https://www.faz.net/-gtl-7tx54

Leichtathletik-Kommentar : Falscher Glanz

Große Sprünge, leere Ränge: Continental Cup in Marrakesch Bild: AFP

Die Leichtathletik begeht ihren Kehraus in Marrakesch: Beim von Europa gewonnenen Continental Cup gibt es Millionen-Gagen, aber kein Interesse von Zuschauern und Stars.

          2 Min.

          Bravo, David Storl, und vielen Dank. Der Kugelstoßer aus Chemnitz, Weltmeister und Europameister, war nicht nur einer der wenigen namhaften Leichtathleten, die zum Kehraus ihrer Sportart am Wochenende nach Marrakesch geflogen waren. Er gehörte zu den wenigen, die beim neuen Continental Cup erstklassige Leistung zeigten. Seine 21,55 Meter brachten dem Team Europa acht Punkte und Storl 30.000 Dollar ein. Ein letztlich von Europa mit 447,5 Punkten vor Amerika (390) gewonnener Mannschaftswettbewerb zwischen den Kontinenten wirkt gewollt; da ruft keine patriotische Pflicht, da lockt keine Identifikation. Für üppigen Lohn aber, sollte man meinen, würde mancher gern den Urlaub verschieben.

          Von wegen. Abgesehen von Storl und Stabhochsprung-Überflieger Renaud Lavillenie, von Speerwerferin Barbora Spotakova und Läuferin Genzebe Dibaba und vor allem von den unglaublichen Hochspringern Mutaz Essa Barshim, Bohdan Bondarenko und Iwan Uchow, fehlten fast alle Spitzenkräfte des Gewerbes. Gerade von den langen Kerls erwarteten die Interessierten gut eine Woche nach den 2,43 Metern des Qatarers Barshim zumindest den Angriff auf den Weltrekord von Javier Sotomayor (2,45 Meter). Doch dann besiegte der erschöpfte Ukrainer Bondarenko seine noch müderen Konkurrenten mit 2,37 Meter. Im Weitsprung übertraf ein einziger Athlet, der Niederländer Ignisious Gaisah, acht Meter.

          Die überragende Hürdenläuferin des Jahres, Kaliese Spencer aus Jamaika, stürmte wieder deutlich unter 54 Sekunden ins Ziel. Eine karibisch-amerikanische Sprint-Staffel mit Kim Collins, Mike Rodgers, Nesta Carter and Richard Thompson beeindruckte in 37,97 Sekunden.

          Versammlung der zu kurz Gekommenen

          Ansonsten wirkte die Veranstaltung in Marrakesch wie eine Versammlung der zu kurz Gekommenen der Leichtathletik. Viele Stars hatten die Saison ohnehin zu einer Auszeit zwischen zwei Weltmeisterschaften genutzt, zum Luftholen vor dem Aufgalopp zu Olympia 2016. Für die meisten anderen war die Saison mit den Finals der Diamond League in Zürich und Brüssel beendet.

          Nur der Internationale Leichtathletik-Verband bestand auf einer Verlängerung des Sportsommers in den Frühherbst. Dafür ließ er die Geldbündel nur so flattern. In Marrakesch lobte er knapp drei Millionen Dollar Preisgeld aus – ein Luxus, von dem selbst Veranstalter der Diamond League träumen. Noch den Achten eines jeden Wettbewerbs wurden tausend Dollar zugesteckt.

          Gib mir Geld und ich Dir die Kugel: David Storl glänzt als einer der wenigen in Marrakesch

          Wer zugriff, brauchte sich nicht zu schämen. Vor wem auch? Das Riesenstadion von Marrakesch mit 41.000 Zuschauerplätzen erschien an beiden Tagen menschenleer. Das war schon bei der Afrika-Meisterschaft vor vier Wochen so gewesen. Vielleicht sollte Entwicklungshilfe weiterhin an der Basis ansetzen und nicht bei der Promotion von aufgeblasenen Events.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Folgen:

          Topmeldungen

          Hoffnung auf Einigung : Trump bläst den Handelskrieg ab

          Der Präsident meldet, ein Kompromiss mit China im Handelsstreit sei kurz vor dem Abschluss: „Sie wollen es, und wir wollen es auch!“

          Klima-Doku „Steigende Pegel“ : Das Meer kommt

          Drei Millimeter pro Jahr steigt das Meer zurzeit, das klingt für viele Menschen nach gar nichts. Was es wirklich bedeutet, zeigt die Dokumentation „Steigende Pegel“ bei 3sat. Die Folgen sind schon jetzt dramatisch.
          Das war einmal eine Tankstelle in Teheran. Sie wurde bei den Protesten zerstört, Benzin gibt es sowieso nur noch zur Phantasiepreisen.

          Proteste in Iran : Niemand weiß, wie viele starben

          Seit Wochen protestieren die Iraner gegen ihre Regierung, die sie vergessen hat. In den sozialen Netzwerken tobt ein Sturm. Was als Probeaufstand eingefädelt war, wurde zur Explosion in der Armutsfalle.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.