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Leichtathletik-Glosse : Geheimnis des Mehrkampf-Mekkas

  • -Aktualisiert am

Zu den Klängen von AC/DC: Der Amerikaner Trey Hardee Bild: REUTERS

In Götzis messen sich am Wochenende die besten Mehrkämpfer der Welt. Die Könige der Leichtathletik erliegen Jahr für Jahr dem Charme des Örtchens im Vorarlberg. Eine Suche nach dem Geheimnis des Erfolgs.

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          Auf der Weide nebenan grasen die Kühe, hinter dem Sportplatz grüßen die Berge. Der Himmel blau-weiß, das Publikum sonnt sich zwischen den Disziplinen auf dem grünen Hügel, der drei Viertel des Stadions einrahmt. Idylle pur - aber die Weltelite am Start. Wie geht das?

          An den Antrittsprämien liegt es nicht, die werden nämlich nicht bezahlt. Nur Anreise, Kost und Logis trägt der Veranstalter für die Siebenkämpferinnen und Zehnkämpfer samt Trainer und Betreuer. 430.000 Euro soll das Budget der Veranstaltung tragen, ein Viertel geht für Prämien drauf. Die Sieger des Meetings bekommen je 15.000 Euro und einen Golddukaten. Dazu werden die Besten jeder Einzeldisziplin ausgezeichnet, wofür diverse lokale Unternehmer als Pate bereitstehen.

          Die Faszination Zehnkampf wird in Götzis, einer 11.000-Einwohner-Gemeinde zwischen Bregenz und Arlberg, gelebt wie nirgendwo auf der Welt - und das seit 1975. Damals hatte der Ort einen neuen Sportplatz samt Kunststofflaufbahn bekommen, und der heimische Sportlehrer Konrad Lerch war auf die Idee gekommen, dieses Pfund zu nutzen. Dreieinhalb Dekaden später wird der mittlerweile 70 Jahre alte, aber immer noch drahtige Lerch, für seinen Weitblick und sein Durchhaltevermögen mit dem „Verdienstzeichen der Marktgemeinde Götzis“ ausgezeichnet. Das 37. Meeting ist das erste ohne seine Führung, aber seine Nachfolger haben ebenfalls Weltklassesportler aus über 20 Nationen angelockt.

          Zehnkampf der anderen Art: Kühe in Götzis
          Zehnkampf der anderen Art: Kühe in Götzis : Bild: Achim Dreis

          Voll des Lobes

          Liegt es an der guten Luft, dass die Leistungen Ende Mai stets so imposant sind? Der Weltrekord von Roman Sebrle (9026 Punkte) wurde in Götzis aufgestellt. Bislang haben 273 Athleten im Mösle-Stadion die magische 8000-Punkte-Grenze übertroffen. Talence (Frankreich) kommt auf 150, Ratingen gerade mal auf 55. Ähnliche Bilanz bei den Frauen: Die 6000er Grenze wurde 306 mal in Götzis gebrochen, nur 170 mal in Talence.

          Die Mehrkämpfer sind jedenfalls voll des Lobes für das Meeting, bei dem sie ganz alleine im Mittelpunkt stehen, und nicht zwischen Vorkämpfe und Zwischenläufe der Einzeldisziplinen gezwängt werden. „In Götzis macht es am meisten Spaß, hier ist das Publikum immer so toll“, lobt sogar die umstrittene Olympiasiegerin Natalia Dobrinska aus der Ukraine und die britische Weltmeisterin Jessica Ennis bezeichnet das Meeting als „großartig“.

          Zu den Klängen von AC/DC

          Nach Monaten der Trainingsfron liegt das Meeting auch terminlich günstig. Stets Ende Mai oder Anfang Juni ist es das erste Treffen der Elite. Das Teilnehmerfeld ist so gut wie sonst nur bei einer WM oder Olympischen Spielen. Alle sehen dann, was die Konkurrenz so drauf hat, und was für den jeweiligen Saisonhöhepunkt noch zu erwarten ist. „Ich freue mich immer auf das Meeting“ sagt Jennifer Oeser, Deutschlands Vorzeige-Siebenkämpferin, die zum sechsten Mal am Start ist. Und Kollegin Lilli Schwarzkopf ergänzt: „Es ist Mehrkampf pur, der Athlet steht im Mittelpunkt, und die Zuschauer sind nah dran.“

          „Der Götzler geht aufs Mösle“ heißt das im Volksmund - die Bürger von Götzis stehen auf ihr Meeting im Mösle-Stadion. Und wenn dann der Amerikaner Trey Hardee zu den harten Klängen von AC/DC beim Hochsprung über zwei Meter floppt, und die ganze Kurve mitgeht, dann merkt man auch, dass Stimmung in der österreichischen Provinz nicht zwingend mit Volksmusik zu tun haben muss.

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

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