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Leichtathletik : Jürgen Mallow – vom Cheftrainer zum Sportdirektor

  • Aktualisiert am

Christina Obergfölls Bronzewurf sorgte für die einzige DLV-Medaille in Peking Bild: AFP

Beförderung oder Degradierung? Jürgen Mallow, bisher Cheftrainer des Deutschen Leichtathletikverbandes (DLV), ist neuer Sportdirektor des DLV. Nach den schlechtesten Olympischen Spielen seit 104 Jahren soll so ein weiteres Desaster bei der WM in Berlin im kommenden Jahr vermieden werden.

          Strengstes Stillschweigen war vereinbart, weil es eigentlich erst zu gegebener Zeit auf der Trainertagung in Kienbaum verkündet werden sollte, aber nicht immer lassen sich Personalentscheidungen lange genug unter Verschluss halten. Jürgen Mallow, der bisherige Leitende Bundestrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), wird Sportdirektor.

          Einen Monat nach dem Olympia-Debakel in Peking und ein knappes Jahr vor den Weltmeisterschaften in Berlin hat der Verband seine sportliche Führung umgebaut. „Herr Mallow ist künftig in der Verwaltung tätig. Das ist nur ein Teil von Maßnahmen. Momentan richten sich alle Entscheidungen auf Berlin aus, um dort gut aufgestellt zu sein“, sagte DLV-Präsident Clemens Prokop am Freitag der Deutschen Presse-Agentur.

          Beförderung oder Degradierung?

          Der DLV hatte in Peking mit nur einer Bronzemedaille – Speerwerferin Christina Obergföll – für die schlechteste Bilanz seit 104 Jahren gesorgt. Die Frage, ob Mallow nun befördert oder degradiert worden sei – ließ Prokop unbeantwortet. DLV-Generalsekretär Frank Hensel, der Vorgänger von Mallow auf dieser Position, machte allerdings deutlich, „dass der Sportdirektor in der Hierarchie höher steht als ein Leitender Bundestrainer. Mallow ist also ganz klar der Kopf, was die Steuerung angeht.“

          Befördert oder degradiert? Aus dem Cheftrainer Jürgen Mallow wurde der Sportdirektor Jürgen Mallow

          Die bisherigen Aufgaben des 63 Jahre alten Mallow übernehmen zumindest bis zur WM Rüdiger Harksen, bisher Hürden-Bundestrainer bei den Frauen, und Stabhochsprung-Experte Herbert Czingon. Der Mannheimer Harksen kümmert sich um die Aufgabenfelder Lauf und Sprint, der Mainzer Czingon um die technischen Disziplinen.

          „Die Belastung durch administrative Aufgaben war zu zeitintensiv“

          Von der Verteilung der sportlichen Leitung auf sechs Schultern „erhoffen wir uns eine Effizienzsteigerung. Herr Mallow hatte ja immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass der Verwaltungsaufwand überhandnimmt“, erklärte Prokop. Die Position des Sportdirektors war seit 2007 verwaist, da Hensel sich um die WM-Organisation in Berlin kümmert.

          Dessen Aufgaben hatte Mallow zum größten Teil schon übernommen. Was auf die Dauer wohl nicht zu verkraften war. „Die Belastung durch administrative Aufgaben war zu zeitintensiv“, sagte Hensel und fügte an: „Da muss der Dialog mit den Trainern fast zwangsläufig zu kurz kommen.“ Aber dass mangelnde Kommunikation und Abstimmung letzten Endes die Ursache für den Einbruch in Peking war, glaubt Hensel nicht. „Die Ursache gibt es nicht. Aber die Konstellation mag ein Teilelement gewesen sein.“

          Mallows Pekinger Ausbruch rief Befremden hervor

          Mallow hatte in Peking ganze Breitseiten auf die Politik und den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) abgefeuert. „Die wollen immer mehr Medaillen, und was tun sie dafür? Nichts, nichts, nichts“, hatte der damals noch Leitende Bundestrainer gesagt und dem Bundesinnenministerium bürokratische Hemmnisse vorgeworfen. Ein Ausbruch, dessen Schärfe man im DLV mit Befremden zur Kenntnis nahm. „Ich hätte es anders ausgedrückt“, sagte Hensel.

          Mallow hat inzwischen erklärt, dass es ihm nicht um Schuld, sondern um Verantwortung gehe. Diese trage an erster Stelle der Athlet, an zweiter der Trainer, an dritter der Verband und an vierter das Umfeld des Sportlers: „Das muss man kritisch unter die Lupe nehmen.“ Aber Mallow, der in dem Ruf steht, ein Schönredner zu sein, sagt angesichts der Fakten von Peking: „Da gibt es nichts schönzureden. Das war ein ausgesprochen enttäuschendes Ergebnis, unter dem wir alle in jeder Hinsicht leiden.“ 2004 in Athen war die olympische Ausbeute mit zwei Silbermedaillen schon enttäuschend genug gewesen, aber mit den Erfolgen bei der WM 2005 (fünf Medaillen) und der WM 2007 (sieben Medaillen) hatte sich der DLV auf dem Weg der Besserung gewähnt. Bis zum Rückschlag von Peking.

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