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Leichtathletik : Ehemaliger Läufer Stéphane Franke ist tot

  • Aktualisiert am

Stéphane Franke ist tot Bild: dpa

Erst vor fünf Wochen wurde der Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert. Am Donnerstag ist Stéphane Franke im Alter von 47 Jahren verstorben. Er feierte als einer der besten Europäer Erfolge, denen wegen Dopinggerüchten der zweifelsfreie Glanz fehlte.

          Die Karriere des früheren Langläufers Stéphane Franke war so erfolgreich wie umstritten. Der Europameisterschafts-Dritte über 10.000 Meter von 1994 und 1998 ist am vergangenen Donnerstag im Alter von 47 Jahren gestorben. Dies gab die Familie am Mittwoch bekannt. Franke starb in einer Klinik in seinem Wohnort Potsdam an den Folgen von Lymphdrüsenkrebs. Die Trauerfeier fand bereits am Dienstag statt.

          „Es ist eine menschliche Tragödie“, sagte Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Der in Versailles geborene Franke entwickelte sich in Filderstadt zu einem Weltklasseläufer, der 1993 bei der Heim-WM in Stuttgart überraschend Vierter über 10.000 Meter wurde. Seine Trainerin war Isabelle Baumann, Frau des deutschen Vorläufers Dieter Baumann.

          Das Verhältnis zwischen dem Olympiasieger von 1992 und Franke war später aber nicht nur von Rivalität geprägt, sondern galt im Zuge des Doping-Skandals von Baumann als zerrüttet. Im Fall Baumann - der Schwabe war 1999 bei Kontrollen positiv getestet worden - kamen Vorwürfe auf, wonach Franke und der von ihm damals betreute Hindernisläufer Damian Kallabis möglicherweise die Zahnpasta Baumanns während eines Trainingslagers in St. Moritz manipuliert haben. Das verbotene Doping-Mittel Nandrolon war darin entdeckt worden. Franke hatte diese Vorwürfe immer zurückgewiesen.

          Der frühere Langstreckenläufer litt an Lymphdrüsenkrebs

          Ein großer Schatten auf die Leistung des Athleten und Trainers fiel 1998 in Budapest, wo Franke EM-Dritter und wenig später sein Schüler Kallabis sensationell Hindernis-Europameister geworden war. Denn es wurde bekannt, dass er und Kallabis Infusionen mit dem Blutverdünnungsmittel HES erhalten haben.

          Die Nutzung stand da noch nicht auf der Doping-Verbotsliste, nährte aber den Verdacht auf die Einnahme des Blutdopingmittels Epo. Weder Franke noch Kallabis wurden jemals positiv getestet. Der Läufertrainer wehrten sich gegen den Vorwurf des Dopingmissbrauchs, räumte die HES-Anwendung aber ein und klagte über die „Hexenjagd“, der er sich ausgesetzt fühlte.

          Brachte er Berlins WM-Bewerbung zum Scheitern?

          Ende 2000 beendete Franke, der 1995 seine Bestzeiten über 5000 Meter (13:03,76 Minuten) und 10.000 Meter (27:48,88) gelaufen war, seine Laufbahn als Aktiver und Trainer. Eine von ihm angestrebte Bundestrainerstelle beim DLV bekam er nicht. Dafür wurde Franke im Februar 2001 zum Sportdirektor des Leichtathletik-Meetings Istaf in Berlin berufen.

          Dieses berufliche Kapitel ging für ihn schnell und unrühmlich schon nach einem Jahr zu Ende: Franke wurde beschuldigt, in seiner Funktion als Istaf-Sportdirektor ein gefälschtes Fax aus der Istaf-Geschäftsstelle an die Council-Mitglieder des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF geschickt und damit Berlins WM-Bewerbung für 2005 zum Scheitern gebracht zu haben.

          „Ich gehe das an wie einen Marathon“

          Alles deutete auf Franke als Absender hin. In einen gegen ihn angestrengten gerichtlichen Verfahren wegen Urkundenfälschung akzeptierte er den Strafbefehl. In dem Schreiben wurde die drohende Insolvenz der Istaf GmbH und die mangelnde Unterstützung des Meetings durch Politik und Wirtschaft beklagt. Die IAAF vergab die WM für 2005 nach Helsinki, Berlin erhielt später den Zuschlag für 2009.

          In den vergangenen Jahren arbeitete Franke unter anderem als Fernsehkommentator für Leichtathletik und Ski-Langlauf sowie als Buchautor. „Ich gehe das an wie einen Marathon, konzentriere mich erst einmal nur auf die nächsten 10.000 Meter, die vor mir liegen“, sagte Franke laut einer vom TV-Sender „Eurosport“ verbreiteten Erklärung zu seiner Krankheit. Franke hinterlässt eine zehnjährige Tochter.

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