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Leichtathletik : JFK auch als Einzelkämpfer auf Kurs

Bislang hat er ein gutes Jahr erwischt: Jan-Felix Knobel Bild: dapd

Zielstrebig, kämpferisch, mitreißend: Das und mehr verbindet Jan-Felix Knobel mit sich und seiner Sportart. „Zehnkampf ist eine Lebenseinstellung“ sagt Deutschlands derzeit bester Mehrkämpfer. Bei der Junioren-EM peilt er eine Medaille an.

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          Den Kopf seiner Homepage ziert eine Krone mit den Initialen JFK. Kein schlechtes Wappen für einen 22 Jahre alten Studenten. Jan-Felix Knobel aber lenkt sogleich vom leisesten Verdacht der Überheblichkeit ab: „Nicht ich bin der König, die Krone bezieht sich auf die Sportart.“ Knobel ist Zehnkämpfer, und die gelten als die Könige der Athleten. „Und ich lebe den Zehnkampf.“ Zielstrebig, kämpferisch, mitreißend, publikumsnah, freundschaftlich - das alles sind Attribute, die Knobel mit seiner Sportart verbindet. „Es sind Charakterzüge, die einen Zehnkämpfer ausmachen sollten“, sagt er und fügt noch an: „Zehnkampf ist eine Lebenseinstellung.“

          Wer ein Leben als Mehrkämpfer führt, muss tatsächlich sehr konsequent sein, auf und abseits des Sportplatzes. Das Training der zehn Teildisziplinen ist aufwendig, und auch das restliche Leben will gut organisiert sein. Knobel wohnt in Friedrichsdorf, startet für die LG Eintracht Frankfurt und studiert im vierten Semester an der Hochschule Rhein-Main in Wiesbaden Architektur. Das bringt viel Arbeit und viele Kilometer auf der Autobahn mit sich. Aber er nimmt's pragmatisch, hat seine Trainings- und Studierzeiten aufeinander abgestimmt: „Ich fahre oft gegen den Hauptstrom.“

          Von der Meldeleistung mit Abstand der Beste im Feld

          Ihm bereitet sein Leben derzeit große Freude, das ist nicht zu übersehen. Beim Traditionsmeeting in Götzis war dem 1,91 Meter großen und 89 Kilo schweren Athleten der bislang beste Zehnkampf seiner Karriere gelungen. Mit 8288 Punkten übertraf er die A-Norm für die Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Daegu (Südkorea) und verschaffte sich somit Planungssicherheit für die Saison. Nun kann er das Jahr zusätzlich mit einer Europameisterschaftsmedaille garnieren. Anstatt am Wochenende wie alle anderen deutschen Spitzenmehrkämpfer zur offiziellen WM-Qualifikation nach Ratingen zu fahren, ist der derzeit beste Deutsche am Dienstag zur Junioren-Europameisterschaft nach Ostrau in Tschechien aufgebrochen, wo er am Donnerstag und Freitag seinen zweiten Saison-Zehnkampf bestreitet. „Von der Meldeleistung her bin ich mit Abstand der Beste im Feld“, sagt Knobel, der 2008 schon einmal Junioren-Weltmeister in der Altersklasse U 20 war. Von einer sicheren Goldmedaille bei dieser U-23-EM auszugehen, hält er aber für vermessen. „Man muss immer erst mal alle zehn Disziplinen durchstehen, und die anderen können sich ja auch steigern.“ Eine Medaille wolle er aber schon und geht das Ganze mit Leichtigkeit an. „Die typische Wettkampfangst hat sich noch nicht eingestellt.“

          Götzis 2011 könnte die Wegmarke seiner Karriere gewesen sein. Er sagt: „Ich bin vom Kopf her sehr locker.“ Aber auch sein Körper, der in den vergangenen Jahren manchmal zu schwach war, habe dank des intensiven Trainings die Belastung gut verkraftet. „Götzis war absolut sensationell, aber es sind immer noch Reserven da.“ Das einzig Negative bei seinem Vorarlberger Höhenflug war, dass das Verhältnis zu seinem bisherigen Trainingspartner Pascal Behrenbruch gelitten hat. „Wir trainieren derzeit nicht zusammen.“ Der bis dato beste Hesse hatte in Knobels Schatten einen durchwachsenen Wettkampf in Götzis absolviert, und das harmonierte nicht mit seinem ausgeprägten Ego. „Es ist ein bisschen schwierig derzeit“, sagt Knobel über den Rückzug seines vier Jahre älteren Kumpels: „Schade, denn man könnte sich ja weiterhin gegenseitig hochziehen.“ Nach der EM wird Knobel aus der Ferne betrachten, was Behrenbruch in Ratingen anstellt. „Pascal ist eine Wundertüte. Vielleicht gelingt ihm ein großer Wettkampf. Ich drücke ihm auf jeden Fall die Daumen, dass er die WM-Norm schafft.“

          Und die Initialen JFK? „Das haben meine Eltern gar nicht so vor Augen gehabt“, sagt der JFK von Friedrichsdorf. „Mit Kennedy will ich mich natürlich nicht vergleichen.“ Aber auf seinen Doppelnamen legt er Wert, „auch wenn mich manche Jan und andere Felix nennen.“ Es dauert eine Weile, bis man zur Marke wird.

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