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Leichtathletik-Glosse : Ein Stern, kein Sternchen

  • -Aktualisiert am

Idol, Ikone und König der Läufer: Haile Gebrselassie hört womöglich auf Bild: dpa

Haile Gebrselassie denkt an den Rücktritt vom Rückktritt. Das ist eine gute Nachricht für die Leichtathletik. Denn es mangelt an Typen, die die Massen bewegen. Gebrselassie ist Idol, Ikone, König der Läufer. Hörte er wirklich auf, fehlte der Sportart etwas Fundamentales.

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          Äthiopien hat eine Reihe großartiger Läufer hervorgebracht, von Abebe Bikila über Mamo Wolde und Miruts Yifter bis Kenenisa Bekele. Wohl keiner aber hat als Leichtathlet sein Land, seinen Kontinent, so nachhaltig ins Bewusstsein der übrigen Welt bringen können wie Haile Gebrselassie.

          Die Nachricht von seiner spontanen Rücktrittserklärung, nachdem er wegen Knieschmerzen beim New Yorker Marathon nach gut der Hälfte der Distanz hatte aufgeben müssen, traf seine Sportart und seine Anhänger unvorbereitet. Wirft er seine Karriere nicht weg, unbedacht, in einem Moment der Enttäuschung, so fragten sich viele?

          1993 bei der WM in Stuttgart war er so richtig ins Rollen gekommen – mehr als zwei Dutzend Weltrekorde, zwei olympische Goldmedaillen und vier Weltmeistertitel, Hallenwettbewerbe nicht mal gezählt, stehen für ihn bislang zu Buche. Und ein weiterer Olympia-Triumph, im Marathon 2012 in London, sollten diese Laufbahn krönen. Inzwischen haben Gebrselassie über Twitter und sein holländischer Manager Jos Hermens gegenüber vielen Journalisten den Rücktritt vom Rücktritt für möglich erklärt.

          Ein König macht sich nicht einfach so davon

          Das ist eine gute Nachricht für die Leichtathletik, denn die Diskussion der letzten Tage über Gebrselassie zeigt, dass es an Typen mangelt, die die Massen bewegen. Haile Gebrselassie ist kein von der Industrie gemachter Star, er brauchte keinen Werbehype, um groß zu werden.

          Er hat seine Leistungen und seine Lebensgeschichte – er stammt aus einer armen Familie mit zehn Kindern – für sich sprechen lassen; seine nun seit 17 Jahren währende Präsenz in der Weltspitze des Langstreckenlaufs macht ihn zu einer Ausnahmefigur im professionellen Sport, der genug flüchtige Sternchen hat, aber wenige Sterne, die das Publikum jederzeit benennen kann.

          Dem kleinen, freundlichen Mann nimmt man im Gegensatz zu vielen anderen ein tiefes Interesse für diejenigen ab, für die er sich in Hilfsorganisationen einsetzt, Kinder vor allem. Er macht so etwas nicht aus Imagegründen. Der Leichtathletik fehlte etwas Fundamentales, hörte er jetzt wirklich auf. Idol, Ikone, König der Läufer, so wird Gebrselassie genannt. Ein König macht sich nicht einfach so davon.

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