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Leichtathletik : 100 Meter in 9,76: Gatlin läuft Weltrekord

  • Aktualisiert am

Posen nach dem Rekord: Justin Gatlin Bild: dpa/dpaweb

Der amerikanische Olympiasieger hat nun auch den prestigeträchtigsten Weltrekord der Leichtathletik in seinen Besitz gebracht. Nicht einmal elf Monate hielt die alte 100-Meter-Bestmarke des Jamaikaners Asafa Powell.

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          Nach dem Supersprint im Wüstenwind drehte Justin Gatlin noch eine Ehrenrunde, ließ sich von den begeisterten Zuschauern feiern und küßte die elektronische Anzeigetafel mit der magischen Zeit: In 9,76 Sekunden hatte der 24 Jahre alte amerikanische Sprinter am Freitag abend in Doha/Qatar nach dem Olympiasieg (2004) und WM-Gold (2005) auch den prestigeträchtigsten Weltrekord der Leichtathletik in seinen Besitz gebracht.

          Nicht einmal elf Monate hielt die alte 100-Meter-Bestmarke des Jamaikaners Asafa Powell: Gatlin „flog“ beim Super-Grand-Prix im Scheichtum am Golf noch eine Hundertstel-Sekunde schneller als „Power Powell“ in Athen. „Es ist der Wahnsinn, ich hab ihn! Nun bin ich der Beste der Besten, denn ich bin Olympiasieger, Weltmeister und Weltrekordler“, sagte der in New York geborene und in Raleigh/North Carolina lebende Gatlin, der die Fabelzeit bei seinem zweiten Saisonstart über 100 Meter aus dem Hut zauberte.

          „Das war ein perfektes Rennen“, sagte der neue Star am Sprinthimmel, dem es wahrlich nicht an Selbstvertrauen mangelt. „Ihr werdet künftig noch einige solcher Vorstellungen von mir sehen“, kündigte der Doppel-Weltmeister von Helsinki an. Vielleicht schon in vier Wochen: Am 11. Juni kommt es im englischen Gateshead zum direkten Duell zwischen Gatlin und Powell. Bei 28 Grad Celsius erlebten die rund 10 000 Zuschauer unter Flutlicht eine Sternstunde der Leichtathletik: Gatlin lag nach perfektem Start bis zur Hälfte des Rennens gleichauf mit seinem Landsmann Terrence Trammell - auf den letzten 40 Metern explodierte er dann und rannte die Konkurrenz in Grund und Boden.

          Der laue Wüstenwind war ihm mit 1,7 m/Sek. Schubkraft ebenso behilflich wie die Anfeuerungsrufe der Qataris. „Meine Beschleunigung war heute Abend phänomenal“, sagte der Schützling von Trainer Trevor Graham und tönte: „Ich kann noch schneller.“ Eine 9,73 - selbst in einer Saison ohne Olympia und WM - scheint für ihn nicht utopisch zu sein. Schon im Vorlauf hatte Gatlin in 9,85 Sekunden seine persönliche Bestzeit eingestellt, im Finale konnte ihm in der Wüste keiner das Wasser reichen. Der Nigerianer Olusoji Fasuba rannte in 9,84 zwar Afrika-Rekord, lag als Zweiter aber bereits 8/100 Sekunden zurück. Gatlins Landsmann und Trainingspartner Shawn Crawford, der ihn vor zwei Jahren im gleichen Stadion noch geschlagen hatte, war diesmal als Dritter in enttäuschenden 10,08 Sekunden chancenlos.

          Als Zugabe darf sich der neue Weltrekordler über einen Bonus von 130 000 Dollar freuen: Der Weltverband IAAF lobte 100 000 Dollar aus, der Verband Katars legte 30 000 drauf. Seine Karriere hatte Gatlin an der Highschool als Hürdensprinter begonnen - dann räumte er alle Hindernisse aus dem Weg und blieb am 15. August 2003 in Zürich in 9,97 zum ersten Mal unter zehn Sekunden.

          Aufgefallen war er aber schon zwei Jahre zuvor: Bei einer Dopingkontrolle war der Jungstar positiv auf Amphetamine getestet und für ein Jahr gesperrt worden.

          Beim ersten Super-Meeting der Sommersaison gab es weitere sechs Jahresweltbestleistungen, das deutsche Quartett hatten mit vorderen Plätzen indes nichts zu tun. Jeweils Fünfte wurden Sebastian Ernst (Wattenscheid) über 200 Meter in 20,82 Sekunden und Speerwerfer Stefan Wenk (Sindelfingen) mit 79,99 m.

          Die Entwicklung des 100-m-Weltrekordesder Männer

          9,95 Sek. Jim Hines (USA) 14.10.68 Mexiko-Stadt
          9,93 Calvin Smith (USA) 03.07.83 Colorado Springs
          9,92 Carl Lewis (USA) 24.09.88 Seoul
          9,90 Leroy Burell (USA) 14.06.91 New York
          9,86 Carl Lewis (USA) 25.08.91 Tokio
          9,85 Leroy Burrell (USA) 06.07.94 Lausanne
          9,84 Donovan Bailey (Kanada) 27.07.96 Atlanta
          9,79 Maurice Greene (USA) 16.06.99 Athen
          9,77 Asafa Powell (Jamaika) 14.06.05 Athen
          9,76 Justin Gatlin (USA) 12.05.06 Doha

          Der Weltrekord von Tim Montgomery (USA/9,78), gelaufen am 14.09.02 in Paris, wurde ihm im Dezember 2005 vom Internationalen Sportgerichtshof CAS aberkannt. Er war nach einem auf Indizien gestützten Dopingprozeß zu einer zwei Jahre langen Wettkampfsperre verurteilt worden

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