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Leichtathletik : Land der Springer

Zu neuen Höhen: Silke Spiegelburg, die beste der Stabhochspringerinnen Bild: dpa

Zu neuen Höhen: Ariane Friedrich, Raul Spank, Silke Spiegelburg und Danny Ecker zeigen bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Leipzig, dass nicht nur Werfen eine deutsche Spezialität ist.

          3 Min.

          Ariane Friedrich freut sich. Vor einer Woche übersprang sie in Karlsruhe 2,05 Meter. „Heute haben wir gesehen, dass 2,06 Meter auch gehen.“ Nur drei mühelos erscheinende Sprünge hatte die Frankfurterin am Sonntag gebraucht, um mit glatt zwei Meter in der Arena von Leipzig deutsche Hallenmeisterin zu werden. Blondiert, kurzhaarig und geschminkt, wurde sie ihrer Rolle als Star der deutschen Leichtathletik gerecht. Dann versuchte sie sich dreimal an einer Verlängerung ihres Höhenfluges, mit dem sie sich für internationale Aufgaben qualifiziert hat – über 2,06 Meter.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Zweimal war ich mit dem Bobbes drüber“, berichtete sie nach den Flügen, die den Titelkämpfen die Krone aufsetzen sollten. „Ich habe mit den Füßen gerissen. Da hat der Abstand beim Sprung nicht gestimmt. Die Höhe ist da.“ Raul Spank, sächsischer Lokalmatador aus Dresden, demonstrierte vor allem sein Potential und sein Selbstbewusstsein. Der Zwanzigjährige versuchte sich dreimal an 2,33 Meter. „Ein technischer Fehler im Anlauf“, so fand er, verhinderte diesmal noch den Erfolg.

          Mächtig im Aufschwung

          Doch immerhin war er, weil er 2,28 Meter überwunden hatte, deutscher Meister und Europameisterschafts-Teilnehmer. „Wir sind nicht nur ein Land der Werfer“, sagte er überzeugt. „Wir sind auch ein Land der Springer.“ Bereits zum fünften Mal in diesem Jahr sprang die 25 Jahre alte Ariane Friedrich zwei Meter oder höher. Doch auf die Frage, wie hoch dieser Elan sie noch tragen werde, verweigert sie die Antwort: „Darüber spreche ich nicht.“ Die Sätze, die sie macht, sind aussagekräftiger.

          Danny Ecker überraschte mit neuem Aussehen

          Die Rolle der Hauptdarstellerin wies Ariane Friedrich zurück. „Heute haben viele Top-Leistungen gebracht“, lobte sie und schwärmte besonders vom Rekord der Stabhochspringerin Silke Spiegelburg. Die schwang sich in Leipzig zu neuen Höhen auf. Am Sonntagnachmittag stellte die Leverkusenerin mit 4,71 Metern nicht nur persönliche Bestleistung, sondern auch deutschen Hallenrekord auf. „Das ist das Tüpfelchen auf dem I“, sagte sie erfreut, nachdem sie Anna Battke (Mainz/ 4,60 Meter) besiegt hatte. „In Turin will ich wieder persönliche Bestleistung springen.“ Die 22 Jahre alte Athletin wie ihre Sportart sind mächtig im Aufschwung. Die Russin Jelena Isinbajewa mit ihren Weltrekorden und ihrem neuen Ausstattervertrag im Wert von 7,5 Millionen Dollar sorgt dafür, dass bei den großen Sportfesten mehr und mehr die Frauen-Wettbewerbe die der Männer ersetzen.

          Als Hypochonder beschimpft

          Vielleicht auch deshalb überraschte Danny Ecker mit neuem Aussehen. Der 31-jährige Athlet trug, als er mit einem Sprung über 5,80 Meter die Herausforderung des sechs Jahre jüngeren Studenten-Weltmeisters Alexander Straub (Filstal/ebenfalls 5,80 Meter) und des neun Jahre jüngeren Malte Mohr (Leverkusen/5,75) abwehrte, Schnurrbart. „Ich fühle mich wie verkleidet“, sagte er. „Morgen ist er wieder ab.“ Alle sieben Stabhochspringer aus Leverkusen hatten sich für Leipzig einen Schnauz wachsen lassen. Für das Publikum war das ein zusätzlicher Hingucker. Für sein Team sorge das für einen sagenhaften Zusammenhalt, schwärmte Ecker.

          Beinahe wären der blonde Bart des schwarzhaarigen Athleten und das Mannschaftsgefühl alles gewesen, woran er sich am Wochenende erfreuen konnte. Beim Hallensportfest in Karlsruhe hatte er überraschend absagen müssen, weil ein eingeklemmter Nerv die Schulter blockierte – ausgerechnet die, die ihn – mit einer Operation – anderthalb Jahre seiner Karriere gekostet hatte. „Vor zwei Tagen konnte ich kaum am Reck hängen“, sagte Ecker. „Es war, als ob mir ein Messer in die Schulter fährt.“

          Kaum wollte er davon sprechen, denn: „Ich werde in meiner Trainingsgruppe schon als Hypochonder beschimpft.“ Doch ob eingebildeter Kranker oder nicht, mit einem anderen Griff konnte er den Schmerz vermeiden, eine Niederlage gegen den aufstrebenden Nachwuchs zudem vermeiden und sich für die Titelverteidigung bei den Hallen-Europameisterschaften in vierzehn Tagen in Turin qualifizieren.

          Selbstbewusster Nachwuchs

          Von einem „sensationellen“ Ergebnis schwärmt der Leitende Bundestrainer Rüdiger Harksen im Weitsprung. Sebastian Bayer sprang zweimal 8,13 Meter weit, und auch Christoph Stolz (Wolfsburg/8,01 Meter) und Oliver Koenig (München/7,92) qualifizierten sich für Turin. Die deutsche Mannschaft wird rund 35 Teilnehmer stark sein. Mit welchem Selbstbewusstsein der Nachwuchs auftritt, demonstrierte der Erfurter Juniorenmeister Sebastian Keiner.

          Vom Start des 800-Meter-Laufs weg machte er Tempo, lief die vier Runden auf der 200-Meter-Bahn praktisch alleine und verpasste die Norm für Turin in 1:47,81 um eine Hundertstelsekunde. Danach gefragt, ob er vom Verband erwarte, dass er ein Auge zudrücke und ihn dennoch nach Turin schicke, antwortete der Neunzehnjährige, dass ihm dieser Termin gar nicht in die Saisonplanung passe. „Dieser Lauf hier war ein Test“, sagte er. „Ich will nicht nach Turin. Ich will im August bei der Weltmeisterschaft in Berlin starten.“

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