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Langstreckenläuferin Alina Reh : Jägerin auf eigenen Wegen

Alina Reh läuft ihren eigenen Weg: „Am Ende kommt es nicht aufs Drumherum an, sondern auf den Athleten.“ Bild: dpa

Im Gegensatz zu Konstanze Klosterhalfen will Alina Reh zeigen, dass sie auch in Deutschland zur Weltklasse-Läuferin reifen kann. Dafür beschreitet sie neue Wege. Der Bundestrainer steht hinter ihr.

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          Vielleicht gibt es die deutsche Antwort auf die Anziehungskraft amerikanischer Trainingsgruppen in der Leichtathletik längst: das Brandenburg Project. Alina Reh jedenfalls, gerade 23 Jahre alte Top-Läuferin von der Schwäbischen Alb, scheint ihren Lebensmittelpunkt derzeit nach Kienbaum verlegt zu haben. In dem abgeschiedenen Ort mit nur 330 Einwohnern zwischen Berlin und polnischer Grenze liegt seit DDR-Zeiten ein riesiges Trainingszentrum. Tag für Tag dreht dort seit Wochen die U-23-Europameisterin ihre langen und längeren Runden, im Schnitt 163 Kilometer die Woche. Das entspricht bei freiem Sonntag gut 27 Kilometer täglich.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Ziel sind die Olympischen Spiele, die aufs nächste Jahr verschoben sind. Auf den 10.000 Metern will Alina Reh beweisen, dass sie auf der Weltbühne ein Wörtchen mitreden kann. „Ich habe mein Leben extrem danach ausgerichtet“, sagt sie. An diesem Samstag startete sie bei der Laufnacht in Regensburg, die der traditionsreichen Sparkassen-Gala an diesem Sonntag (13 Uhr) vorausging, in einem 5000-Meter-Rennen gegen Männer. „Ich hätt’ gern die 14 Minuten da stehen“, nahm sie sich vor. „Das ist das Ziel, das ich seit zwei Jahren verfolge. Ich hoffe, dass es nun bald mal schnackelt.“ Vor zwei Wochen blieb Alina Reh bei fünf Kilometern auf der Straße 22 Sekunden über glatten 15 Minuten; auf der Bahn steht ihre Bestzeit seit einem Jahr bei 15:04,10 Minuten.

          Leider vermasselte ein Wespenstich das Vorhaben, unter 15 Minuten zu bleiben: beim schnellen Tempo schwoll der Stich unterm Fuß immer stärker an, so dass die Läuferin nach etwa drei Kilometern das Rennen beenden musste. Die Regensburgerin Domenika Mayer siegte in 15:59,44 Minuten. Das Männerrennen gewann der Hanauer Aaron Bienenfeld in 13:45,75.

          Anderer Entwurf als Klosterhalfen

          Lange weigerte sich Alina Reh, ihre Heimat Laichingen selbst für Trainingslager zu verlassen. Dort wohnt sie immer noch bei den Eltern, arbeitet im Rewe-Laden der Mutter und kennt vom jahrelangen Training jeden Feld- und Waldweg der Umgebung. Gern nannte sie sich nicht teamfähig und erzählte, dass sie schon deshalb nicht weg könne, weil sie sofort Heimweh bekomme.

          Damit war sie das Gegenmodell zur Weltmeisterschaftsdritten über 5000 Meter, Konstanze Klosterhalfen. Die Rheinländerin ist wie Alina Reh Jahrgang 1997 und wechselte 2018 von Leverkusen zum vielbeachteten Nike Oregon Project. Sie war das Gegenmodell zu Sprinterin Gina Lückenkemper, die einer Trainingsgruppe in Florida angehört, und auch zu Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo, die auf dem Sprung nach Texas ist.

          Im Januar übernahm André Höhne, der Männer-Bundestrainer für die Langstrecke, das Training von Reh. „Ich will Alina den nächsten Step weiterbringen“, verspricht der ehemalige Geher. „Vielleicht können wir ein Pendant darstellen zu den USA. Alle sagen immer: Amerika, Amerika, Amerika. Die haben nichts Besonderes. Vielleicht werden die Athleten in den Profi-Teams besser bezahlt, das hängt mit den Sponsoren zusammen. Wenn ich höre: High Performance Center. Das haben wir hier auch. Kienbaum ist eines.“ Dort gebe es Laufhallen, Krafträume, Schwimmbäder, Läufbänder, Kältekammer und Kältebäder, Physiotherapie und medizinische Betreuung. „Besser geht’s drüben auch nicht.“

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