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Leichtathletik : Der Absturz der Stabhochspringer

  • -Aktualisiert am

Schulter getapt, Absprung geschafft; Stabhochspringer Mohr Bild: dpa

Sie sollten die Attraktion des Abends sein, doch Holzdeppe springt kaum ab, Otto verletzt sich schon vorher und selbst Sieger Mohr kommt nicht so hoch, wie erhofft.

          2 Min.

          Beim Begrüßungsapplaus um 18.49 Uhr am Donnerstagabend klang das Publikum noch erwartungsfroh. Elf Stabhochspringer waren aufgereiht, darunter Weltmeister Raphael Holzdeppe, der deutsche Rekordhalter Björn Otto und der dreimalige deutsche Meister Malte Mohr. Holzdeppe wurde noch eine Spur frenetischer gefeiert als Otto, es versprach, ein toller Leichtathletik-Abend zu werden. Holzdeppe hatte angekündigt, in diesem Jahr seien sechs Meter sein Ziel. Er begann bei 5,20 Metern. Üblicherweise steigt er eher spät in den Wettkampf ein, dieses Mal aber versuchte er sich an einer Anfangshöhe, die sonst den Nachwuchskräften vorbehalten ist. Und wie: Mit höchstens zehn Schritten Anlauf tastete er sich kraft- und mutlos der Anlage entgegen - einmal rannte er durch, einmal schoss er mit den Füßen die Latte weg, beim dritten Versuch segelte er darunter hinweg. Ausgeschieden um 19.01 Uhr.

          Zehn Minuten später begann Otto, seine Sachen zu packen. Im vergangenen Jahr hatte er den Zeitplan des Meetings gesprengt und das Publikum von den Sitzen gerissen, als er sich über 5,90 Meter hoch hinaus schwang. Diesmal stand schon DNS („did not start“) für ihn auf den Ergebnislisten, als die Zuschauer noch erwartungsfroh auf seinen ersten Versuch warteten. Beim Einspringen hatte er sich eine Fußverletzung zugezogen. „Und wenn er sagt, er habe sich verletzt, dann sagt er das nicht, weil er Kopfschmerzen hat“, sagte sein Manager Marc Osenberg am darauffolgenden Morgen.

          Das schlechtest mögliche Ergebnis

          Osenberg litt mit seinen Athleten wie mit der Veranstaltung. Er ist Athleten-Manager und Meeting-Direktor in Personalunion und sprüht normalerweise vor positiver Energie. Am Freitag musste er einräumen, Stabhochsprung habe am Vorabend „alles kaputtgemacht“: Es sei das schlechtest mögliche Ergebnis gewesen, „die Stimmung war betrübt“. Daran konnten auch die Weltjahresbestleistungen der Kugelstoßer Christina Schwanitz (19,93 Meter) und David Storl (21,10) sowie die starke Siegerzeit von Verena Sailer über 60 Meter (7,19 Sekunden) nicht viel ändern.

          Bild aus besseren Zeiten: Björn Otto nach einem Sprung über 5,90 Meter

          Otto verließ gruß- und wortlos die Halle. Die deutsche Stabhochsprungszene ist erst mal gesprengt: Ihre weiteren geplanten Starts an diesem Samstag beim Meeting in Karlsruhe sagten Altmeister Otto und Jungstar Holzdeppe ab. Otto humpelte stattdessen am Freitagvormittag zum Arzt und versuchte, sich Gewissheit bei einer Kernspintomographie zu holen. „Wir können noch nicht sagen, was es ist, aber die Hallensaison ist mit hoher Wahrscheinlichkeit für Björn beendet“, stellte Osenberg fest.

          Und Holzdeppe muss jetzt erst mal wieder Selbstvertrauen gewinnen. Ihn hatte zuletzt eine Erkältung geplagt, weshalb er schon auf seine Teilnahme am Springen im französischen Rouen verzichtete. Doch das sei nicht der Grund gewesen, warum er in Düsseldorf so kraftlos antrat. Stattdessen hätten sich leichte Rückenschmerzen, die er sich im Wintertrainingslager zugezogen hatte, zu einer massiven Blockade ausgeweitet, die ihm den Mut zum Absprung genommen haben. „Er hat Angst, dass was passiert, und deshalb kann er nicht voll abspringen“, sagte Osenberg. „Raphael macht jetzt so lange keinen Wettkampf, bis er sich wieder richtig traut.“

          Auch Mohr hat Schmerzen

          Bleibt Mohr: Der Siebenundzwanzigjährige hatte bei der WM in Moskau wie schon in Daegu 2011 einen guten fünften Platz erreicht, stand aber im Schatten der Olympia- und WM-Medaillengewinner Otto und Holzdeppe. Am Donnerstag gewann Mohr nun mit 5,65 Metern den Wettkampf vor dem höhengleichen Griechen Konstantinos Filippidis. „Ich bin auf einem guten Weg“, sagte Mohr, obwohl er nur mit 14 Schritten angelaufen war - zwei Schritten weniger als normal. An der WM-Norm von 5,75 Metern scheiterte allerdings auch er. Beim zweiten Versuch, der „technisch nicht so gelungen war“, riss es ihm dabei arg in der rechten Schulter, so dass der Wattenscheider schon wie der dritte Ausfall an diesem Abend aussah. Als der Hallensprecher seinen Sieg bejubelte, kauerte Mohr am Mattenrand und hielt sich mit schmerzverzerrtem Gesicht die Schulter. „Das hat ziemlich weh getan“, sagte er hinterher, stellte aber in Aussicht, dass zumindest er am Samstag in Karlsruhe wieder an den Start gehen werde. Wer da sonst noch springe, wisse er nicht: „Ich bin keiner, der auf die anderen guckt.“

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