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Leichtathletik-EM : Müllers Diskus fliegt nicht

  • Aktualisiert am

Kopf nicht in den Sand, aber ins Hemd: Nadine Müller nach ihrem letzten Versuch Bild: dpa

Diskuswerferin Nadine Müller verpasst die Goldmedaille klar und landet auf Platz acht. Sabrina Mockenhaupt wird über 10.000 Meter Sechste. Der neue schnellste Mann Europas ist der Franzose Christophe Lemaitre.

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          Während die anderen den Diskus schleuderten, warf Nadine Müller das Handtuch. Das tut sie zwar immer, wenn sie im Wettkampf den komplexen Bewegungsablauf übt. Doch diesmal schien das Handtuch eine Metapher zu sein. Nadine Müller, die 24 Jahre alte Polizistin aus Halle an der Saale, die 1,93 Meter große designierte Nachfolgerin der dreimaligen Weltmeisterin Franka Dietzsch, wurde der Favoritenrolle bei den Europameisterschaften in Barcelona nicht gerecht.

          Schlimmer noch: Als Erste der Weltrangliste angereist, kam sie nie in Schwung, warf lasch und zunehmend unsicher. So wurde sie am Mittwochabend Achte. Nadine Müller blieb bei ihrem ersten Wurf glatt zehn Meter unter ihrer besten Leistung dieses Jahres von 67,78 Meter und ließ dann stark nach. Was für eine Serie: 57,78, ungültig, 55,58, 56,39, 56,59, ungültig.

          Die Kroatin Sandra Perkovic sicherte sich mit ihrem letzten Wurf die Goldmedaille. Sie kam auf 64,67 Meter und verdrängte noch die Rumänin Nicoleta Grasu, die vom ersten Durchgang an mit 63,48 Meter geführt hatte. Dritte wurde die Polin Joanna Wisniewska (62,37).

          Unzufrieden und am Ende nur achte: Nadine Müller

          Natürlich gab es hinterher Erklärungsversuche: „Ich hatte schwere Beine, bin gar nicht in den Wettkampf gekommen. Die Windverhältnisse waren schwierig, es war sehr böig hier drin“, sagte Nadine Müller und schloss mit den Worten: „Es sollte heute nicht sein, aber ich stecke den Kopf nicht in den Sand.“

          Sabine Rumpf dagegen, die 27 Jahre alte Wiesbadenerin, die sich bei den deutschen Meisterschaften mit einem Wurf von 62,21 Meter für Barcelona aufgedrängt hatte, steigerte sich von Wurf zu Wurf, von 56,80 bis 58,89 Meter. Allein der sechste Wurf passte mit 57,77 Meter nicht in die Entwicklungskurve ihres internationalen Debüts. Zwar blieb sie vom ersten bis zum letzten Versuch auf Platz sieben, doch sie forderte das Publikum zum Anfeuern auf und hatte ganz offensichtlich einen prächtigen Abend in Barcelona. „Ich bin zufrieden. Das war von der Konstanz ziemlich gut“, sagte sie. Die deutschen Hoffnungen auf die erste EM-Medaille blieben allerdings unerfüllt.

          Mockenhaupt lief auf Rang sechs - Seeger ging als Vierte in Ziel

          Auch die Kölnerin Sabrina Mockenhaupt hat die erhoffte erste deutsche EM-Medaille verpasst. Die 29-Jährige lief im Olympiastadion von Barcelona in 32:06,02 Minuten über 10.000 Meter auf den sechsten Platz und verfehlte das erste Edelmetall für den DLV seit 20 Jahren auf dieser Strecke damit deutlich. „Das Rennen war wirklich hart, der Wind war extrem. Aber ich bin trotzdem zufrieden, denn es war immerhin mein bestes internationales Ergebnis auf dieser Strecke“, sagte die Siegerländerin.

          Den Titel holte die gebürtige Äthiopierin Elvan Abeylegesse in 31:10,24 Minuten für die Türkei. Platz zwei ging an die Russin Inga Abitowa in 31:22,83 Minuten vor der Portugiesin Jessica Augusto in 31:25,77 Minuten. Mockenhaupt war die drittbeste gebürtige Europäerin - neben Abeylegesse stammen auch die viertplazierte Niederländerin Hilda Kibet und die Fünfte Meryem Erdogan (Türkei) aus afrikanischen Ländern. „Damit muss ich leben, aber für mich ist dieser sechste Platz deshalb durchaus ein Erfolg“, erklärte Mockenhaupt.

          Melanie Seeger hatte am frühen Morgen Bronze nur knapp verpasst. Nach dem vierten Platz im 20-Kilometer-Gehen, dem größten deutschen Erfolg in dieser Disziplin bei Freiluft-Titelkämpfen, ließ die Potsdamerin allerdings mehr ihrem Ärger als ihrer Freude freien Lauf. „Mir wurde nach dem Babyjahr 2009 für ein Jahr die Sporthilfe gestrichen. Und dann hielt es der DLV nicht für nötig, meinen Trainer Michael Klabuhn zur EM mitzunehmen. Offenbar hat niemand an mich geglaubt“, sagte die 33 Jahre alte Olympiafünfte von Athen 2004, die Bronze um elf Sekunden verpasste. Ihre Freude war mehr Genugtuung: „Dieser vierte Platz fühlt sich an wie eine Medaille. Das war das Rennen meines Lebens.“ Gold gewann in 1:27:44 Stunden Olympiasiegerin Olga Kaniskina vor der WM-Vierten Anisja Kirdjapkina (1:28:55) und Wera Sokolowa (1:29:32) - allesamt aus Russland.

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