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Kritik von Basketball-Star : „Wir Schwarze haben große Angst in Amerika“

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„Wenn ihr hier sitzt und mir erzählt, dass es keinen anderen Weg gegeben hätte, den Mann zu überwältigen, als zu schießen, dann sitzt ihr hier und belügt nicht nur mich, sondern jeden Afroamerikaner, jede schwarze Person in dieser Gesellschaft“: LeBron James Bild: dpa

Wieder gibt es einen Fall von Polizeigewalt gegen einen Schwarzen in den Vereinigten Staaten. Viele Sportler sind empört. NBA-Star LeBron James übt heftige Kritik. Ein Team denkt gar an einen Boykott.

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          Nach den Schüssen auf einen Schwarzen bei einem Polizeieinsatz im amerikanischen Bundesstaat Wisconsin hat Basketball-Superstar LeBron James abermals heftige Kritik an den Zuständen in den Vereinigten Staaten geübt. „Ich weiß, die Leute können es langsam nicht mehr hören, wenn ich es sage, aber wir haben als Schwarze Angst in Amerika“, sagte James am Montag (Ortszeit) in Orlando in Florida, wo die NBA gerade ihre Saison zu Ende spielt. „Schwarze Männer, schwarze Frauen, schwarze Kinder, wir haben große Angst.“

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          Der 29 Jahre alte Familienvater Jacob Blake war am Sonntag durch Schüsse der Polizei in seinen Rücken schwer verletzt worden. Auf einem Video ist zu sehen, wie Blake zu seinem Auto geht, gefolgt von zwei Polizisten mit gezogenen Waffen. Eine der Waffen ist auf seinen Rücken gerichtet. Als Blake die Fahrertür öffnet und sich ins Auto beugt, fallen Schüsse. Es sollen mindestens sieben gewesen sein. Nach Angaben des Anwalts der Familie, Ben Crump, saßen in dem Auto Blakes Kinder im Alter von drei, fünf und acht Jahren. Nach Angaben von Blakes Vater und des Anwalts ist er infolge der Schüsse von der Hüfte abwärts gelähmt. Die daran beteiligten Beamten sind inzwischen beurlaubt worden.

          Doch James reicht das nicht. „Wenn ihr hier sitzt und mir erzählt, dass es keinen anderen Weg gegeben hätte, den Mann zu überwältigen, als zu schießen, dann sitzt ihr hier und belügt nicht nur mich, sondern jeden Afroamerikaner, jede schwarze Person in dieser Gesellschaft“, sagte James zu Journalisten. „Weil wir es immer und immer wieder sehen.“ Das Thema Rassismus spielt bei der Saisonfortsetzung der NBA eine große Rolle. Das Motto „Black Lives Matter“ ist eine zentrale Botschaft von Spielern und Verantwortlichen.

          Als Reaktion auf den weiteren Vorfall zwischen Polizisten und einem Afroamerikaner diskutierte das NBA-Team der Toronto Raptors einen Boykott der ersten Playoff-Partie gegen die Boston Celtics. Das berichteten die beiden Spieler Fred VanVleet und Norman Powell in einer Video-Pressekonferenz. „Wir wussten, dass es nichts stoppen würde, ob wir hierher kommen oder nicht. Aber ich denke, wenn wir letzten Endes spielen oder nicht spielen, dann setzt das jemanden unter Druck“, sagte VanVleet am Dienstag (Ortszeit). Spiel eins in der zweiten Runde gegen die Celtics um Nationalspieler Daniel Theis ist für Donnerstag geplant.

          Ihm sei bewusst, dass es nicht so einfach sei. Aber nach vielem Reden in Orlando sei es irgendwann notwendig, auch tatsächlich etwas zu riskieren – und nicht nur Geld, sagte VanVleet. Über die weiteren Überlegungen der Raptors, dem Titelverteidiger der NBA, wollte er keine Auskunft geben.

          Basketballtrainer Doc Rivers vom NBA-Klub Los Angeles Clippers protestierte unterdessen mit emotionalen Worten gegen den anhaltenden Rassismus in den Vereinigten Staaten und kritisierte dabei auch den amerikanischen Präsidenten Donald Trump. „Ich beobachte den republikanischen Konvent und sehe diese Angst. Alles, was man hört, ist Donald Trump und alle reden über Angst“, sagte Rivers am Dienstag (Ortszeit) nach dem 154:111-Playoff-Sieg gegen die Dallas Mavericks.

          „Wie können es die Republikaner wagen, über Angst zu sprechen? Wir sind diejenigen, die Angst haben müssen. Wir sind diejenigen, die mit jedem schwarzen Kind reden müssen. Welcher weiße Vater muss seinem Sohn sagen, dass er vorsichtig sein muss, wenn man angehalten wird? Das ist einfach lächerlich.“ Er selbst wolle einfach nur Trainer sein, werde aber auch ständig an seine Hautfarbe erinnert.

          „Wir wurden gehängt, wir wurden erschossen. Wir sind diejenigen, denen es verwehrt wird, in bestimmten Gemeinden zu leben. Es ist für mich erstaunlich, warum wir dieses Land weiterhin lieben und dieses Land uns nicht zurück liebt“, sagte der 58-Jährige. „Wenn sie sich dieses Video (vom aktuellen Fall in Wisconsin, die Redaktion) ansehen, müssen sie nicht schwarz sein, um empört zu sein. Man muss amerikanisch und empört sein.“

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