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Leichtathletik-Manager Hermens : „Ich bete, dass Bolt sauber ist“

  • Aktualisiert am

„Wer mit dreißig Meter Vorsprung gewinnt wie Taoufik Makhloufi...“ Bild: AFP

In London habe es einige auffällige Rennen gegeben, meint Jos Hermens. „Ich glaube, viele nehmen Schilddrüsenhormon“, sagt der Leichtathletik-Manager - und hofft, dass Bolt nicht dazu gehört.

          2 Min.

          Jos Hermens ist einer der einflussreichsten Manager in der Leichtathletik. Im ersten Teil des F.A.Z.-Interviews erklärte er das Dilemma der schlechten Verbandsstrukturen in Kenia und Äthiopien, im zweiten spricht der 62 Jahre alte Niederländer vor allem über Doping.

          London hat bislang lediglich einen Dopingfall, den der Kugelstoß-Olympiasiegerin Ostaptschuk. Wie steht es mit dem Doping bei den Läufern?

          Es gab einige auffällige Rennen. Wer das 1500-Meter-Finale und das Halbfinale mit dreißig Meter Vorsprung gewinnt wie Taoufik Makhloufi, wer so gewinnt wie die beiden Mädchen aus der Türkei ...

          . . . Asli Alptekin, schon einmal gesperrt, und Gamze Bulut.

          Ich habe früher mit Süreyya Ayhan zusammengearbeitet und später entdeckt, dass nicht alles in Ordnung war . . .

          . . . die türkische Mittelstreckenläuferin ist lebenslang gesperrt wegen Dopings.

          Ich habe in Paris miterlebt, wie die beiden Mädchen praktisch aus dem Nichts gekommen sind und sich qualifiziert haben. Die Marokkanerin ist gleich erwischt worden . . .

          Mariem Alaoui Selsouli.

          Was ich tun kann: Ich sage seit zehn Jahren vielen ab. Der Tunesierin Habiba Ghribi etwa, die im Hindernislauf die Silbermedaille gewonnen hat. Ich kann sie nicht beschuldigen. Aber ich vertraue ihr auch nicht. So ist das mit denen, die nur ein Mal im Jahr schnell laufen. Es wird zu wenig kontrolliert. Wer keine Leistung zeigt, wird in Ruhe gelassen. Ich hoffe, dass noch einiges rauskommt bei den Tests aus London.

          „Wer so gewinnt, wie die beiden Mädchen aus der Türkei...“ Bilderstrecke
          „Wer so gewinnt, wie die beiden Mädchen aus der Türkei...“ :

          Glauben Sie Usain Bolt?

          Ich habe mir gesagt: Er ist so groß, er hat vermutlich eine überragende Biomechanik. Dann hat er gegen Blake verloren, der einen Kopf kleiner ist und fast genauso schnell läuft. Ich bete, dass sie sauber sind.

          Was nehmen Läuferinnen und Läufer?

          Ich glaube, viele nehmen Schilddrüsenhormon. Seit Monaten frage ich beim Weltverband nach, warum das nicht auf der Dopingliste steht. Es heißt, weil es nicht nachweisbar sei. Aber man kann es auf die Liste setzen. Dann könnte man vielleicht in einigen Jahren die Proben von heute darauf testen. Solange es nicht verboten ist, kann jeder machen, was er will.

          Ihre Haltung hat sich offenbar geändert. Was hat den Ausschlag gegeben?

          Ich war immer gegen Doping. Aber vielleicht habe ich das vor fünfzehn Jahren nicht so ernst genommen. Heute weiß man eher, was es bedeutet, woher die Athleten kommen und was sie machen. Wir nehmen grundsätzlich niemanden mehr aus Marokko. Da gibt es immer Probleme. Seit Ayhan nehmen wir niemanden aus der Türkei. Aber man muss sehen, dass unser Sport viel sauberer geworden ist. Trotzdem gibt es immer noch Trainer wie die aus dem alten Ostblock, die überzeugt sind, dass alle gedopt sind. Das ist natürlich Wahnsinn.

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