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Leichtathlet Christian Klein : „Ich war der einzige, der nach Qatar fahren wollte“

  • Aktualisiert am

„Es wäre sensationell gewesen, wenn ich den Endlauf erreicht hätte”: Christian Klein (l.) Bild: dpa

Christian Klein startete bei der Leichtathletik-Hallen-WM in Doha erstmals für das Nationalteam. Im Vorlauf schied er über 1500 Meter als Siebter aus. Im FAZ.NET-Interview spricht er über die EM in Barcelona, die deutsche Laufkrise und seine Perspektive.

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          Christian Klein aus Rehlingen im Saarland startete bei der Leichtathletik-Hallen-Weltmeisterschaft in Doha zum ersten Mal für die Nationalmannschaft. Im Vorlauf schied er über 1500 Meter in 3:46.14 Minuten als Siebter aus. Den Titel gewann im Spurt der Äthioper Deresse Mekonnen in 3:41,8 Minuten. Im FAZ.NET-Interview spricht er über die Europameisterschaft in Barcelona, die deutsche Laufkrise und seine Perspektive.

          Sie haben gestrahlt, als Sie von der Bahn kamen!

          Nicht wirklich. Ich hatte mehr erhofft. Ich wollte an meine Bestzeit von 3:40,86 herankommen. Es wäre sensationell gewesen, wenn ich den Endlauf erreicht hätte. Aber mit den großen Stars an der Linie zu stehen, das war schon etwas Besonderes - und dann auch noch in Qatar!

          Kein Mensch in Deutschland hat Sie im Fernsehen gesehen. Was sagen Sie dazu?

          Ich habe überall Bescheid gesagt, dass auf Rai etwas läuft und auf einem Livestream im Internet. Ich hätte mir schon gewünscht, dass das Fernsehen nach dieser Super-Weltmeisterschaft in Berlin wenigstens die Highlights aus Doha zeigt. Nadine Kleinert und Ralf Bartels und die Stabhochspringer hätten das verdient.

          Wollen Sie nun auch zur Europameisterschaft nach Barcelona?

          Mit Carsten Schlangen, Stefan Eberhardt, Christoph Lohse ist es auf den 1500 Metern ziemlich eng. Wenn's klappt, ist es gut, wenn nicht, geht die Welt nicht unter.

          Klingt ziemlich entspannt.

          Ich habe vor der deutschen Meisterschaft meine Diplomarbeit in Betriebswirtschaftslehre abgegeben und fange im April bei einer Bank an, die mir die Promotion ermöglicht. Da muss ich eh mal sehen, wie das mit dem Sport geht.

          Personifizieren Sie als einziger Mittelstreckenläufer des deutschen Teams die Laufkrise?

          Immerhin haben drei die Norm erfüllt. Ich war der einzige, der nach Qatar fahren wollte. Die anderen konzentrieren sich auf die Europameisterschaft und gehen lieber ins Trainingslager. Ich sehe keine Krise auf der Mittelstrecke. Über 800 Meter kommen Robin Schembera und Sebastian Keiner. Ich bin sicher, dass im Sommer einiges gehen wird. Robin hat das Potential fürs Finale.

          Dieter Baumann wirft dem Deutschen Leichtathletik-Verband mangelhafte Förderung der Läufer vor und beklagt, dass es keinen Nachwuchs mit Perspektive gebe…

          Ich glaube, er spricht eher von der Lang- als von der Mittelstrecke. Da weiß man wirklich nicht, ob nach Arne Gabius und Jan Fitschen noch jemand kommt.

          Hat man als deutscher Läufer in diesen trainingsintensiven Sportarten eine Perspektive?

          Mit einigem Aufwand kann man eine 3:35 über 1500 Meter erreichen, wie Carsten Schlangen oder eine 3:34 wie Stefan Eberhard. Aber man darf seine berufliche Ausbildung nicht aus den Augen verlieren. Als Läufer verdiene ich kein Geld. Ich muss mein zweites Standbein stärken. Außerdem war ich so oft verletzt, ich weiß, wie schnell es vorbei sein kann mit dem Laufen. Zwei, drei Mal war ich davor, aufzuhören. Jetzt bin ich 26 und will mal eine Familie gründen. Man muss auf zwei Schienen fahren. Ich trainiere sieben Mal in der Woche. Eigentlich wären elf Einheiten notwendig.

          Sind die Stellen bei Bundeswehr und Polizei keine Perspektive?

          Ich war zwei Jahre bei der Bundeswehr. Wenn man seine Leistung nicht bringt, fliegt man raus. Auch wenn man, wie ich, verletzt ist. Man müsste Ausbildungs-Kooperationen schaffen. Ich würde auf die Zusammenarbeit von Olympiastützpunkt und Hochschule setzen.

          Gibt es die in Saarbrücken nicht?

          Nur für A-Kader. Ich gehöre keinem Kader an. Ich habe keine Chance gehabt, mal eine Klausur zu verschieben.

          Wo stehen Sie zwischen Hobbyläufer und Vollprofi?

          Auf einer Skala von eins bis zehn stehe ich bei drei, vier. Da ist noch viel Potential. Zusätzlich zum Training sind das Physiotherapie, Regeneration, Ernährung. Das kostet alles Zeit, und die habe ich nicht. Ich hatte gar keine Hallensaison geplant und war jetzt dabei. Das ist überwältigend! Dafür hat sich alles gelohnt.

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