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Leichtathletik : Hartings Ausstand mit Aplomb

Gewohnter Sieger: Robert Harting gewinnt auch beim Heimspiel in BErlin Bild: REUTERS

Robert Harting macht seine Ankündigung wahr: Der Diskuswerfer dominiert auch bei seinem Heimspiel beim Berliner Istaf. Betty Heidler siegt derweil mit ein wenig Bitternis.

          2 Min.

          Ob beim 33. Sieg von Robert Harting in Serie die Weite von 67,40 Meter die größte Leistung war oder dessen Ankündigung, dürfte umstritten bleiben. Jedenfalls war ein Teil der 55.000 Zuschauer am Sonntagnachmittag beim Internationalen Stadionfest Berlin (Istaf) schon auf dem Heimweg aus dem Berliner Olympiastadion, als Harting den Litauer Virgilius Alekna (66,63 Meter) und den Polen Piotr Malachowsi (66,17) bezwang.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Trotzdem konnte sich der Olympiasieger von London auf seiner Ehrenrunde einen schönen Applaus abholen. Schließlich hatte er den Berlinern den Pflichttermin im Olympiastadion in Erinnerung gebracht, als er ankündigte, wie er in seinem Wohnzimmer gegen die erste Niederlage seit mehr als einem Jahr ankämpfen würde: „Wie jeder sein Haus verteidigen würde. In Boxershorts vor der Tür und mit der Mistgabel in der Hand.“

          Olympisches Zitat: Harting feiert wie nach Gold in London
          Olympisches Zitat: Harting feiert wie nach Gold in London : Bild: REUTERS

          Harting gab in Berlin seinen Ausstand mit Aplomb. Die Stadt war plakatiert mit Bildern ihres großen Sohnes, auf denen dieser forderte: „Ich will dich.“ Das Kommen war geradezu lokalpatriotische Pflicht, hatte doch der Rückzug des Sponsors Vattenfall im vergangenen Jahr das letzte große deutsche Sportfest in eine Existenzkrise gestürzt.

          Alle deutschen Medaillengewinner dabei

          Erst nach einem Krisengipfel mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit konnte das Engagement der Spielbank Berlin sowie der landeseigenen Messegesellschaft und der Imagekampagne „Be Berlin“ für den Etat von 1,8 Millionen Euro aufkommen. Aus diesem Topf war die Verpflichtung all der deutschen Leichtathleten möglich, die in London eine Medaille errungen hatten, von den Silbermedaillengewinnern Björn Otto, der im Stabhochsprung mit 5,78 Meter vor Malte Mohr (5,68) siegte, und Siebenkämpferin Lilly Schwarzkopf, die im Hürdensprint in 13,51 Sekunden dabei war, bis zu Hammerwerferin Betty Heidler, die mit Familie und Freunden einen halben Block füllte.

          Gut geschleudert: Betty Heidler siegt im Hammerwerfen
          Gut geschleudert: Betty Heidler siegt im Hammerwerfen : Bild: REUTERS

          Auf den Start beim Finale der Diamond League in Brüssel verzichtet Harting, um sich darauf konzentrieren zu können, neuen und alten Sponsoren professionell zu Diensten zu sein. Vom Aufhören jedenfalls spricht er nicht mehr. In London habe er lediglich Gold gewinnen können, scherzte er nach dem Wettkampf, in Rio 2016 könne er zusätzlich noch braun werden.

          Heidler siegt mit Bitternis

          Betty Heidler schwärmte zwar, dass es „wieder einmalig“ gewesen sei, beim Istaf zu starten und mit 75,18 Metern zu siegen. Doch ein wenig Bitternis schwang in der Erkenntnis mit, dass allein ihre Bronzemedaille für den Wettkampf gesorgt hatte.

          Auf den Plakaten jedenfalls, die zusätzlich zu denen mit Harting für das Istaf geworben hatten, war das Konterfei von Hochspringerin Ariane Friedrich abgebildet, die am Sonntag nicht sprang, sondern lediglich mit geschientem Arm ein Interview gab. Die gebürtige Berlinerin Betty Heidler fand das traurig. Auch sie fährt nun in die Ferien, die letzte Station der Hammer-Challenge in Rieti lässt sie sausen. Kathrin Klaas wurde mit 71,97 Meter Fünfte.

          Ergebnisse vom Istaf

          Männer

          100 m (0,1 Rückenwind): 1. Kemar Bailey-Cole (Jamaika) 10,00 Sekunden, 2. Kim Collins (St. Kitts and Nevis) 10,07, 3. Jimmy Vicaut (Frankreich) 10,12, ... 8. Julian Reus (Wattenscheid) 10,34
          800 m: 1. Mohamemed Geleto Aman (Äthiopien) 1:43,62 Minuten, 2. Edwin Kiplagat Melly (Kenia) 1:44,36, 3. Andreas Bube (Dänemark) 1:45,12, ... 7. Sebastian Keiner (Erfurt) 1:47,01
          1500 m: 1. Nixon Kiplimo Chepseba 3:33,11 Minuten, 2. Bethwell Birgen 3:33,41, 3. Caleb Mwangangi Ndiku (alle Kenia) 3:33,43, ... 5. Florian Orth (Regensburg) 3:34,56
          110 m Hürden (1,2 Rückenwind): 1. Aries Merrit 12,97 Sekunden, 2. Ryan Wilson (beide USA) 13,45, 3. Adrien Deghelt (Belgien) 13,62, .....5. Alexander John (Leipzig) 13,85
          400 m Hürden: 1. Felix Sanchez (Dominikanische Republik) 48,89 Sekunden, 2. Leford Green (Jamaika) 49,06, 3. Michael Bultheel (Belgien) 49,30, 4. Georg Fleischhauer (Dresden) 49,37
          Weitsprung: 1. Alexander Menkow (Russland) 8,00 m, 2. Tyrone Smith (Bermudas) 7,80, 3. Godfrey Khotso Mokoena (Südafrika) 7,78, 4. Sebastian Bayer (Hamburg) 7,76
          Kugelstoßen: 1. Reese Hoffa (USA) 21,37 m, 2. Tomasz Majewski (Polen) 21,31, 3. Ryan Whiting (USA) 21,17, ... 6. Ralf Bartels (Neubrandenburg) 19,07, ... 9. David Storl (Chemnitz) ohne Weite,
          Diskus: 1. Robert Harting (Berlin) 67,40 m, 2. Virgilijus Alekna (Litauen) 66,63, 3. Piotr Malachowski (Polen) 66,17, 4. Martin Wierig (Magdeburg) 65,49
          Stabhochsprung: 1. Björn Otto (Uerdingen/Dormagen) 5,78 m, 2. Malte Mohr (Wattenscheid) 5,68, 3. Dimitri Starodubtschew (Russland) 5,68, ... 9. Raphael Holzdeppe (Zweibrücken) ohne Höhe

          Frauen

          100 m (0,5 Gegenwind): 1. Kelly-Ann Baptiste (Trinidad und Tobago) 11,25 Sekunden, 2. Kerron Stewart (Jamaika) 11,27 Sekunden, 3. Myriam Soumare (Frankreich) 11,34
          800 m: 1. Pamela Jelimo (Kenia) 1:58,68 Minuten, 2. Francine Niyonsaba (Burundi) 1:58,78, 3. Abeba Aregawi (Äthiopien) 1:59,39
          100 m Hürden (kein Wind): 1. Kellie Wells 12,72 Sekunden, 2. Queen Harrisson (beide USA) 12,79 Sekunden, 3. Priscilla Lopes-Schliep (Kanada) , ... 8. Lilly Schwarzkopf (Rhein-Wied) 13,51
          3000 m Hindernis: 1. Sofia Assefa (Äthiopien) 9:21,64 Minuten, 2. Lydiah Chepkurui (Kenia) 9:22,27, 3, Hiwot Ayalew (Äthiopien) 9:25,29, ... 11. Antje Möldner-Schmidt (Cottbus) 9:40,02
          Hammerwurf: 1. Betty Heidler (Frankfurt) 75,13 m, 2. Ypsi Moreno (Kuba) 73,87, 3. Anita Wlodarczyk (Polen) 73,80, ... 5. Kathrin Klaas (Frankfurt) 71,97
          Speerwurf: 1. Sunette Viljoen (Südafrika) 67,52 m, 2. Barbora Spotakova (Tschechien) 66,83, 3. Christina Obergföll (Offenburg) 62,57, 4. Linda Stahl (Leverkusen) 62,51, ... 7. Katharina Molitor (Leverkusen) 57,75
          Diskus: 1. Yarelis Barrios (Kuba) 66,59 m, 2. Darja Pischtschalnikowa (Russland) 65,47, 3. Nadine Müller (Halle/Saale) 64,34

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