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Kugelstoßer David Storl : Nachbessern in der Goldenen Stadt

Der Herr des Kugelstoßrings: David Storl Bild: dpa

Ein großer Titel unterm Dach fehlt David Storl noch: bei der Hallen-EM in Prag ist die Gelegenheit für den Kugelstoß-Champion günstig. Zwei Sterne auf seiner Schulter motivieren ihn zusätzlich.

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          Auch ein Doppel-Weltmeister und Doppel-Europameister hat noch Lücken im reich gefüllten Trophäenschrank. So fehlt David Storl bislang ein internationaler Titel unterm Dach. Drei zweite Plätze hat der Freiluft-König bislang bei Winter-Großereignissen in der Leichtathletik erreicht. 2012 und 2014 musste er sich jeweils dem Amerikaner Ryan Whiting geschlagen geben, bei seiner einzigen EM-Teilnahme 2011 seinem Teamkollegen Ralf Bartels. Höchste Zeit für den 24 Jahre alten Kugelstoßer, in dieser Kategorie nachzubessern. Und die Gelegenheit ist günstig. Rechtzeitig zur Hallen-EM am Wochenende in Prag hat der Chemnitzer seine langwierige Reha-Pause nach einer Operation am linken Knie beendet. Und nach nur einem Wettkampf, der deutschen Meisterschaft vor 14 Tagen in Karlsruhe, hat er prompt mit einer Weite von 21,26 Metern die Führung in der europäischen Jahresbestenliste übernommen.

          „Ich war schon etwas unsicher“, sagte Storl nach seinem verspäteten Saisoneinstieg. Und das will etwas heißen, schließlich ist der knapp zwei Meter große Hüne sonst die Ruhe in Person. Seine Siegerfaust nach seinem finalen Stoß über die 21-Meter-Marke war somit auch als Zeichen der Erleichterung zu werten: Die Kugel fliegt also noch! Fünf Monate lang hatte Storl zuvor auf diesen Moment warten müssen, nachdem er Mitte September an der Patellasehne operiert worden war, weil entzündetes Gewebe entfernt werden musste.

          Auch gut 150 Tage danach muss er noch gelegentlich Schmerzmittel nehmen. Und auch seine explosive Technik ist noch nicht ganz die alte. Das Umspringen am Ende des Beschleunigungsvorgangs hatte er weggelassen und aus dem Stütz gestoßen, bemerkte Bundestrainer Sven Lang kritisch im Fachmagazin „Leichtathletik“: „Da könnte David schon noch mehr riskieren.“ Doch auch so ist der mit 120 Kilo Körpergewicht für einen Kugelstoßer relativ schmächtige Storl der Schnellste unter seinen Artgenossen. Dank der hervorragenden Koordination von Beinen, Rumpf und Oberkörper kompensiert er gewisse Defizite in der Maximalkraft.

          Siegeshungrig: Hallen-Europameister war Storl noch nicht

          Bei den Hallen-EM führt Storl trotz seiner Jugend als einer der wenigen Sieganwärter das 39-köpfige Aufgebot des Deutschen Leichtathletik-Verbandes an. „Es ist schon gut, dass wir einen solchen Athleten in unseren Reihen haben“, sagte Cheftrainer Idriss Gonschinska vor der Reise nach Prag. Dort muss Storl schon an diesem Donnerstag (18 Uhr) in den Ring steigen, um die Qualifikation für das Finale am Freitag (17.25 Uhr) zu überstehen. Nicht weniger als 34 Schwerathleten wurden gemeldet, doch aus der Menge der Namenlosen sticht Storl eindeutig heraus. Er ist der Einzige, der eine Saisonbestweite von mehr als 21 Meter vorweisen kann. Und auch seine persönliche Bestmarke (21,88) sucht ihresgleichen. Titelverteidiger Asmir Kolasinac hat sich diesen Winter immerhin schon mit 20,91 Metern in guter Verfassung präsentiert, auf seinen ersten 21-Meter-Stoß wartet der Serbe aber noch. Die gastgebenden Tschechen wiederum hoffen auf einen Coup von Tomás Stanek, der mit 20,94 Metern als Zweitbester der Meldeliste antritt. Sein Landsmann Ladislav Prásil will EM-Bronze von 2013 bestätigen. Gold war seinerzeit in Göteborg mit schlappen 20,62 Metern weggegangen, nicht zuletzt, weil Storl auf seine Teilnahme verzichtet hatte.



          Er wolle ihn in jungen Jahren nicht verheizen, hatte Heim- und Bundestrainer Lang den „Aussetzer“ begründet. Storl musste sich in jenem Winter nach der Olympischen Saison auf eine Lehrgangsphase bei der Bundespolizei konzentrieren. Auf seine duale Ausbildung legte er trotz des sportlichen Talents stets großen Wert. Es war die richtige Entscheidung, wie sich spätestens im Februar 2015 zeigte. Denn einen Tag vor seinem Comeback im Kugelstoßring war David Storl zum Polizeimeister ernannt worden. „Lange dafür gearbeitet und endlich geschafft“, schrieb der stolze Bundespolizist unter ein Facebook-Foto, das seine Schulterklappen mit zwei Sternen zeigt.

          Nachdem die Ausbildung mit der Note „gut“ geschafft ist, will er diesen Sommer nutzen, um ein „sehr gut“ im Kugelstoßen zu erreichen: die 22-Meter-Marke knacken, möglichst bei der WM in Peking. Im Herbst plant er dann ein Studium in Sportmanagement. Doch als Erstes gilt es, eine Lücke unterm Dach zu schließen. Zeit für Hallen-Gold. Wo, wenn nicht bei der EM in der Goldenen Stadt?

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