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Lance Armstrong : Selbstdarsteller oder Menschenfreund?

  • -Aktualisiert am

„Meine Januar-Fitness ist viel besser als in den Jahren, in denen ich die Tour gewonnen habe” Bild: REUTERS

Mit 37 Jahren feiert Lance Armstrong, der siebenmalige Gewinner der Tour de France, sein Comeback. Australien feiert ihn schon vor dem Start als Star einer Fahr- und Festwoche. Armstrong hat ein Ziel. Für Skeptiker bleibt da wenig Platz.

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          An Lance Armstrong kommt in Adelaide keiner vorbei. Auf dem Flughafen begrüßt er die Ankömmlinge in lebensgroßem Format auf einem Werbeplakat. In der Stadt ist der Amerikaner leibhaftig unterwegs, auf den Straßen, wo zu seinem Schutz uniformierte Polizisten auf Motorrädern und Streifenwagen vorausfahren und Sicherheitsbeamte in einem Zivilfahrzeug hinterher. Armstrong ist allgegenwärtig, auf Postern, im Fernsehen, im Radio, in Zeitungen.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Jeder weiß, dass der siebenmalige Tour-de-France-Sieger in Süd-Australien ist. Jeder weiß, dass er nach dreieinhalbjähriger Pause vom Radsport sein Comeback gibt – bei der Tour Down Under. Jeder weiß, in welchem Hotel er wohnt, welchen Fußweg er zum Start zurücklegen muss, was er isst und wie viel er trainiert. Aber was den mittlerweile 37 Jahre alten Armstrong wirklich antreibt, das weiß niemand. Ist es der Ehrgeiz eines alten Perfektionisten, der sich aufs Neue gegen die Jungspunde durchsetzen will? Oder dient das Mammutprogramm, das er sich in diesem Jahr auferlegt hat, nur als riesengroß angelegte Kampagne für seine Stiftung „Livestrong“?

          Die Zurückhaltung erscheint der Radsportszene verdächtig

          Seit Lance Armstrong vor vier Monaten seine Rückkehr in den Profi-Radsport angekündigt und beim kasachischen Rennstall Astana angeheuert hat, macht er kaum etwas anderes als radeln und reden. Ob lange Ausführungen bei Pressekonferenzen wie am Samstag in Adelaide oder ob kurze Internetbotschaften während seines Trainingscamps jüngst auf Hawaii: Armstrong sind alle Mittel recht, um der Weltöffentlichkeit nahezubringen, warum er wieder in die Pedale tritt.

          Enormes Interesse: in Australien ist Armstrong allgegenwärtig

          Glaubt man dem Texaner, dann geht es mehr um gesundheitliche Aufklärung und weniger um sportlichen Erfolg. Wichtig sei nicht seine Person, sondern seine Botschaft, die da lautet: Stärkt euer Bewusstsein im Kampf gegen den Krebs! Wenn er mehr Aufmerksamkeit der Welt auf das Anliegen seiner Stiftung „Livestrong“ lenken könnte, „dann wäre es prima, selbst wenn ich bei der Tour nur Achtzehnter oder Neunzehnter werde“, sagte Armstrong, der 1996 den Krebs besiegte und von 1999 an sieben Mal in Folge die Frankreich-Rundfahrt gewann. So viel Zurückhaltung des Amerikaners erscheint der Radsportszene verdächtig. „Es ist sehr erstaunlich, dass er seinen Mythos aufs Spiel setzt“, sagt Columbia-Teammanager Alan Peiper.

          1275 Tage seit der letzten Tour-Etappe

          Rein äußerlich spricht zwar einiges dafür, dass Lance Armstrong als Philanthrop auf dem Fahrrad unterwegs ist, dass er seine Rennsaison als Mobilmachung eines Menschenfreundes versteht. Bei der Tour Down Under, an der Armstrong ebenso zum ersten Mal teilnimmt wie am Giro d'Ítalia im Mai, gehört der „Livestrong“-Präsident zum Tross.

          Armstrong bekommt kein Geld von Astana, darf dafür über das Team für seine Stiftung werben. Sein Rennrad ist lackiert in Gelb und Schwarz, den Farben seiner Krebsstiftung, und mit zwei Zahlen versehen: „1275“ steht für die Anzahl der Tage zwischen dem Rücktritt nach seiner letzten Tour-Etappe am 24. Juli 2005 und seiner Rückkehr auf die Straße in Australien; „27,5“ weist auf jene 27,5 Millionen Menschen hin, die in jenem Zeitraum weltweit dem Krebs erlagen.

          Konkurrenten und Kollegen äußern sich beeindruckt

          Trotzdem mag die Konkurrenz kaum glauben, dass der Texaner, berühmt für seinen (Über-)Lebenswillen und berüchtigt für seinen einschüchternden Ehrgeiz, sich fortan nur einreiht ins Peloton. „Bei Lance würde mich nichts überraschen“, sagt der australische Radprofi Stuart O’Grady. „Wenn er auftrumpft und alle schockiert, dann gehört das sicher zu seinem Masterplan.“

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