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Laver Cup im Tennis : Geht das auch ohne Federer?

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Viel Personal auf der großen Bühne: Spieler aus Europa und der Welt treffen beim Rod-Laver-Cup aufeinander Bild: dpa

Beim zweiten Laver Cup ist Roger Federer wieder das große Zugpferd. Der Schweizer ist nicht nur führender Spieler des europäischen Teams, sondern auch Mitveranstalter des Turniers.

          Auffälliger hätte der Gegensatz nicht sein können. Im vergangenen Jahr, bei der schwungvollen Premiere des Laver Cups, wurden die Spieler mit Roger Federer und Rafael Nadal an der Spitze, die Kapitäne der konkurrierenden Teams, Björn Borg und John McEnroe, und der Namensgeber Rod Laver dem Volk auf dem Prager Rathausplatz vorgestellt. Das Ensemble am Altstädter Ring stammt aus dem 12. Jahrhundert und verströmt den goldenen Glanz der Vergangenheit.

          Die Präsentation bei der zweiten Auflage dieser Tage in Chicago wurde im Jay Pritzker Pavilion, einer überdimensionalen, silbern glänzenden Konzertmuschel des Star-Architekten Frank Gehry, aufgeführt. Und 2000 Zuschauer der Show machten den Eindruck, als könnten sie die Spiele mit den Mannschaften aus Europa und vom Rest der Welt kaum erwarten.

          Das ist in gewisser Weise nicht verwunderlich. Chicago, die drittgrößte Stadt der Vereinigten Staaten, hat mehr als 29 Jahre keine Tennisspieler wie Federer oder den aktuellen Wimbledon- und US-Open-Sieger Novak Djokovic bei der Arbeit gesehen. In den späten achtziger und neunziger Jahren gab es mal ein ATP-Turnier, woran sich der Kapitän des Weltteams besonders gern erinnert; 1991 gewann John McEnroe in Chicago den 77. und letzten Titel seiner Karriere mit einem Sieg im Finale gegen seinen jüngeren Bruder Patrick.

          Team der Europäer kreist um Federer und Ðjoković

          Das Weltteam wird angeführt von Kevin Anderson, der in gewisser Weise ein Heimspiel hat, weil die Familie seiner Frau Kelsey aus Chicago stammt und er ein paar Jahre an der Universität von Illinois studiert hat. Juan Martín del Potro hatte in der vergangenen Woche abgesagt, weil er sich von den Anstrengungen der US Open noch nicht erholt hat. Die Mannschaft der Europäer kreist um Federer und Ðjoković; Alexander Zverev ist wie im vergangenen Jahr dabei, dagegen fehlen der Österreicher Dominic Thiem und Marin Čilić (Kroatien), die am vergangenen Wochenende mit den Mannschaften ihrer Länder im Davis Cup spielten.

          Team Europa dreht sich um Federer und Djokovic

          Aus der Begeisterung der Fans bei der Präsentation im Pritzker Pavilion könnte man schließen, dass es auch bei den Spielen von Freitag bis Sonntag im United Center ziemlich hoch hergehen wird. In der Arena mit rund 20.000 Sitzplätzen sind sonst die legendären Chicago Bulls aus der Basketballliga NBA und die Eishockeystars der Blackhawks aus der NHL zu Hause. Mit dem steten Wechsel der Beläge kennen sie sich im United Center bei zwei so prominent vertretenen Sportarten aus, Tennis wurde da allerdings noch nie gespielt und erst recht nicht auf einem schwarzen Boden.

          Roger Federer ist mit seiner Management Firma Team8 Mitveranstalter des Turniers, und wie das meist so ist, wenn man Dinge schon einmal erlebt hat, ist man beim zweiten Mal nicht mehr ganz so aufgeregt. Im vergangenen Jahr sei er ziemlich nervös gewesen, sagt er. „Wir wussten ja nicht, wie viele Leute tatsächlich kommen und wie die Spieler reagieren würden, ob sie voll bei der Sache sind.“

          Diesmal stellen sich eher andere Fragen: Wie wird der Laver Cup mit dem Interesse des Internationalen Tennisverbandes ITF umgehen, der für den im Sommer beschlossenen neuen Davis Cup im Wochenformat am liebsten den Termin im September haben möchte? Und welche Zukunft wird dem Wettbewerb, der im Prinzip ja ein Schauturnier ist, weil es nicht um Weltranglistenpunkte oder traditionelle Titel geht, beschieden sein, wenn Federer irgendwann nicht mehr spielen wird?

          Macher und Mitspieler: Tennisstar Roger Federer

          Schwer vorstellbar, dass ein anderer in absehbarer Zeit so viel Interesse generieren kann; man braucht sich nur daran zu erinnern, mit welchem Herzklopfen ihm die Leute vor einem Jahr in Prag beim Doppel mit Rafael Nadal zusahen. Nadal hätte diesmal auch ohne die bei den US Open wieder aufgeflammte Entzündung der Patellasehne nicht gespielt, weil auch er für den Davis Cup zugesagt hatte.

          Bei einer kurzen Pressekonferenz nach der Präsentation sagte Federer, natürlich sähe die Sache nach seinem Rücktritt anders aus. „Aber ehrlich, im Moment habe ich keine Ahnung, auf welche Art ich dann in den Laver Cup involviert sein werde oder nicht. Aber wenn ich mir die Kameradschaft anschaue, die John (McEnroe) und Björn (Borg) haben, dann wünscht du dir schon, das irgendwann als Kapitän oder Coach auch mal erleben zu können.“ Borg, der das Team aus Europa wie im vergangenen Jahr mit stiller Größe leiten wird, scheint sich keine Sorgen um den Laver Cup zu machen. „Ich glaube, dass es ihn immer geben wird. Das ist eine riesige Sache. Jeder hatte Spaß, und das wird viele Jahre so bleiben.“ Eines ist allerdings klar: Eine imposantere Kulisse für die Präsentation der Mannschaften als den Jay Pritzker Pavilion in Chicagos Millennium Park wird sich schwer finden lassen.

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