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Basketball-Finalserie : Schmerzhafte Lehren für Landry Nnoko

Ansteigende Lernkurve: Landry Nnoko will sich in Berlin für die NBA empfehlen. Bild: dpa

Landry Nnoko will sich bei Alba für die NBA entwickeln. Mit den Berlinern kämpft er derzeit gegen Bayern München um den Meistertitel. Im ersten Spiel lernt er seine Lektion – und gibt sich danach einsichtig.

          Bei den Detroit Pistons hat Landry Nnoko vor zwei Jahren in die NBA schnuppern dürfen. Doch der Klub schob ihn ab in sein Farm Team, wo er zwar als bester Verteidiger der G-League ausgezeichnet wurde, aber keine Aussicht hatte, in die erste Basketball-Liga der Welt zurückzukehren. Der Center aus Yaoundé in Kamerun ging nach Europa, um sein Handwerk zu verbessern.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Täglich arbeitet er, im Dezember aus Sakarya in der Türkei zu Alba Berlin gewechselt, nun vor dem Training, im Training und nach dem Training an Wurf und Korbleger, an Fußarbeit und Positionsspiel, an Spielverständnis und Geistesgegenwart. Die Sprintfähigkeit des 2,08 Meter langen Athleten passt perfekt zum Hochgeschwindigkeits-Basketball der Berliner, seine knapp 120 Kilo Körpergewicht in Verbindung mit seiner Sprunggewalt verschaffen ihm eine eindrucksvolle Präsenz unterm Korb. In den sieben Playoff-Spielen Berlins hat er sich, im Vergleich zur Hauptrunde, von 9,2 auf 11,3 Punkte gesteigert.

          Und doch hat der 25 Jahre alte Spieler noch viel zu lernen. An diesem Mittwoch (20.30 Uhr bei Magenta Sport), wenn er mit Alba Berlin den deutschen Meister Bayern München zum zweiten Spiel der Finalserie um den Titel empfängt, muss er zeigen, dass er Fortschritte gemacht hat, auch im Vergleich zum ersten Finalspiel, das die Berliner am Sonntag in München 70:74 verloren. Trainer Aito Reneses nahm ihn 100 Sekunden vor Schluss der Partie vom Feld. „Normalerweise ist sein Stellungsspiel besser“, sagte er. „Am Sonntag war es nicht gut.“

          Bei einem schnellen Angriff seines Teams war Nnoko zurückgeblieben. Er hatte dem Schiedsrichter an der Grundlinie noch etwas zu sagen. Denn als sein Mannschaftskamerad Luke Sikma ihn in hohem Bogen am Korb anspielte und er dem Ball entgegenstieg, drückte sein Gegenspieler Vladimir Lucic ihm den Unterarm ins Kreuz und schob ihn weg vom Ziel der Flugkurve. Das war ein Foul, fand Nnoko, und das ließ er den Schiedsrichter wissen, wütend und laut. Das gab ein Technisches Foul: Freiwurf für Lucic zum 66:67 und Ballbesitz für die Bayern, die daraus die Führung machten.

          „Ich habe mein Team im Stich gelassen, indem ich überreagiert habe und meine Wut überhand habe nehmen lassen“, sagte Nnoko beim Training am Dienstag. „Sie hatten ein Foul übersehen, aber darüber will ich nicht sprechen. Es fühlte sich an, als ob das Spiel von da an falsch lief. Es war so: Wow, für uns geht überhaupt nichts mehr. Ich hätte einen besseren Job machen, das Spiel ausblenden und cool bleiben sollen.“

          Die Lektion für Nnoko war mit der Auswechslung nicht zu Ende. Von der Bank aus sah er, wie 70 Sekunden später, 32 Sekunden vor Schluss, Lucic dem Berliner Aufbauspieler Peyton Siva den Weg zum Korb verstellte, dessen Schulter in den Bauch bekam und rücklings aufs Parkett segelte. „So wird Basketball hier gespielt“, sagte Nnoko und rang sich ein Lob für Lucic ab: „Er macht seinen Job gut. Ob er foult, ob er floppt, er verkauft das den Schiedsrichtern richtig gut.“

          Nnoko hat einen Freund bei den Bayern. Center Devin Booker, der Center von 2,05 Meter Länge und 115 Kilo Gewicht, war sein Mentor, als er von der High School ans College wechselte. Ein Jahr lang spielten beide gemeinsam für die Clemson University in South Carolina. Sieben Jahre später ringen sie in Deutschland um die Meisterschaft.

          Basketball hat Landry Nnoko weit gebracht. In Yaoundé hatten Scouts ihn in einem Camp entdeckt, das sein sieben Jahre älterer Cousin Luc Richard Mbah a Moute veranstaltet, ein NBA-Profi mit inzwischen elf Jahren Erfahrung in der Liga. Mbah a Moute musste die Saison bei den Los Angeles Clippers in diesem Jahr wegen einer Knieverletzung abbrechen. „Die NBA war immer mein Ziel“, sagt Nnoko. „Egal, wo ich spiele: Ich will mich verbessern, um mein Ziel zu erreichen.“ Nicht Übung macht den Basketball-Meister. München fehlen noch zwei Siege, Berlin drei zum Titel.

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