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Leichtathletik : Lobinger trägt mal wieder Spendierhosen

  • Aktualisiert am

Umstrittener Streiter: Tim Lobinger Bild: dpa/dpaweb

Der Stabhochspringer bricht beim Golden League Meeting in Paris eine Lanze für die viel kritisierte deutsche Leichtathletik. Oder meint er nur sich selbst?

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          "Die anderen, die heute daneben waren, die kommen schon noch", versicherte Tim Lobinger, der beim Golden League Meeting in Paris ganz offensichtlich wieder mal seine Spendierhosen anhatte - und diesmal, anders als bei anderen Anlässen und Ausfällen, auch anbehielt. Zum freizügigen Übermut, der sich beim 31jährigen Kölner Stabhochspringer ja gelegentlich exhibitionistisch ausdrückt, gab es am Freitagabend im Stade de France auch keinen triftigen Grund; bei übersprungenen 5,75 Metern, auf gleicher Höhe mit drei anderen Athleten.

          Wieder sehr gute Deutsche in Athen

          Allerdings immerhin auf Platz zwei gelandet, hinter dem israelischen Europameister Alexander Averbukh, "und endlich mal mit den Amerikanern hinter mir", ergriff der Stabhochspringer als bester von nur fünf eingeladenen deutschen Teilnehmern gerne das Wort zur prekären Lage der Leichtathletik-Nation und brach eine Lanze für die international offensichtlich nicht mehr angesehenen Athleten: "In Athen gibt es wieder sehr gute Deutsche." Falls Lobinger, wie meistens, wenn er Lob vergibt oder Vorschußlorbeer verteilt, sich selbst meinte - darüber läßt sich nach seiner Pariser Vorstellung ebenso hoffnungsvoll reden wie über die Aussichten der erst 20jährigen Frankfurter Hammerwerferin Betty Heidler, die mit 70,06 Metern hinter der zweimaligen Weltmeisterin Yipsi Moreno aus Kuba und der französischen WM-Dritten von Paris 2003, Manuela Montebrun, Dritte wurde und den zweiten Podestplatz für das deutsche Aufgebot schaffte.

          Aber damit hatte sich's dann auch schon vor 50000 französischen Leichtathletik-Fans, unter deren Applaus sich zwei weitere Abgesandte des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) rund drei Wochen vor dem Auftakt ihrer olympischen Wettbewerbe wahrlich keinen Applaus verdienten. Der frische, aber so gar nicht erfrischend abhebende deutsche Meister Danny Ecker aus Leverkusen versuchte sich dreimal vergeblich an der keineswegs beeindruckenden Anfangshöhe von 5,45 Metern. "Ein Salto nullo", tröstete der rheinische Nachbar Lobinger, "der ist bei uns im Stabhochsprung immer mal drin. Ist mir in dieser Saison ja sogar schon fünfmal passiert." Ja dann - kann es so schlimm ja nicht sein, glaubt auch der generöse Lobinger: "Mit dem Danny wird bald wieder zu rechnen sein."

          Friedeks Comeback mißlingt

          Ausgerechnet Danny Eckers Leverkusener Vereinskamerad Charles Friedek war der zweite unzufriedene DLV-Starter, der nach wochenlanger Verletzungspause drei Comeback-Versuche in den Sand setzte. Damit ging der erste Anlauf des 32jährigen Dreisprung-Weltmeisters von 1999 daneben, die bereits zu Saisonbeginn durch seinen Satz auf 17,40 Meter erbrachte Olympiaqualifikation mit einem bestandenen Gesundheitstest auf höchstem sportlichen Niveau zu bestätigen. Nun muß es Friedek wohl beim Bayer-Sportfest am kommenden Sonntag in Leverkusen noch einmal wagen. Der moralischen Unterstützung Lobingers kann er sicher sein: "Charles schafft das, wenn er meine positive Energie aufnimmt."

          Möllenbeck ohne Fürsprecher

          Zwischen dem Stabhochspringer Tim Lobinger, der nach eigenen Angaben "ja sonst ganz gerne mal meckert", sich diesmal jedoch zum deutschen Mutmacher aufschwang, und dem Diskuswerfer Michael Möllenbeck scheint an diesem gewitterschwangeren Sommerabend rein gar nichts Energetisches, Leistungsförderndes geflossen zu sein. Wenigstens brauchte der 34jährige deutsche Meister aus Wattenscheid, im Gegensatz zu den rasch und lautlos aus der Arena verschwundenen Ecker und Friedek, keinen Fürsprecher. Auch wenn er über seinen siebten Platz mit 61,45 Metern, rund neun Meter hinter dem souveränen litauischen Olympiasieger Virgilius Alekna, lieber geschwiegen hätte: "Muß ich dazu wirklich noch was sagen?" Und dann sagte er so ziemlich alles, was ihm zu seiner nun schon zehn Wochen währenden, schmerzhaften Muskelverspannung an der Hüfte einfiel: "Nachdem ich die ganze Zeit die Klappe gehalten habe, weil ich von Ausreden nichts halte." Und nichts vom Kneifen: "Das gilt, besonders vor Olympia, nicht." Möllenbeck will die Zähne zusammenbeißen, die Technik ein bißchen auf die Verletzung einstellen, die so kurz vor der Athen-Reise nicht mehr auszuheilen sei. "Kaputtgehen, sagen meine Ärzte, kann ja nichts. Außer meiner Ehre, wenn ich mit solchen Weiten aus dem Wettbewerb gehe." Das hätte selbst Lobinger nicht schöner sagen können.

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