Läufer in der Geschichte seines Landes.

          Trainer verlangt kein Geld

          Der Deutsche Leichtathletik-Verband wollte ihm den Kaderstatus aberkennen. Dagegen kämpfte Reuther erfolgreich an und hat so beispielsweise weiter Anspruch auf Physiotherapie. Unterstützung für Trainingslager oder andere Maßnahmen erhält der Zweite der nationalen Jahresbestenliste jedoch nicht mehr.

          Über die Sporthilfe, die hessische Sportstiftung und den Verein bleibt der DM-Dritte abgesichert. Seinen neuen Coach muss er nicht bezahlen, da Rinaldi im Hauptjob bei einer Bank arbeite und so viel Spaß am Training habe, dass er den Athleten, in denen er Potenzial sieht, nichts berechne. Allein für die Flüge sowie die Unterkunft, die sich der Deutsche während seines Aufenthaltes in Übersee mit den anderen Sportlern teilt, muss er Geld aufbringen. Es sind Kosten, die er gerne begleicht, da er in seinem neuen Leben „superglücklich“ ist.

          „Ich bereue keine Minute lang meinen Entschluss“, sagt Reuther. Die Einheiten seien tough und doch verspüre er eine gewisse Leichtigkeit. „Wir gehen schon mal abends zusammen weg und trainieren trotzdem am nächsten Tag wieder mit Vollgas.“ Die Lockerheit, die die Menschen am anderen Ende der Welt ausstrahlten, hoffe er später selbst auf die Wettkampfbahn bringen zu können.

          Das Mentale stellte für Reuther oft ein Problem dar, bremste ihn zeit seiner Karriere in entscheidenden Momenten. Nun hofft er, den richtigen Weg und den richtigen Mann an seiner Seite dafür gefunden zu haben, auf den Punkt fit zu sein und seine Leistung abliefern zu können.

          Vor Weihnachten wird er aus dem australischen Sommer mit aktuell 25 bis 30 Grad am Tag in den heimatlichen Winter zurückkehren. Im Januar ist ein Trainingslager in Südafrika geplant. Danach will Reuther in eine „normale Hallensaison“ starten. Die EM Anfang März in Istanbul hat er dabei im Blick. Unterm Dach „habe ich oft schon gut performt“, sagt Reuther, dessen Bestzeit von 2020 bei 1:45,39 Minuten liegt. Vielleicht wird es ihm dank seiner neuen Lebensart im kommenden Jahr auch bei den Großereignissen der Sommersaison gelingen.

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