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Leichtathletik-EM in München : Wie es für Mihambo und Klosterhalfen weitergeht

  • -Aktualisiert am

Muss sich nichts mehr beweisen: Malaika Mihambo während der Weitsprung-Qualifikation Bild: Imago

Beide hatten Corona: Weitspringerin Malaika Mihambo zeigt bei der Europameisterschaft, wie resilient sie ist – für Läuferin Konstanze Klosterhalfen hingegen steigt der Druck.

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          Lockerheit lässt sich nicht verordnen, aber wer so ein tief begründetes Selbstbewusstsein in sich trägt wie Malaika Mihambo, spürt keinen Leistungsdruck mehr. Auch nicht in schwierigen Zeiten. Trotz gerade erst überwundener Corona-Erkrankung zeigte sich die deutsche Weitsprung-Königin aus der Kurpfalz nach der Qualifikation bei der Leichtathletik-EM in München als personifizierte Resilienz. 6,99 Meter lieferte die Titelverteidigerin am Dienstag im zweiten Versuch ab, verschenkte dabei noch gut 16 Zentimeter auf dem Absprungbalken und konnte sich dennoch als Tagesbeste lächelnd und winkend vorzeitig aus dem Olympiastadion verabschieden.

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Ihre Covid-Infektion, die sie nach der Weltmeisterschaft in Eugene erlitten hatte, beeinträchtigte sie zumindest nicht offensichtlich. Dabei hatte sie zehn Tage flach gelegen, sich erst am Freitag endgültig entschieden, tatsächlich in München anzutreten. „Ich war nicht nervös“, sagte sie nun. Auch nicht, nachdem sie im ersten Versuch knapp übergetreten war. Sie habe gewusst, woran es technisch gelegen hatte. Kein Grund zur Panik. Und wegen Corona, so sagte sie, spüre sie vielleicht sogar noch weniger Druck als sonst.

          Wobei Druck sowieso kein Parameter mehr für die 28-Jährige darstellt. „Ich muss nichts mehr beweisen“, lautet eines ihrer Mantras. Sich nicht, und anderen schon gar nicht. Mihambos Leichtigkeit speist sich aus etlichen erfolgreichen Erfahrungen und lässt sich nicht mehr ohne Weiteres erschüttern. Die Titelverteidigerin von Berlin 2018 ist als Doppel-Weltmeisterin und Olympiasiegerin nach Bayern gereist. Vier Goldmedaillen hat sie bei den vergangenen vier Großereignissen gewonnen. Was soll also passieren?

          Trost für Konstanze Klosterhalfen
          Trost für Konstanze Klosterhalfen : Bild: Imago

          Vor der Qualifikation trat sie mit schwarzer Baseballkappe auf – wohl, um sich vor der prallen Sonne zu schützen, aber auch um sich ein bisschen abzuschirmen. Fast alle Zuschauer hatten sich in der Ecke des Olympiastadions versammelt, in der die Weitsprung-Gruben liegen und sorgten so schon am Vormittag für Festtags-Stimmung. „Eine tolle Atmosphäre“, freute sich Mihambo – insgeheim wohl wissend, dass die meisten wegen ihr gekommen waren.

          Doch auch diesen Druck ließ sie sich nicht auf ihre gestärkten Schultern legen. Sie umarmte ihre drei Teamkolleginnen vor dem ersten Versuch, sprach ihnen Mut zu. Und immerhin eine, Merle Homeier aus Göttingen, schaffte mit 6,49 Meter den Sprung ins Finale. Mikaelle Assani (6,46) und Maryse Luzolo (6,29) schieden dagegen aus. Vor dem Finale am Donnerstag (20.58 Uhr in der ARD) freut sich die große Favoritin nun, einen weiteren Tag zur Regeneration zu haben. Denn das sie schneller müde werde, das musste Mihambo doch einräumen. Dennoch fühle sie sich „fitter“ als noch vergangene Woche: „Der Körper regelt das jetzt“, meinte sie zum weiteren Plan ihrer Regeneration.

          Klosterhalfens zweite Chance

          Ebenfalls am Donnerstag (21.25 Uhr) wird auch Langstreckenläuferin Konstanze Klosterhalfen ein zweites Mal im Olympiastadion auftreten. Das Finale über 5000 Meter ist ihre zweite Medaillen-Chance, nachdem sie am Montagabend über die doppelte Distanz knapp an Bronze vorbeigelaufen war. Hinter Yasemin Can (Türkei), der Britin Eilish McColgan und Lonah Chemtai Salpeter aus Israel kam sie auf Rang vier. Danach lächelte sie zwar tapfer, ganz glücklich war das Leichtgewicht der Laufbahn aber nicht, denn sie hatte nur eines ihrer beiden Ziele erreicht: die gute Zeit. Die 25-Jährige blieb in 31:05,21 Minuten nur dreieinhalb Sekunden über ihrem deutschen Rekord.

          Die erhoffte Medaille strebt sie nun über die halbe Distanz an. 2019 in Doha war sie über 5000 Meter zu WM-Bronze gerannt, doch ihr EM-Programm beinhaltet eine Unwägbarkeit: einen Doppelstart wagte sie zuvor noch nie. „Ich bin gespannt, wie das wird“, sagte sie. Auch Klosterhalfen war an Corona erkrankt, allerdings schon im Juni, weshalb sie bei der WM in Eugene kraftlos im Vorlauf ausgeschieden war.

          Weitspringerin Mihambo, die nach eigener Einschätzung durch die Infektion „nicht so viel Substanz verloren“ hat, traut sich im Finale ohne Weiteres Sprünge über sieben Meter zu. Zugleich gibt sie aber noch Lebenshilfe an jene, die zu sehr nach Zahlen schauen. Ihr Ziel sei es generell, „mein Bestes zu geben“ und „Spaß am Wettkampf“ zu haben. Alles Weitere ergebe sich dann schon.

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