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Laura Ludwig : Energiebündel mit gedrosselter Kraft

Wühlerin im Sand: Laura Ludwig Bild: dpa

Auch wenn andere Beachvolleyball-Teams plötzlich stärker im Fokus stehen: Olympiasiegerin Laura Ludwig und Partnerin Kira Walkenhorst streben nach der ersten WM-Medaille – trotz mancher Widrigkeiten.

          2 Min.

          Laura Ludwig einen Wirbelwind zu nennen, grenzt fast schon an Untertreibung. Die 31-Jährige strotzt vor mitreißender Energie, die sie häufig auch gewinnbringend einzusetzen versteht. Im Sport wie im richtigen Leben. Mit ihrem extrovertierten Wesen, das zumeist von ansteckender Fröhlichkeit getrieben wird, gelingt es ihr scheinbar spielend, das Sport-Publikum für sich und ihr Team einzunehmen. Kein schlechtes Kapital für eine Hochleistungssportlerin – zumal in einer Disziplin wie Beachvolleyball, die zwar als Teamsport gilt, aber keinerlei Raum zum Verstecken bietet. Zwei gegen zwei, ohne Chance zum Verschnaufen. Dazu in knappem Dress, der auch ein gewisses Maß an Selbstvertrauen bei den Auftritten erfordert. Umso schwerer fällt es Laura Ludwig, ihrer sportlichen Leidenschaft diesen Sommer mit gedrosselter Kraft nachgehen zu müssen. Die Schulter-Operation im Anschluss an die vergangene Saison wirkt immer noch nach.

          Dazu haben Krankheiten und Verletzungen ihrer Partnerin Kira Walkenhorst für nicht eingeplante Auszeiten gesorgt. In der Summe steht das Team Ludwig/Walkenhorst „noch lange nicht bei 100 Prozent“, wie Laura Ludwig vor der Weltmeisterschaft einräumte. Für zwei Auftaktsiege auf der Donauinsel vor Wien reichte es dennoch. Beim 2:1-Erfolg gegen das deutsche Perspektivteam Nadine Glenzke und Julia Großner gaben Ludwig/Walkenhorst aber sogar den ersten Satz ab. Immerhin musste Ludwig ihren Aufschlag nicht mehr von unten servieren, wie noch im Mai bei ihrem Comeback in Münster.

          Im vergangenen Sommer hatte sie es im Duett mit ihrer kongenialen Partnerin geschafft, sich und ihre Sportart auf eine neue Ebene der Popularität zu heben. Beim olympischen Turnier in Rio de Janeiro fegten Ludwig/Walkenhorst in unwiderstehlicher Art durch den Sand der Copacabana. Hier die blonde Wühlerin, die noch fast jeden Ball aus den entlegensten Ecken rettete, da die Wand am Netz, die mit ihrem ruhigen und besonnenen Wesen eine Art emotionales Gegengewicht bildete. Zusammen hielten sie sowohl allen Gegnerinnen als auch dem bisweilen ins Unfaire abgleitenden brasilianischen Publikum stand und gewannen hochverdient die Goldmedaille. Danach wurden Ludwig/Walkenhorst nicht nur gemeinsam zu den „Beachvolleyball-Spielerinnen des Jahres“ gewählt, sondern auch zu Deutschlands „Mannschaft des Jahres“.

          Kongeniales Duo: Laura Ludwig und Kira Walkenhorst

          Doch es soll keiner glauben, dass ein solcher Erfolg einer Sportlerin einfach so zufällt. Laura Ludwig hat sich im Laufe ihrer Karriere immer wieder selbst hinterfragt und war willens, mit eingeschliffenen Verhaltensweisen zu brechen. So hat sie mit Ende 20 ihre Ernährung umgestellt, verzichtet seitdem weitgehend auf Zucker und vieles mehr, was den Körper belastet und die Regeneration verlangsamt. Sie hat mit Hilfe ihres Trainers Jürgen Wagner ihre Fitness auf ein neues Niveau gehoben und ihr ohnehin exzellentes Spielverständnis noch einmal verbessert. Und sie hat dank der regelmäßigen Besprechungen mit der Sportpsychologin Anett Szegeti ihre mentale Stärke weiter ausgebaut.

          Plötzlich nur noch Team Nummer 3?

          Dass Ruhm dennoch vergänglich ist, musste selbst die robuste Laura Ludwig in der laufenden Saison feststellen. Die sportlichen Schlagzeilen im deutschen Lager bestimmten Chantal Laboureur und Julia Sude, die jüngst das Fünf-Sterne-Turnier in Gstaad gewannen und sich zu Medaillenkandidatinnen für Wien aufschwangen. Die Nebengeräusche kamen von der WM-Dritten von 2013 Karla Borger und ihrer neuen Partnerin Margareta Kozuch, die sich gegen den deutschen Verband auflehnten und nur dank einer Wildcard des Weltverbandes bei der WM mitmischen dürfen.

          Immerhin kommt der luftige Spielplan mit nur einem Match pro Tag den Olympiasiegerinnen zugute. Richtig ernst wird es auch an diesem Montag noch nicht, dafür aber prestigeträchtig: Da stehen sich Ludwig/Walkenhorst und Borger/Kozuch im Gruppenfinale auf dem Center Court gegenüber. Beide Teams sind schon für die K.o.-Runde der besten 32 qualifiziert. Doch der Gruppensieger könnte dort einen vermeintlich leichteren Gegner erwischen. Und das Team Ludwig/Walkenhorst hat in Wien eine Mission zu erfüllen: Ihnen fehlt noch eine WM-Medaille.

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