https://www.faz.net/-gtl-156o6

Leichtathletik-EM-Vorschau : Hochfliegende Hallenträume

Hochspringerin Ariane Friedrich: Lieber Platz als Höhe Bild:

Ariane Friedrich strebt bei der Hallen-EM eine Hochsprung-Medaille an. Im Stabhochsprung ist Silke Spiegelburg favorisiert, Danny Ecker geht als Titelverteidiger an den Start und Anna Battke hat für ihren Anti-Doping-Kampf wieder Farbe dabei.

          2 Min.

          Als Lufthansa-Flug LH 4012 von Frankfurt nach Turin zum Einsteigen bereit war, mussten die deutschen Leichtathleten noch einen Moment an Gate A 11 ausharren, ehe sie sich in Gruppenstärke an Bord begeben konnten. Ariane Friedrich, die Überfliegerin der Saison, war aufgehalten worden. Man wartete gerne, schließlich ist die 25-Jährige die Top-Athletin des Teams. „Platz oder Höhe“ war die Frage an die Hochspringerin, über die sie erst ins Sinnieren und dann ins Plaudern geraten war.

          Mit übersprungenen 2,05 Metern führt die Frankfurterin die Weltbestenliste gemeinsam mit der Kroatin Blanka Vlasic an. Es fehlen ihr nur noch zwei Zentimeter zum uralten deutschen Hallenrekord von Heike Henkel (2,07 / 1992), der langsam fallen könnte. Doch bei den Europameisterschaften in Turin, die an diesem Wochenende in der Olympiastadt von 2006 ausgetragen werden, wäre sie schon mit einem Zwei-Meter-Sprung zufrieden, wenn er denn aufs Treppchen führt. „Fürs Team wäre es wichtig, dass ich eine Medaille gewinne“, gibt sich das Sprungwunder mannschaftsdienlich: „Damit endlich wieder ein bisschen euphorischer auf die deutsche Leichtathletik geguckt wird.“

          Nebenbei würde sich die unter Halsschmerzen leidende Hoffnungsträgerin selbst einen riesigen Gefallen tun, denn es wäre ihre erste internationale Medaille. Und Gold, das lässt sie durchblicken, ist greifbar. „Ich hoffe, dass es mir egal ist“, sagt sie noch - damit sie am Sonntag (15:40 Uhr) frei von nervlicher Belastung die Lust am Fliegen genießen kann.

          Anna Battke: Wie hier bei der WM 2008 stets im Anti-Doping-Kampf unterwegs

          Die ehrliche Haut hat Farbe im Gepäck

          Stabhochspringerin Anna Battke geht mit einer ganz eigenen Philosophie in die Titelkämpfe, das vorzeigbare Resultat - eine Medaille - sollte jedoch das gleiche sein. „Du musst dann hoch springen, wenn's drauf ankommt“, sagt die 24 Jahre alte Mainzerin und fügt schelmisch hinzu: „Große Höhen bei kleinen Wettkämpfen ist doch verschenkte Mühe.“ Die Mainzerin war in diesem Jahr mehrfach dran, den deutschen Hallenrekord (4,70 Meter) zu überbieten, aber jeweils knapp gescheitert. Bei den Süddeutschen Meisterschaften landete sie bei dieser Gelegenheit sogar neben der Matte, kam aber mit einer leichten Gehirnerschütterung davon. Bei allem Streben nach hohen Höhen liegt ihr zudem der Anti-Doping-Kampf am Herzen. Bei der Hallen-WM 2008 malte sie sich „Stop Doping“ auf den Körper. Auch diesmal hat die ehrliche Haut wieder Farbe im Gepäck, wollte vor Abflug aber ihren EM-Slogan noch nicht verraten.

          Während Battke immer noch 4,60 Meter als Hausmarke stehen hat, wurde sie von der Leverkusenerin Silke Spiegelburg, die sich bei den nationalen Titelkämpfen in Leipzig über 4,71 schwang, im Ranking jäh überboten. Und da die alles beherrschende Kraft im Frauen-Stabhochsprung, Weltrekordlerin Jelena Isinbajewa auf Turin verzichtet, ist die 22 Jahre alte Spiegelburg plötzlich laut Vorleistungsliste die Top-Springerin der Veranstaltung. Eine Medaille ist drin, vielleicht sogar Gold.

          Straub, Ecker und Co. müssen früh aufstehen

          Der Leverkusener Stabhochsprung-Trainer Leszek Klima spekuliert sogar mit vier Medaillen für die deutschen Stabartisten: „Zwei bei den Frauen und zwei bei den Männern.“ Der wieder erstarkte, weil von gesundheitlichen Problemen genesene Danny Ecker geht als Titelverteidiger und „Alterspräsident“ an den Stäbe-Start. Der 31 Jahre alte Ecker hat ebenso 5,80 Meter als Saisonbestmarke stehen wie sein sechs Jahre jüngerer Team-Kollege Alexander Straub, der in den Anfangszeiten seiner Karriere von Ecker noch Autogramme sammelte. Beide gehören zu den besten fünf Athleten der europäischen Hallensaison.

          „Mindestens eine Medaille ist drin“ stapelt Bundestrainer Jörn Elberding nicht ganz so hoch wie sein Disziplin-Kollege Klima, zumal er vor dem „knüppelharten Qualifikationswettkampf“ warnt. Samstag früh um halb zehn müssen die 19 gemeldeten Höhenjäger zum Ausscheidungsspringen antreten, nur acht dürfen am Sonntag (15:25 Uhr) im Finale antreten. „Für Alex ist das die Generalprobe für die WM in Berlin“, nimmt Elberding Druck von seinem Schützling, dem er gleichwohl große Sprünge zutraut. Straub, der sich zum ersten Mal für eine internationale Meisterschaft qualifizierte, hat sich zumindest gewissenhaft vorbereitet: „Ich bin seit 14 Tagen gegen meine Natur jeden Morgen früh aufgestanden, um mich an die sehr frühe Qualifikationszeit anzupassen.“

          Weitere Themen

          Schweiz und Dänemark lösen Turnier-Ticket

          EM-Qualifikation : Schweiz und Dänemark lösen Turnier-Ticket

          Mit einem Sieg gegen Gibraltar sichert sich die Schweiz den Sieg in der Gruppe D vor den Dänen. Die Skandinavier qualifizierten sich trotz eines Unentschiedens gegen Irland für die EM. Derweil feiert Italien ein Schützenfest.

          Beierlorzer von Köln nach Mainz

          Bundesliga-Trainerkarussell : Beierlorzer von Köln nach Mainz

          Eben noch in Köln entlassen, nun schon Coach in Mainz – und wieder geht es gegen Hoffenheim: Achim Beierlorzer wird Nachfolger von Sandro Schwarz. Der Franke selbst nennt die Situation „kurios“.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.