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Leichtathletik : Internationalmannschaft

Ein Weltmeister aus der Pfalz: Raphael Holzdeppe Bild: dpa

Raphael Holzdeppe ist wie selbstverständlich das Gesicht der Leichtathletik-Nationalmannschaft geworden. Er vertritt ein Land, das Menschen aus aller Welt aufnimmt.

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          Ist Raphael Holzdeppe nun der Mesut Özil der deutschen Leichtathletik? Hat der Stabhochspringer das Potential, die Faszination seiner Sportart in Begeisterung für die Nationalmannschaft umzumünzen - besonders bei den Kindern von Migranten? Özil, Mittelfeldspieler für Deutschland und einer der Stars von Real Madrid, gilt wegen seiner türkischen Wurzeln als Beispiel für Integration durch sportlichen Erfolg. Er und sein Mannschaftskamerad Sami Khedira sind ebenso wie Lukas Podolski und Jerome Boateng Kinder von Einwanderern und Stützen eines Teams, das wir stolz Internationalmannschaft nennen.

          Doch obwohl Zuschauer Holzdeppe weiterhin bei Marktplatzspringen und kleinen Sportfesten viel näher kommen werden, als Fußballstars das je zulassen könnten, und obwohl seine Höhenflüge mindestens so faszinierend sind wie Dribblings und Torschüsse, wird er nie wie ein Star-Kicker gefeiert werden. Holzdeppe wird nach der WM wieder in der Normalität landen. Er wird darunter nicht leiden. Er stammt aus Kaiserslautern und ist ein bodenständiger Typ. Dass seine Hautfarbe von afrikanischen Wurzeln zeugt, halten die meisten Kommentatoren seines Erfolges nicht einmal für erwähnenswert.

          Das war ähnlich, als der Hesse Charles Friedek vor vierzehn Jahren in Sevilla Weltmeister im Dreisprung wurde. Und doch hat sich viel verändert seitdem. Holzdeppe ist wie selbstverständlich das Gesicht der Nationalmannschaft geworden. Er vertritt, wie die anderen Top-Leichtathleten auch, ein Land, das aus politischen und wirtschaftlichen, historischen und nicht zuletzt humanitären Gründen Menschen aus aller Welt aufnimmt.

          Die Leichtathleten, Einzelkämpfer eines globalisierten Sports, vertreten viele von ihnen, wie die Mannschaftsbroschüre ausweist. Da sind Riga und Paris als Geburtsorte notiert, Pawlodar in Kasachstan, Wassiljewka und Omsk in Russland, Debrezait in Äthiopien und Sarh im Tschad. Doch wer dies oder die Hautfarbe etwa von Tatjana Pinto und Yasmin Kwadwo, Alyn Camara oder eben Raphael Holzdeppe für den Ausweis von Exotik hält, wird feststellen, dass nicht zuletzt deren Zungenschlag sie als waschechte Kinder Westfalens und des Ruhrgebiets, des Rheinlands und der Pfalz ausweist. Auch das Leichtathletik-Team ist längst eine Internationalmannschaft geworden.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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