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Emotionaler Golf-Profi Griffin : „Das ist einfach unglaublich, geradezu surreal“

  • Aktualisiert am

Siegeskuss: Lanto Griffin jubelt mit seiner Freundin Maya Brown bei den Houston Open Bild: dpa

Völlig überraschend siegt der Golfprofi Lanto Griffin bei einem Turnier auf der PGA Tour und gewinnt damit endlich einen Millionenbetrag. Dabei schien die Karriere des 31-Jährigen, der früh einen Schicksalsschlag erlitt, bereits beendet.

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          Im Heer der Profigolfer stach er bisher nur wegen seines ungewöhnlichen Vornamens hervor: „Meine Eltern waren Hippies. Deshalb haben sie mich nach dem spirituellen Meister Lord Lanto benannt. Ich habe nie jemand mit dem Vornamen Lanto getroffen, nicht mal auf Google habe ich einen gefunden. Aber es ist ein solider Name, gut, um ein Gespräch zu beginnen“, sagt Lanto Griffin.

          Am Sonntag geriet der 31 Jahre alte Profi aus Virginia aus einem ganz anderen Grund in den Mittelpunkt des Interesses. Er gewann bei seiner 33. Turnierteilnahme auf der PGA Tour überraschend die Houston Open in Humble (Texas), sicherte sich bis Ende 2022 seinen Arbeitsplatz auf der lukrativsten Turnierserie und kann sich schon auf Einladungen zum Tournament of Champions im Januar auf Maui, zur Players Championship und zum Masters im April freuen. In der Weltrangliste kletterte er von Rang 176 auf 106. In der Jahreswertung FedExCup der noch jungen Saison 2019/2020 übernahm er die Führung und hat damit schon jetzt einen Platz in den Play-offs im August nächsten Jahres sicher.

          Auch wenn Griffin bei den ersten vier Turnieren mit den Plätzen 13, 11, 17 und 18 immer unter den Top 20 gelandet war, der erste Sieg auf der PGA Tour kam selbst für ihn aus heiterem Himmel: „Es ist einfach unglaublich, geradezu surreal.“ Bei dem seit 1946 ausgetragenen Traditionsturnier fehlten in diesem Jahr die großen Namen. Henrik Stenson, in der Weltrangliste auf Rang 37 geführt, war der am höchsten eingestufte Profi im Feld, doch der Schwede scheiterte am Cut. Am Ende machten drei weitgehend unbekannte Profis den Sieg unter sich aus. Im Duell mit seinen amerikanischen Landsleuten Scott Harrington und Mark Hubbard, die ebenfalls den ersten Sieg auf der PGA Tour anstrebten, setzte Griffin sich am 16. Loch mit einem Putt aus rund zehn Metern zum Birdie ab. Mit zwei Pars an den beiden schweren Schlusslöchern brachte er den größten Erfolg seiner Laufbahn mit einem Schlag Vorsprung unter Dach und Fach.

          Mit gutem Auge: Lanto Griffin in Humble

          Beim Nachkarten erzählte Griffin von seiner langen, ungewöhnlichen Reise bis zum Höhepunkt in Humble, einem Vorort von Houston. „Mein Vater hat mir zu Weihnachten 1996 die Eisen 5, 7 und 9, ein Holz 3 und einen Putter geschenkt. So habe ich mit Golf begonnen“, erzählte Griffin, der dabei sichtlich mit den Tränen kämpfte. Denn sein Vater starb an einem Gehirntumor, als er zwölf Jahre alt war. „Mein Vater wäre sicherlich sehr stolz auf mich“, sagte Griffin schluchzend.

          Doch Steve Prater, der damals als Golflehrer im Blacksburg Country Club arbeitete, nahm den Jungen unter seine Fittiche, diente als Vaterfigur und Coach. Er verschaffte ihm eine Ehrenmitgliedschaft in seinem Klub, sorgte dafür, dass er an der Virginia Commenwealth University ein Golfstipendium erhielt. Im Jahr 2010 wagte Griffin den Wechsel ins Profilager. Prater begleitete ihn durch alle Höhen und Tiefen, konnte aber nicht verhindern, dass Griffin 2014, als sein Bankkonto nur noch 176 Dollar aufwies, seinem Manager das Ende seiner Profilaufbahn verkündete.

          Doch nach einer Sitzung mit einem Sportpsychologen versuchte er doch noch einmal sein Glück auf der Korn Ferry Tour, der zweiten Liga der PGA Tour. Er gewann in Nashville und qualifizierte sich 2017 für die PGA Tour. Doch im ersten Jahr verdiente Griffin nicht genug Geld, musste zurück auf die Korn Ferry Tour. Dort gewann er in diesem Frühjahr abermals, die Eintrittskarte, es noch einmal auf der PGA Tour zu versuchen. Mit dem Sieg bei der Houston Open hat er sich dort erst einmal etabliert – und will sich vor allem bei dem Mann bedanken, der ihm bis heute als Coach dient. „Bis jetzt konnte ich Steve Prater nicht bezahlen. Aber jetzt kann ich es kaum erwarten, dass ich ihm einen Scheck ausstelle“, sagte Griffin. Über genug Geld verfügt er jetzt. Der Sieg in Humble war mit 1,35 Millionen Dollar dotiert.

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