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Leichtathletik : Greene glaubt immer noch, dass er ein Champion ist

  • -Aktualisiert am

Kann er noch einmal gewinnen? Sprinter Maurice Greene Bild: AP

„Das Spiel ist immer noch dasselbe.“ Die Konkurrenz ist jünger und schneller als Maurice Greene. Dennoch glaubt der dreimalige Sprintweltmeister auch mit 31 noch daran, bei den amerikanischen Leichtathletikmeisterschaften gewinnen zu können.

          3 Min.

          Wenn Maurice Greene um eine Meinung zum Thema Sprint gebeten wird, ist er gemeinhin ziemlich schnell mit einem Statement zur Stelle. Doch gelegentlich klingen die Stellungnahmen des dreimaligen Weltmeisters über 100 Meter ziemlich verklärt. So wie ein paar Tage vor Beginn der amerikanischen Leichtathletikmeisterschaften im kalifornischen Ort Carson, die an diesem Wochenende beginnen.

          Das mag daran liegen, daß jemand mit 31 Jahren schon viele Konkurrenten hat kommen und gehen sehen, Rekorde errungen und verloren hat. Seit seinem ersten großen Erfolg bei der WM in Athen 1997 hat sich im Grunde nichts geändert. Oder in seinen Worten: „Das Spiel ist immer noch dasselbe. Es sind nur andere Gesichter.“

          Man denke nur an das Gesicht des 23 Jahre alten Justin Gatlin, Olympiasieger von Athen, der am Samstag im Finale über 100 Meter zu Greenes stärksten Rivalen um die drei Flugtickets zu den Weltmeisterschaften in Helsinki gehört. Oder an das Gesicht von Asafa Powell, dem 22 Jahre alten Jamaikaner, der am 14. Juni in Athen mit 9,77 Sekunden einen Weltrekord aufgestellt hat. Er hatte damit Greene jede theoretische Chance genommen, die Bestzeit am grünen Tisch zurückzugewinnen, die ihm einst ein gewisser Tim Montgomery - womöglich unter Einsatz illegaler Substanzen - abgejagt hatte.

          Maurice Greene bei den Goodwill Games 1998

          Es scheint jedoch, als hätte Greene noch immer nicht die Hoffnung aufgegeben, gegen die neue Garde zu gewinnen. „Es ist egal, was andere denken“, versicherte er Anfang der Woche einer Gruppe von Schülern in einem Vorort von Los Angeles. „Wenn du glaubst, daß du ein Champion bist, dann bist du ein Champion.“

          Gatlin klingt meistens defensiv

          Die Teenager fanden das natürlich cool. Denn einer wie Greene reist bei solchen Gelegenheiten gerne mit seinem Sportwagen an und benutzt in seinen Antworten die Analogie, wonach sein Körper ein Ferrari sei,“in den man nicht irgendein Benzin schüttet“; schon gar nicht solche Oktanbooster wie Wachstumshormon oder das Design-Anabolikum THG. Der Glamour, so sollen die jungen Bewunderer glauben, kommt von der harten Trainingsarbeit. „Einige übergeben sich, und andere werden ohnmächtig, und wieder andere bitten um Vergebung dafür, was sie am Abend zuvor angestellt haben.“ Aber die Qual sei es wert, weil es einem wie ihm nicht an Motivation mangelt, solange es Menschen gibt, die ihn sehen wollen - und solche, die ihn in Grund und Boden rennen wollen.

          Greene hat es gut getroffen, wenn es um die andauernde Kontroverse geht. Der Schützling von John Smith scheint über alle aktuellen Unterstellungen erhaben. Gatlin steht sehr viel schlechter da. Sein Trainer heißt Trevor Graham, der ehemalige Betreuer von Marion Jones und Tim Montgomery, der Zeitungsberichten zufolge jene THG-Kanüle aus dem Hause Balco an das Dopinglabor in Los Angeles weitergegeben hatte, durch die diese riesige amerikanische Lüge, sie wären die saubersten Athleten der Welt, entlarvt wurde.

          Gatlin klingt denn meistens eher defensiv. „Ich weiß nicht, wer unter Einfluß von was war, als Rekorde erzielt wurden“, sagte er vor den Titelkämpfen. „Aber die Leute müssen begreifen, daß wir diese Zeiten ,clean' laufen können. Die Technologie ist soweit. Rekorde können noch immer gebrochen werden.“

          „Du kannst dich nicht auf eine Person fixieren“

          Der Satz würde mehr Gewicht haben, wenn Tim Montgomery in diesen Tagen auch nur annähernd so schnell laufen würde wie in seinen besten Jahren. Aber der ehemalige Weltrekordhalter, dem dank der im Balco-Skandal hochgespülten Beweismittel und der Aussagen von Kollegen wie Kelli White eine lebenslange Sperre sowie die Aberkennung aller Rekordleistungen droht, kann froh sein, wenn er an diesem Samstag überhaupt den Endlauf erreicht. Im Schlepp seiner diskreditierten Lebensgefährtin Marion Jones zog er in dieser Saison durch die Lande und stellte eine persönliche Jahresbestleistung von 10,14 Sekunden auf. Das ist die zwölftbeste Zeit im inneramerikanischen Vergleich und zu langsam, als daß ihm irgend jemand solche Stellungnahmen wie die gegenüber der Nachrichtenagentur AFP (“Ich sage Ihnen, ich werde wirklich hart arbeiten, um meinen Rekord zurückzuholen“) abnehmen würde.

          Demgegenüber steht Gatlin mit 9,85 Sekunden und einem Sieg über den neuen jamaikanischen Weltrekordhalter zu Buche. Und Maurice Greene bringt eine 9,87 mit. Kein Wunder, daß sich die Experten bereits mit den nächsten Terminen nach den Trials beschäftigen. Dem Golden-League-Sportfest am 8. Juli in Rom etwa, wenn Gatlin und Powell wieder aufeinandertreffen werden.

          Der Amerikaner hatte in weniger als zehn Sekunden nach dem Zieleinlauf von Athen von der neuen Bestmarke des Jamaikaners gehört und mit einer gewissen Bewunderung registriert, daß sein größter Widersacher aus der Karibik in der griechischen Hauptstadt die Konkurrenz förmlich „vernichtet“ hatte. So etwas blühe ihm und seinen Mannschaftskameraden Greene und Shawn Crawford, dem 200-Meter-Goldmedaillengewinner, nicht, kündigte Gatlin an. Ganz abgesehen davon: "Du kannst dich nicht auf eine Person fixieren. Das haben wir bei den Sommerspielen im vergangenen Jahr gesehen. Alle haben sich auf Maurice Greene und Asafa Powell eingeschossen. Aber ich habe gewonnen."

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