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Leichtathletik-DM : Vetter teilt aus, Baumann hört auf

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Kann nicht nachvollziehen, warum einige Athleten nicht starten: Speerwerfer Vetter. Bild: dpa

Vetter kritisiert Leichathleten für deren Nichtteilnahme an den deutschen Meisterschaften. Dutkiewicz startet, weil sie „etwas zurückgeben“ will. Eine Läuferin mit prominentem Namen hört ganz auf.

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          Mit klaren Worten hat Weltklasse-Speerwerfer Johannes Vetter die Nicht-Teilnahme einiger deutscher Top-Leichtathleten an den nationalen Titelkämpfe in Braunschweig kritisiert. „Was ist das denn für eine Botschaft, wenn gerade unsere Aushängeschilder passen? Gerade für die ’Deutschen’, wo sogar das Fernsehen an beiden Tagen überträgt?“, fragte der 27-Jährige von der LG Offenburg. Namen nannte Vetter nicht.

          Die Olympiasieger Thomas Röhler (Speer), der vor knapp einem Monat Vater wurde, und Christoph Harting (Diskus/Saisonaufbau für Tokio 2021) fehlen im Eintracht-Stadion ebenso wie Topläuferin Konstanze Klosterhalfen und Sprinterin Gina Lückenkemper, die am vergangenen Mittwoch im finnischen Espoo in die Saison gestartet war. Wegen einer Muskelverletzung konnte sie im Juni nur eingeschränkt trainieren.

          „Es gab vor dem festen Termin der deutschen Meisterschaften große Sorge um den Sport, im BMI wurde ein Nachtragshaushalt für den Sport eingeräumt, um die wirtschaftliche Bedrohung regulierbar zu machen. Dadurch ist es für mich unverständlich und nicht nachvollziehbar, dass manche Athleten die Meisterschaften aus nicht eindeutigen Gründen absagen“, sagte Vetter der Deutschen Presse-Agentur (dpa). „Da sind einige, die machen vor und nach den Meisterschaften noch munter Wettkämpfe - aber bei den deutschen Meisterschaften zeigen sie sich nicht“, monierte der Weltmeister von 2017. „Gerade auch für unsere motivierten Nachwuchsathleten gibt das doch ein schlechtes Bild ab, wenn sie ihre Idole nicht sehen und sich fragen: Warum kommen die nicht?“

          Die Titelkämpfe finden - wegen der Corona-Pandemie ohne Zuschauer - am Wochenende in Braunschweig statt. Vetter will sich am Sonntag (Finale 17.30 Uhr/ZDF) seinen zweiten Titel nach 2017 holen. Der deutsche Rekordhalter (94,44 Meter) gilt im Duell mit Titelverteidiger Andreas Hofmann (Mannheim) als Favorit.

          „Das Gefühl, etwas zurückgeben zu wollen“

          Entgegen ihrer ursprünglichen Planung startet Hürden-Sprinterin Pamela Dutkiewicz in Braunschweig. „Eigentlich hatte ich mich entschieden, eine komplett wettkampffreie Saison einzulegen. Aber mein Verein und der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) haben mich für die deutsche Meisterschaft sensibilisiert. Ich hatte das Gefühl, etwas zurückgeben zu wollen“, sagte die Vize-Europameisterin von 2018 und WM-Dritte von 2017 über 100 Meter Hürden in einem Interview der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (Freitag).

          Hürdensprinterin Pamela Dutkiewicz: „Ich erlaube meinem Körper gerade, sich zu entspannen.“
          Hürdensprinterin Pamela Dutkiewicz: „Ich erlaube meinem Körper gerade, sich zu entspannen.“ : Bild: dpa

          Dutkiewicz begründete ihre Teilnahme mit dem großen Aufwand, den der DLV für die Meisterschaften betrieben habe. „Die Leichtathletik ist eine der wenigen Sportarten, die sich das Konzept vom Fußball abgeguckt hat, nun Fernsehzeiten bekommt und eine deutsche Meisterschaft abhalten kann. Es geht jetzt nicht um den Sieg mit einer Topzeit, sondern um Präsenz: des Konzeptes und der Athleten. Das will ich unterstützen“, sagte die 28-Jährige vom TV Wattenscheid. Dabei sei sie „wirklich nicht sonderlich im Wettkampfmodus. Ich erlaube meinem Körper gerade, sich zu entspannen.“

          Baumann beendet Karriere

          Hürdenläuferin Jackie Baumann hat unterdessen im Alter von 24 Jahren überraschend ihre Leichtathletik-Karriere komplett beendet. „Mir ist der Spaß am Wettkampf-Sport abhanden gekommen“, sagte die Olympia-Teilnehmerin von Rio de Janeiro 2016 und zweifache deutsche Meisterin der dpa. Die Tochter von 5000-Meter-Olympiasieger Dieter Baumann galt als klare Favoritin über 400 Meter Hürden bei den Titelkämpfen an diesem Wochenende.

          Hört mit Leistungssport auf: Jackie Baumann
          Hört mit Leistungssport auf: Jackie Baumann : Bild: dpa

          „Der mentale Stress vor Wettkämpfen hat mich immer unter Druck gesetzt, auch mit gesundheitlichen Folgen, zum Beispiel Schlafstörungen“, sagte Jackie Baumann weiter. „Der Druck ist auch nach den Rennen nicht abgefallen. Es ist mir schwer gefallen, mich im Wettkampf-Sport wohlzufühlen.“ Nach Angaben von Jackie Baumanns Mutter und Trainerin Isabelle Baumann habe auch professionelle Hilfe keine Besserung gebracht: „Das ist nur konsequent. Sie ist auch erleichtert, diese Entscheidung getroffen zu haben“, sagte sie dem „Schwäbischen Tagblatt“.

          Jackie Baumann war 2015 und 2016 deutsche Meisterin. Die Lehramtsstudentin zeigte sich nach Verletzungssorgen in den vergangenen Jahren zuletzt in Topform. Mitte Juli lief sie in 55,53 Sekunden eine persönliche Bestzeit. Ihr Vater Dieter hatte 1992 in Barcelona Olympia-Gold geholt, sich in der Öffentlichkeit aber immer zurückgehalten, wenn es um seine Tochter ging.

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