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Neue Regeln für Leichtathleten : Dann doch lieber Dreibeinlauf

Ein Sprung in die richtige Richtung? Regeländerungen sollen die Leichtathletik spannender machen. Bild: AFP

Laufen, Springen und Werfen reicht offenbar nicht mehr aus. Die Leichtathletik soll für den Zuschauer interessanter werden. Um das zu erreichen, greift der Weltverband zu einer brisanten neuen Regel, die spektakuläre Änderungen erahnen lässt.

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          Eine Sportart wie die Leichtathletik frisch und attraktiv zu erhalten ist, eingefleischte Leichtathleten mögen das kaum glauben, keine Kleinigkeit. Ihr Weltverband, World Athletics, ringt gemeinsam mit Veranstaltern um die erschlaffende Aufmerksamkeit von Zuschauern und Sponsoren. So schlicht Laufen, Springen und Werfen erscheinen mögen, führt der Fortschritt gelegentlich doch in die Sackgasse. Dreibeinlauf, beidarmiger Diskuswurf, das ist Geschichte. Läufe mit Bremsfallschirm und Ballastschlitten sind, kaum zu glauben, die Gegenwart, jedenfalls bei Europaspielen.

          Die Publikationen von World Athletics erlauben den Blick in die Zukunft: auf ein großes Straßenlauf-Ereignis, alternierend mit der Cross-WM. Aus der Halbmarathon-WM, einem Ereignis für aufstrebende Marathonläufer und spezialisierte Zuschauer, soll ein Event von der Dimension der großen Stadt-Marathons werden: mit der Teilnahme von Abertausenden trainierten und untrainierten Hobbyläuferinnen und -läufern. Die Leichtathleten holen auf, Glückwunsch.

          Ihr wesentlich spektakuläreres Projekt versteckt die Forschungs- und Entwicklungsabteilung des Verbandes im Regelbuch. Die neueste Ausgabe, in der angeblich nicht viel Neues steht, außer, nun ja, dass ein Weit- und ein Dreisprung auch dann ungültig sein kann, wenn der Fuß beim Übertreten keinen Abdruck hinterlässt, enthält eine neue brisante Regel eins der Technischen Bestimmungen. Weltmeisterschaften und Olympische Spiele, heißt es darin, seien nicht länger davon ausgeschlossen, Disziplinen in einem alternativen Format auszutragen. Das lässt spektakuläre Änderungen erahnen.

          Damit solle ermöglicht werden, etwa den Stabhochsprung aus dem Stadion mitten in die Stadt zu verlegen, ist zu hören. Aber fand nicht schon in Athen 2004 das Kugelstoßen im antiken Olympia statt? Ohne Regeländerung? Der Verband versichert, dass er nicht mehr wolle, als Flexibilität zu schaffen. Es gehe um keine spezifische Änderung. Er kämpft gegen den Verdacht, dass der Innovation „Best of Three“ ein Hintertürchen geöffnet wird. Sie soll Fernsehzuschauer bei Übertragungen der Diamond League aus den Sesseln reißen, treibt aber Athleten auf die Barrikaden.

          Für Springer und Werfer ist demnach nach fünf Durchgängen Schluss; allein die drei Führenden machen, wie bei einem Stechen, den Sieg in einem letzten Durchgang unter sich aus. Als dieses Format bei der Diamond League in Stockholm ausprobiert wurde, ging der Sieg im Weitsprung mit 8,09 Metern weg – obwohl der Lokalmatador zuvor zweimal 8,12 Meter weit gesprungen war. Das fehlt gerade noch: dass nicht der Beste gewinnt.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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