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Kämpferin für Frauenrechte : Leichtathletik-Ikone Bechthold stirbt im Alter von 93 Jahren

  • -Aktualisiert am

Ilse Bechthold bei ihrer Ehrung auf der Mitgliederversammlung von Eintracht Frankfurt im Jahr 2018 Bild: Eintracht Frankfurt

Mit Ilse Bechthold verliert die Leichtathletik eine Grande Dame des Sports. Dass Athletinnen heute überwiegend dieselben Wettkämpfe wie Männer bestreiten dürfen, ist auch ihr zu verdanken.

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          Ilse Bechthold, eine Ikone der deutschen Leichtathletik, hat die Bühne des Sports für immer verlassen. Im Alter von 93 Jahren ist die in Offenbach geborene Frankfurterin am Montag in einem Krankenhaus der Main-Metropole gestorben. „Mit Ilse Bechthold verliert die deutsche und internationale Leichtathletik eine Grande Dame des Sports, die sich in herausragender Weise für die Rolle der Frauen eingesetzt hat“, sagte Jürgen Kessing, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). „Es gibt aus meiner Sicht nur wenige Personen, die sich ein Leben lang für die Leichtathletik so engagiert haben wie Ilse Bechthold“, sagte der DLV-Vorstandsvorsitzende Idriss Gonschinska.

          Ihre Sportbegeisterung hat die schon in ihrer Erscheinung kraftvolle frühere Diskuswerferin und Kugelstoßerin, die auch Basketball, Handball und Volleyball spielte, in zahlreichen verantwortungsvollen Tätigkeiten ausgedrückt. Nach sechs Jahren als Frauenwartin füllte sie zwischen 1975 und 1993 das Amt der DLV-Vizepräsidentin aus, gehörte viele Jahre dem Nationalen Olympischen Komitee (NOK) als persönliches Mitglied an und setzte sich im Gutachterausschuss der Stiftung Deutsche Sporthilfe für die sozialen Belange der Sportler ein.

          Auch außerhalb Deutschlands genoss die im Umgang herzliche, aber konsequente Funktionärin einen guten Ruf. 1981 übernahm sie den Vorsitz der Frauen-Kommission im Internationalen Leichtathletik-Verband. Ein Amt, das sie mehrere Wahlperioden lang bekleidete. Die Frankfurterin setzte sich vehement und erfolgreich dafür ein, dass die Leichtathletinnen Wettkämpfe in nur Männern vorbehaltenen Disziplinen wie 400 Meter Hürden, 3000 Meter Hindernis und Hammerwurf bestreiten durften. Und wenn es nach ihr gegangen wäre, würde Zehnkampf für Frauen statt Siebenkampf zum Wettkampf-Programm zählen.

          Diplomatisches Geschick und Zielstrebigkeit

          Die Vielfach-Funktionärin hat mit ihrer burschikosen Art stets guten Kontakt zu den Leichtathletinnen gehalten. Und auch für die Eintracht, für die sie als Werferin noch unter dem Mädchennamen Ilse Peters dreizehn hessische Meistertitel gewann, engagierte sie sich im Verwaltungsrat und zuletzt noch als stellvertretene Vorsitzende der Leichtathletik-Abteilung. Als Dozentin am Institut für Sport und Sportwissenschaft der Frankfurter Goethe-Universität hatte sie ihre Tätigkeiten auch fachlich fundiert.

          Vielfach wurde Ilse Bechthold ausgezeichnet: mit dem Bundesverdienstkreuz, dem Olympischen Orden und dem Ehrenring des DLV. Die Stadt Frankfurt verlieh ihr die Ehrenplakette, und die Eintracht machte sie zum Ehrenmitglied. Walther Tröger, der vor kurzem verstorbene NOK-Ehrenpräsident, rühmte ihre „hohen Fachkenntnisse, ihr diplomatisches Geschick und ihre sichere Zielstrebigkeit“ und nannte Ilse Bechthold „ein großes Vorbild“. In einer Laudatio anlässlich ihres 90. Geburtstages wurde ihr beschieden: „Es gibt keine Orden mehr, die du noch kriegen könntest.“

          Ilse Bechtholds Arbeit in Verbänden und Vereinen waren das Eine, wofür sie respektiert wurde. Ihre Empathie für andere Menschen machte sie zu einer ganz außergewöhnlichen Persönlichkeit. Sie kümmerte sich, begleitete viele Sportler, half mit Ratschlägen und Kontakten. Hammerwurf-Weltmeisterin Betty Heidler sei nur als ein Beispiel genannt. Bis zuletzt zeigte sie ihr Engagement, arbeitete im Ehrenrat der Eintracht mit und im Vorstand der Leichtathletikabteilung. Im Herbst 2020 organisierte sie noch – in Corona-Zeiten – ein Abteilungstreffen im Museum, das bis in die Nacht andauerte. Noch am vorletzten Wochenende besuchte sie die Leichtathletik-Veranstaltung in Kalbach und unterhielt sich mit den Eltern des Zehnkämpfers Andreas Bechmann. Ein reiches Leben für den Sport ist zu Ende gegangen.

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