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Trainer kontra Berater : Gezerre um Konstanze Klosterhalfen

Konstanze Klosterhalfen: Deutschlands schnellste Mittel- und Langstreckenläuferin Bild: dpa

Dass die Leichtathletin Konstanze Klosterhalfen eine überragende Läuferin ist, steht fest. Doch wer hat ihr Talent am besten gefördert? Darüber streiten Bundestrainer und Berater.

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          Konstanze Klosterhalfen will eigentlich nur laufen. Lange Strecken, möglichst schnell. Doch so einfach ist es nicht mit der in Amerika trainierenden Rheinländerin. Die deutsche Rekordhalterin über 3000 und 5000 Meter polarisiert. Schon auf den ersten Blick. Die leichte Athletin ist ziemlich groß und extrem schlank; mancher Beobachter vermutet, dies könne nicht gesund sein. Bei 1,74 Meter Körpergröße wiegt Klosterhalfen 48 Kilo. „Ich war schon immer dünn“, sagt die 23 Jahre alte Sportstudentin dazu nur. 

          Anfang des vergangenen Jahres verlagerte sie ihren Trainingsschwerpunkt vom Rheinland nach Amerika. Sie gehörte seitdem zu dem von Nike unterstützten „Oregon Project“ des so genannten Startrainers Alberto Salazar - allerdings rannte Klosterhalfen unter Anleitung von Pete Julian, dem Ko-Trainer gewissermaßen. Nachdem Salazar dann im Spätsommer 2019 nach Doping-Ermittlungen vier Jahre gesperrt wurde, beendet Nike das Projekt. Klosterhalfen blieb dennoch. Sie trainiere ja bei Julian, meinte sie. Den Dopinggerüchten lief sie einfach davon. Bei der Leichtathletik-WM in Doha gewann die junge Frau prompt ihre erste internationale Medaille: Bronze über 5000 Meter hinter zwei Kenianerinnen.

          Ein großer Erfolg für eine deutsche Läuferin. Und nun ist prompt ein Streit darüber ausgebrochen, warum sie so erfolgreich ist. Ihr Manager Oliver Mintzlaff und ihr ehemaliger Trainer Sebastian Weiß duellieren sich über den Umweg diverser Medien und es scheint dabei nicht nur um das Wohl der Athletin zu gehen sondern auch darum, wer Recht hat. Der 44 Jahre alte Mintzlaff, Geschäftsführer bei RB Leipzig und früher selbst Langstreckenläufer, der sich als „freundschaftlicher Berater“ der 23 Jahre alten Läuferin sieht, sagte jüngst dem „General-Anzeiger“, er habe Klosterhalfen dazu geraten, nach Amerika zu gehen. Mintzlaff glaube, dass die unbegrenzten Möglichkeiten in Amerika die Läuferin mehr fordern und besser fördern könnten als es in der rheinischen Heimat möglich wäre. „Das ist ein brutal hartes Training, das wir in Deutschland überhaupt nicht kennen. Und sie verkraftet das.“

          Nach Ansicht von Mintzlaff, der wie Kolsterhalfen in Bockeroth in der Nähe von Bonn aufwuchs, sei Konstanze „ein Jahrtausendtalent“. Von der er glaubt, „dass sie Weltrekord über 5000 Meter laufen kann.“ Von dieser Marke, die die Äthiopierin Tirunesh Dibaba (14:11,15 Minuten) seit 2008 hält, ist die Deutsche zwar noch rund 15 Sekunden entfernt, aber ihre Leistungskurve steigt stetig. Doping sei nicht der Grund dafür: „Ich würde für wenige Menschen die Hand ins Feuer legen. Für Konstanze würde ich es tun“, versicherte Mintzlaff, der in der ewigen Dopingdiskussion ein deutsches Trauma zu erkennen glaubt: „Wir sind ein Land voller Neider und warten gefühlt immer auf das Negative.“ Man müsse anerkennen, dass sei sie einfach besser sei und schärfer trainieren könne - sofern sie denn richtig angeleitet würde: „Ich habe auch schnell erkannt, dass ihr damaliger Trainer in Leverkusen nicht ausreicht“, so Manager Mintzlaff.

          „Jahrtausendtalent“ Klosterhalfen am Ziel in Doha: „Brutal hartes Training.“

          Das ist der Moment, bei dem Sebastian Weiß ins Spiel kommt. Der frühere Trainer aus Leverkusen konterte via Sport1. „Ich bin überzeugt, dass Konstanze auch mit dem Training in Deutschland eine ähnliche Leistungsentwicklung über 5000 Meter generiert hätte“, sagte Weiß, der immerhin als Bundestrainer für den Mittel- und Langstreckenbereich der Frauen fungiert. Dass Konstanze „sehr großes Potential“ habe, hätten auch die Leverkusener „schon früh in ihrer Jugend identifiziert“, so Weiß. Und auch damals sei sie schon sehr, sehr schnell unterwegs gewesen: „Ihre persönlichen Bestleistungen über 1500 Meter und 800 Meter stammen noch aus ihrer Zeit in Deutschland.“ So schlecht könne das Training in der Heimat also nicht gewesen sein. Immerhin zeigt sich Weiß aber versöhnlich: „Pete Julian ist ein sehr erfahrener Trainer, er hat Weltmeister und Olympiasieger trainiert. Konstanze fühlt sich bei ihm weiterhin sehr gut aufgehoben.“

          Die Läuferin selbst scheint ganz bei sich zu bleiben - auch während der Corona-Krise. „Laufen ist unkompliziert“, sagte sie jüngst in einem Interview mit dem Red-Bull-Magazin: „Beim Training kann ich alles rauslassen und vergessen, das ist ja fast das Einzige, was noch einigermaßen normal ist.“ Die junge Deutsche ist weiterhin in Oregon und arbeitet dort weitgehend auf sich alleine gestellt die Vorgaben von Pete Julian ab, der selbst wegen Corona nicht da sein kann: „Das klappt auch auf Distanz soweit gut. Ich trainiere nach Plan und nach jeder Einheit facetimen wir.“ So einfach ist das. Es ist eben nur Laufen.

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