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Leichtathletik-EM : Gold, Silber, Bronze am Super-Sonntag

  • Aktualisiert am

Selbstbewusster Fahnenträger: Christian Reif springt mit Weltjahresbestleistung zu Gold Bild: dpa

Christian Reif glückte der Gold-Sprung. Robert Harting wirft den Diskus zu Silber. Ariane Friedrich wird im Hochsprung Dritte. Und zwei deutsche Staffeln gewinnen auch noch Medaillen. Die Perspektiven für Olympia 2012 sind gut.

          Christian Reif glückte der Gold-Sprung, Robert Harting fand den Silber-Dreh, Ariane Friedrich holte Bronze vom Abendhimmel: Die deutschen Leichtathletik-Asse haben am finalen Super-Sonntag der Europameisterschaft in Barcelona noch einmal mächtig aufgedreht und die EM-Bilanz von Göteborg deutlich übertroffen.

          Weitspringer Reif bot mit seinen 25 Jahren eine reife Leistung und wurde mit Gold belohnt: Mit 8,47 Metern eroberte er das vierte Gold von insgesamt 16 Medaillen für die aufstrebenden Deutschen. Vor vier Jahren hatte das EM-Team des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) nur zehnmal Edelmetall aus Schweden mitgebracht. Mit Silber für Diskus-Weltmeister Harting und Bronze für Hochsprung-Ass Ariane Friedrich krönte die DLV-Mannschaft das furiose Finale.

          Die Frankfurterin wurde mit 2,01 Metern Dritte und war enttäuscht. Kroatiens Weltmeisterin Blanka Vlasic (2,03) stieg im Olympiastadion von 1992 auch zur Europameisterin auf. Harting hatte Pech und verpasste sein insgeheim erhofftes erstes EM-Gold nur um die halbe Armlänge von 40 Zentimetern. Trotz einer starken Sechser-Serie und 68,47 Meter verlor der 25 Jahre alte Berliner die WM-Revanche gegen Vizeweltmeister Piotr Malachowski: Der Pole triumphierte mit der Siegweite von 68,87.

          Schnelle Männer, große Freude: Tobias Unger, Marius Broening, Alexander Kosenkow und Martin Keller (v.l.) feiern ihren dritten Platz

          80 Minuten zuvor hatte die Sprintstaffel der Männer über 4 x 100 Meter das deutsche Medaillen-Dutzend voll gemacht. Tobias Unger, Marius Broening, Alexander Kosenkow und Martin Keller mussten sich in 38,44 Sekunden nur den Franzosen mit dem neuen Sprintkönig Christophe Lemaitre (38,11) und Italien (38,17) geschlagen geben. Der 20-Jährige holte sein drittes Gold und ist damit der erfolgreichste Athlet dieser EM. Doch auch ein dritter Platz kann glücklich machen. „Wir sind super happy. Schön, dass es geklappt hat. Wir wollten unbedingt eine Medaille“, sagte Startläufer Unger.

          Tolle Perspektive für die Olympischen Spiele

          Nicht nur auf Harting und die Sprinter war am Wochenende Verlass, bereits am Samstag regnete es Medaillen (siehe: Leichtathletik-EM: Diesmal sind auch die Männer stark): Sensations-Silber für Speerwerfer Matthias de Zordo, Bronze für Siebenkämpferin Jennifer Oeser, Kugel-Koloss Ralf Bartels und Hürdensprinterin Carolin Nytra. Damit hatten die DLV-Asse bei der EM-Expedition auf dem Montjuic ihren Aufwärtstrend fortgesetzt - 2012 in London soll der Gipfel in Angriff genommen werden. „Ich glaube an die Mannschaft, sie hat eine tolle Perspektive für die Olympischen Spiele“, sagte DLV-Präsident Clemens Prokop.

          Das Team der Zukunft hat sich bei den 20. Europameisterschaften nach einem Fehlstart noch prächtig geschlagen. „Wir sind enttäuschend gestartet und haben mit Überraschungen aufgehört“, resümierte Prokop nach vier „tollen Tagen“ mit Sternstunden und Sensationen in der Olympia-Stadt von 1992. Nur an den ersten beiden Tagen war der DLV medaillenlos geblieben. „Wenn man so viele Medaillen gewinnt, kann man nur sagen: Ziel erreicht!“

          Die Franzosen und die Briten haben noch Vorteile

          Der Schwung der Heim-WM in Berlin (9 Medaillen) hat den Club der „Jungen Wilden“ - Durchschnittsalter 25,9 Jahre - auch in Barcelona beflügelt. Der Titel-Traum ging für Sprinterin Verena Sailer, Linda Stahl mit dem Speer, Hammer-Frau Betty Heidler und Weitenjäger Reif in Erfüllung. Allerdings gab es auch Enttäuschungen: Der achte Platz von Nadine Müller (Diskus) sowie das Qualifikations-Aus von Markus Esser (Hammer) und Malte Mohr (Stabhoch) waren nicht eingeplant. Dick auf dem Zettel stand auch eine Medaille für die 4 x 100-Meter-Staffel der Frauen, doch ein Wechselfehler begrub alle Hoffnungen (siehe: Leichtathletik-EM kompakt: Sailers Tränen - Hartings Muskeln - Europas Sieger).

          Verena Sailers Sprint-Gold und Carsten Schlangens Silber über 1500 Meter hauchten der schon x-Mal totgesagten Lauf-Abteilung des DLV neues Leben ein. Doch über den Berg sind Sprinter, Mittel- und Langstreckenläufer längst noch nicht. „Der Laufbereich muss jetzt erkannt haben, dass er eine Chance hat“, urteilte Kurschilgen. „Der Sprinterfolg sollte die Signalwirkung haben. Man kann mit starker europäischer Konkurrenz mithalten.“

          Mehr aber auch noch nicht: Denn gerade die Franzosen und auch die starken Briten hatten auf der blauen Bahn des Olympiastadions noch deutliche Vorteile. Beide Nachbarn „haben im Lauf zugelegt. Da müssen wir genau hinschauen, wie sie es machen“, erklärte Prokop, der im eigenen Verband eine „Lauf-Offensive“ gestartet hat.

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