https://www.faz.net/-gtl-92sh2

NBA : Trump spaltet LeBron James und die Cavaliers

  • -Aktualisiert am

Wie lange spielt James LeBron noch bei den Cleveland Cavaliers? Bild: AFP

LeBron James ist derzeit wohl der beste Basketballspieler der Welt. Nun könnte er die Cleveland Cavaliers wieder verlassen. Das liegt am Klub-Eigentümer – und dem amerikanischen Präsidenten.

          5 Min.

          Die Attacke war kurz und heftig und traf die Stimmung in einem Land, das vom unpopulärsten Präsidenten der Historie regiert wird. Mit den Worten „Du Penner“ sprach LeBron James auf Twitter Donald Trump ganz direkt an und unterstrich, dass er für den Amtsinhaber null Sympathie hegt. Der hatte kurz zuvor den Basketballprofi Stephen Curry vom aktuellen NBA-Meister Golden State Warriors ausgeladen, weil der auf seine Teilnahme am Abstecher ins Weiße Haus in Washington verzichtet hatte, den fast alle Top-Teams im amerikanischen Sport irgendwann nach einem Titelgewinn machen.

          Obwohl LeBron James mit den Cleveland Cavaliers im Juni in der Finalserie das Duell um den Titel gegen die Warriors verloren hatte, fand er Trumps Verhalten unwürdig und sprang seinem Rivalen bei. Eine Visite im Weißen Haus, das sei einst für einen erfolgreichen Sportler wie ihn eine „großartige Ehre“ gewesen, schrieb er. Allerdings nur so lange, „bis du aufgetaucht bist“.

          Der Einwurf des derzeit mutmaßlich besten Basketballprofis der Welt, der selbstbewusst und erfolgreich genug ist, um sich im Alter von 32 Jahren bei wichtigen Themen zu Wort zu melden, fand allerdings nicht nur Anklang. Nachdem seine Worte von mehr als einer halben Million Twitter-Nutzern weitergeschickt wurden und noch mehr mit einem Klick auf das Herzsymbol ihr Wohlwollen ausgedrückt hatten, begann die Gegenkampagne. „Ich habe auf meinem Anrufbeantworter die unflätigsten, abscheulichsten rassistischen Nachrichten gefunden“, berichtete Dan Gilbert, der Eigentümer der Cleveland Cavaliers und Arbeitgeber von LeBron James. „Ich habe gar nicht gewusst, wie groß der Rassismus noch immer in diesem Land ist. Man konnte es ihren Stimmen anhören. Es ging nicht mehr um die Sache.“

          Die Debattenkultur ist aus den Fugen geraten

          Gilbert findet sich dieser Tage in einer heiklen Situation wieder. Denn seine Sympathien für die politischen Ambitionen von Donald Trump sind kein Geheimnis. Allein für die Feierlichkeiten im Rahmen von dessen Amtseinführung im Januar hatte der Mann, der mit Hypotheken und dem Aufmöbeln von heruntergekommenen Immobilien in wirtschaftlich angeschlagenen Städten wie Detroit und Cleveland Geld macht, 750.000 Dollar gestiftet. Im Sommer war er zu Besuch bei Trump im Weißen Haus und zeigte sich zwischendurch an der Seite von Präsidenten-Tochter Ivanka bei einer Veranstaltung, in der es um die landesweite Förderung von beruflicher Bildung ging.

          Allerdings wird er sehr wenig daran ändern können, dass die Debattenkultur in den Vereinigten Staaten – vor allem, wenn es um die Nöte der afro-amerikanischen Minderheit geht – aus den Fugen geraten ist. Und prominente schwarze Sportler, die schon vor einer Weile angefangen hatten, laut und deutlich gegen die wachsende Brutalität der Polizei zu protestieren, sind Zielscheibe eines Hass-Potentials, das bis dato nur unter der Oberfläche brodelte. Trump etwa nannte Sportler, die bei der Hymnen-Zeremonie knien, „Hurensöhne“, die gefeuert gehören.

          Das sieht Gilbert anders. Er sprach sich unlängst einmal mehr für einen offenen Dialog aus, in dem „alle Sichtweisen und Sorgen zu Wort kommen“. Doch solche Wunschvorstellungen dürften derzeit auf taube Ohren treffen. Trump hat mit seiner Diffamierung gegen Einwanderer aus Mittelamerika und Ländern, in denen mehrheitlich Muslime leben, einen Damm gebrochen, der durch den aufkeimenden Hass gegen Barack Obama bereits stark unter Druck geraten war.

          Es ist nicht das einzige Streitthema

          Dabei hat Gilbert perspektivisch bei den Cleveland Cavaliers schon genügend Sorgen. Als LeBron James 2014 aus Miami zum Klub und damit in die Region zurückkehrte, in der er aufgewachsen war, wirkte diese Entscheidung, als würde der Basketball-Profi sein Vagabunden-Dasein aufgeben. „Ich komme nach Hause“, schrieb er in einer emotional aufgeladenen Stellungnahme. Nachdem er in Florida mit den Heat und deren Fans zwei Meisterschaftserfolge gefeiert hatte, wolle er nun Cleveland in den Genuss eines solchen Gefühls bringen. „Das Wichtigste für mich ist, dem Nordosten von Ohio wenigstens einen Pokal zu bringen.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Christian Lindner hat bei der Grundrente bewiesen: Die FDP lebt. Hier spricht er bei einer Veranstaltung im Dezember 2017.

          Einigung auf Grundsteuer : Die FDP lebt

          Die FDP hat ihre Vetomacht im Bundesrat klug genutzt. Die neue Grundsteuer ist ungewohnt freiheitlich für Deutschland. Ein großes Manko des Steuer-Monstrums bleibt dennoch.
          Das Brexit-Abkommen sei nur ein erster Schritt, dem die Regelung des Verhältnisses zwischen der EU und dem Nichtmitglied Großbritannien folgen müsse, sagt Brexit-Chefunterhändler Michel Barnier.

          Ringen um den Brexit : Gibt es doch noch einen neuen Deal?

          Noch ist in den Brexit-Verhandlungen alles offen. Doch in Brüssel wird bereits mit Argusaugen verfolgt, wie sich jene Unterhaus-Abgeordneten positionieren, auf deren Unterstützung Johnson für ein Abkommen angewiesen ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.