https://www.faz.net/-gtl-si1o

Leichtathletik-Europacup : Historischer Fehlschlag der Deutschen

  • Aktualisiert am

Betty Heidler: „Der i-Punkt des Versagens” Bild: dpa

„So schlecht haben wir uns noch nie beim Europapokal dargestellt. Das Ergebnis ist desolat“, sagte Jürgen Mallow, der Leitende Bundestrainer im Deutschen Leichtathletik-Verband. Das Frauen-Team wurde Fünfter. Die deutschen Männer nur Achter.

          2 Min.

          Der 27. Europapokal im spanischen Malaga geht für die deutsche Leichtathletik als Wettbewerb der Pleiten und Pannen in die Annalen ein. „So schlecht haben wir uns noch nie beim Europapokal dargestellt. Das Ergebnis ist nicht nur Pech, sondern auch desolat“, sagte der Leitende Bundestrainer im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV), Jürgen Mallow. Das Frauen-Team beendet seine vergebliche Aufholjagd mit 93 Punkten auf dem fünften Rang. Die deutschen Männer wurden als Titelverteidiger gar auf den achten Platz (86,5 Punkte) durchgereicht. Rußlands Frauen (155) siegten zum zehnten Mal in Serie. Bei den Männern holten sich die Franzosen (118) den Pokal.

          Dadurch nimmt erstmals keine deutsche Mannschaft am Weltcup teil, der diesmal im September in Athen stattfindet. Die Männer hatten sogar Glück, daß der Europapokal 2007 in München stattfindet. Nur weil der Gastgeber gesetzt ist, steigen sie nicht aus der Eliteliga ab. „Wir müssen dieses Erlebnis schnell abhaken und uns auf die weitere EM-Vorbereitung in Göteborg konzentrieren“, sagte Mallow. „Schon bei den deutschen Meisterschaften in Ulm werden wir zeigen, daß wir leistungsstärker sind“, fügte er beschwörend hinzu.

          Börgeling ohne gültigen Versuch

          Die Pannen seien nicht erklärbar, die Athleten gut vorbereitet gewesen. „Trainingsmethodisch sehe ich keinen Grund, daß etwas verändert werden muß. Möglicherweise kommt die Psychologie im DLV zu kurz.“ Für Mallow haben „Einbrüche bei Leistungsträgern“ zu diesem Tiefpunkt der deutschen Leichtathletik geführt. „Von Spitzenathleten erwarte ich, daß sie auch in Streß-Situationen Spitzenleistungen abrufen können“, wetterte Jürgen Mallow: „Wenn die Asse nicht mehr stechen, wie sollen wir dann gut sein? Dann kann man nicht gewinnen und kein brauchbares Mannschaftsergebnis hinbekommen.“

          Schwarze Tage für die deutschen Leichtathleten

          Schon am ersten Tag habe sich mit den Staffel-Pleiten und dem letzten Rang von Claudia Marx (Erfurt) über 400 m Hürden abgezeichnet, daß es schwer wird. Nach dem Hammer-Desaster mit vier Fehlversuchen von Betty Heidler (Frankfurt), die dieses Jahr den deutschen Rekord bis auf 75,38 m verbessert hat, und dem „Salto nullo“ von Lars Börgeling (Leverkusen) im Stabhochsprung gleich zum Auftakt des zweiten Tages habe sich gezeigt, daß nichts mehr geht.

          Unger wurde Letzter

          Die Olympia-Vierte Heidler habe sich hervorragend eingeworfen, sei aber an den Problemen gescheitert, die ihr schon im Vorjahr bei der WM in Helsinki das Aus in der Qualifikation gebracht hätten. Mallow: „Heidler war der i-Punkt des Versagens.“ Der EM- Zweite Börgeling habe seine normale Anfangshöhe (5,55 m) gewählt. Trotzdem bleibe die Frage, ob dieses Desaster nicht fahrlässig gegenüber der Mannschaft war und durch die Trainer anders hätte gesteuert werden müssen.

          Letzter wurde 200-m-Hallen-Europameister Tobias Unger (Kornwestheim/Ludwigsburg). „Ich hatte ganz akute Schmerzen an der Achillessehne. Wenn sich beim Kernspin ein Fersensporn herausstellt, den ich vor Jahren am anderen Fuß hatte, werde ich die Saison abbrechen“, meinte der 27-Jährige, der sich als WM- und Olympia-Finalist zum Vorzeigeathleten entwickelt hatte.

          Nur zwei Erfolge in 40 Disziplinen

          Der zündende Funke sprang im deutschen Team einfach nicht über. Nach sechs Einzelsiegen im Vorjahr, konnten diesmal nur die Diskus- Weltmeisterin Franka Dietzsch und Kugelstoßerin Petra Lammert (19,36) aus Neubrandenburg in den insgesamt 40 Wettbewerben gewinnen. Die Männer mußten sich mit Rang zwei von Diskuswerfer Lars Riedel (63,47 m, Chemnitz) und Platz drei durch Kugelstoßer Ralf Bartels (Neubrandenburg) begnügen.

          Von den jeweils zwei zweiten und dritten Plätzen bei den Frauen ragte noch Hürdensprinterin Kirsten Bolm (Mannheim) heraus, die mit 12,74 Sekunden als einzige eine deutsche Jahresbestleistung aufstellen konnte und wie Dietzsch und Lammert das EM-Ticket vorzeitig buchte. „Es ist wie ein Fluch: Je besser die Fußballer spielen, desto schlechter sind wir hier aufgetreten“, sagte die WM- Vierte Lammert. Bisher waren vierte Europapokal-Plätze die schlechtesten Ergebnisse seit der deutschen Einheit: Die Männer wurden 1993 und 2001 Vierte, die Frauen 1993, 1999 und 2004.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bürgerschaftswahl : Satte Mehrheit für Rot-Grün in Hamburg

          In den Prognosen liegt die SPD mit großem Abstand vorn. Die Grünen verdoppeln ihr Ergebnis. Die CDU verliert, FDP und AfD müssen um den Verbleib in der Bürgerschaft bangen. Rot-Grün hätte eine komfortable Mehrheit.

          Coronavirus : Warum es Italien so schwer erwischt hat

          In Italien steigt die Zahl der Infektionsfälle täglich. Teile des Landes stehen unter Quarantäne, Verstöße werden strafrechtlich geahndet. Venedigs Karneval ist abgesagt, Profi-Fußballspiele fallen aus, die Mailänder Scala ist zu.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.