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Leichtathletik : Die fragliche Zukunft des Istaf

Dem Berliner Istaf und damit auch den Stabhochspringern droht das Aus Bild:

Das Internationale Stadionfest (Istaf) ist das letzte deutsche Leichtathletik-Meeting von internationaler Bedeutung. Doch auch Istaf, das am Sonntag im Olympiastadion ausgetragen wird, ist vom Aus bedroht.

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          Das letzte große deutsche Leichtathletik-Sportfest, das Istaf in Berlin, scheint gefährdet. Zwar erwarte er, sagt Gerhard Janetzky, geschäftsführender Gesellschafter des Meetings, dass der Weltverband IAAF bei seiner Kalenderreform 2010 die Veranstaltung wieder in die erste Reihe stellt. „Ob wir die Einladung allerdings annehmen, ist ein zweites Thema“, fuhr er fort.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Die Entscheidung macht Janetzky abhängig von den Einschaltquoten von ARD und ZDF bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Berlin und damit von der Präsenz der Leichtathletik im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Nur noch zwei Veranstaltungen des seit 1937 ausgetragenen Istaf scheinen sicher: die am Sonntag, wenn Berlin die Golden League eröffnet, und das 68. Istaf 2009.

          Janetzky: Seit zwei Jahren schreibt das Istaf eine schwarze Null

          „Nach der WM werden wir uns überlegen, ob wir das Istaf noch so weiterführen“, sagt Janetzky. „Das ist eine rein kaufmännische Entscheidung. Wir werden uns anschauen: Was ist das Budget - derzeit 2,6 Millionen Euro - und wie ist die Refinanzierung?“ Schon der Einstieg 2002 war keine kaufmännische Entscheidung. Der Berliner Unternehmer Werner Gegenbauer und Unternehmensberater Janetzky kauften das Istaf aus dem Konkurs, um die Bewerbung Berlins um die Weltmeisterschaft zu retten.

          Da war Gerhard Janetzky (r.) noch optimistischer: Gemeinsam mit Berlins Regierndem Bürgermeister Klaus Wowereit und zwei Leichtathleten warb der Istaf-Organisator 2004 für das Meeting

          Dann zogen sie mit der Veranstaltung, weil das Olympiastadion modernisiert wurde, für zwei Jahre in den kleinen Jahn-Sportpark - ein Verlustgeschäft. Seit zwei Jahren schreibe das Istaf eine schwarze Null, sagt Janetzky. Für Resonanz sorgt der Titelsponsor. Die DKB lässt mehr als 800 Busse rollen, um das 70 000 Plätze große Stadion mit Publikum zu füllen.

          Aus für Istaf wäre ein schwerer Schlag für die deutsche Leichtathletik

          Die Leichtathletik-WM ist für Gegenbauer und Janetzky, obwohl sie von deren Erfolg abhängig sind, kein Thema mehr. Janetzky ist aus dem Aufsichtsrat geworfen worden, Gegenbauer hat sich vergangene Woche zum Präsidenten des Fußball-Bundesligavereins Hertha BSC wählen lassen. Zwischen ihnen und dem Verband ist es zum Bruch gekommen.

          „Für die Struktur der deutschen Leichtathletik wäre es ein schwerer Schlag, wenn es das Istaf nicht mehr gäbe“, sagt Clemens Prokop, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. „Es ist momentan das einzige Meeting in Deutschland, das in der ersten Liga spielt.“ Berlin ist ein Fixpunkt der deutschen Leichtathleten. Nicht zwei, drei von ihnen, wie andere Golden-League-Meetings, sondern dreißig, vierzig lädt Janetzky zu seinem Sportfest ein.

          Bundeskanzlerin Merkel bemängelte Ausbootung von Weltmeisterin Dietzsch

          Der Regierung ist das nicht genug. Innenminister Wolfgang Schäuble kritisiert, dass für die wenigen deutschen Welt- und Europameister kein Platz beim Istaf sei, für Hammerwurf-Weltmeisterin Betty Heidler und die Speerwerferinnen Christina Obergföll und Steffi Nerius etwa. Europameisterin Obergföll stammt aus seinem Wahlkreis. Bundeskanzlerin Angela Merkel, wie Franka Dietzsch von Herzen Mecklenburgerin, nahm dem Istaf übel, die Diskus-Weltmeisterin im vergangenen Jahr lediglich zur Ehrenrunde im Cabriolet eingeladen zu haben, und verweigerte die Schirmherrschaft.

          „Ich finde es toll, dass die Politik sich für das DKB-Istaf interessiert“, sagt Janetzky trocken. Im Gegensatz zu allen anderen Golden-League-Standorten veranstalte er seit Jahren zwei Wurf-Wettbewerbe. In diesem Jahr ist auf Rat von Bundestrainer Jürgen Mallow Diskuswerfen mit dem Berliner WM-Zweiten Robert Harting dran. Franka Dietzsch startete vor zwei Jahren.

          Janetzky gab im April seine Premiere als Veranstalter der traditionellen 25 Kilometer von Berlin, die er „Berlin läuft“ nennt. Drei weitere solche Veranstaltungen sind in Vorbereitung. „Natürlich haben die beiden Sachen miteinander zu tun“, sagt er, „aber es sind zwei verschiedene Paar Stiefel.“ Wenn der Breitensport sein Ausstiegsszenario ist, könnte er auch die Zukunft des Istaf sein.

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