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800-Meter-Läufer Schwarzer : Drangeblieben – und vorbei gezogen

  • -Aktualisiert am

Nutzt seine Chance: Oskar Schwarzer gewinnt die deutsche Meisterschaft. Bild: dpa

Bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Dortmund hat Oskar Schwarzer wenig Hoffnung, sich für die EM zu qualifizieren. Doch dem 800-Meter-Läufer gelingt ein Überraschungserfolg.

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          Als Oskar Schwarzer sich auf den Weg zu den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften nach Dortmund machte, da hatte der 21 Jahre alte Mittelstreckler die Qualifikation für die kontinentalen Titelkämpfe im März in Polen abgeschrieben. Trotz früher Normerfüllung und zwischenzeitlicher Führung in der Weltrangliste war der 800-Meter-Spezialist des TV Groß-Gerau im Laufe des Winters so weit nach hinten gerutscht, dass der Griff nach einem der drei Startplätze für die Europameisterschaft in Torun nur noch über eine extreme Leistungssteigerung möglich schien.

          „Da musst du eben Meister werden“, schlug Miriam, die Frau von Schwarzers langjährigem Heimtrainer Dierk Feyerabend, dem Dornheimer vor. Doch dieser Erfolg, der automatisch zu einer Nominierung führen würde, war angesichts der Dominanz, die der Frankfurter Marc Reuther zuletzt auf dieser Strecke ausspielte, kaum als realistisches Ziel anzusehen.

          Am Sonntagnachmittag durfte sich Schwarzer vor den leeren Tribünen der Helmut-Körnig-Halle trotzdem die Goldmedaille abholen. Einen solchen Druck, wie ihn Eintracht-Athlet Reuther auf den Schultern spürte, musste er nicht aushalten. Er folgte der im Vorfeld festgelegten Taktik: Einfach sein Bestes zu geben, und das fiel ihm leicht.

          „Fehlende Frische“

          In einem schnellen Rennen war Schwarzer, ein Mitglied der Trainingsgruppe von Bundestrainer Georg Schmidt, an dem deutschen Freiluft-Meister und dem am Ende zweitplatzierten Karlsruher Christoph Kessler drangeblieben und auf der letzten Bahn vorbeigezogen. „Ich wusste, dass die beiden nicht unschlagbar sind“, erklärte der frühere U-20-Meister, der in 1:47,63 Minuten eine neue Bestzeit erzielte.

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          Dass Reuther, der in 1:48,70 Dritter wurde und „fehlende Frische“ bei sich feststellte, das Tempo von Beginn an angezogen hatte, kam dem Sieger entgegen. Nun kann er nächste Woche bei dem internationalen Großereignis wichtige Erfahrungen für die U-23-Europameisterschaft sammeln, die er im Sommer anstrebt.

          Lauffieber im Griff

          Rennen gut lesen zu können, das ist nur eine der positiven Eigenschaften, die Feyerabend dem jungen Mann zuspricht, den er als 13-Jährigen übernahm. Zuvor hatte Schwarzer Fußball gespielt, beim Judo gekämpft, aber nichts davon wirklich ambitioniert.

          Mit elf startete der Spross einer bewegungsfreudigen Familie erstmals bei einem Stadtlauf in Darmstadt, von dem sein Vater in der Zeitung gelesen hatte, und wurde Dritter. Von da an hatte ihn das Lauffieber im Griff. Nach einem Crosslauf, den er gewann, rief man ihn nicht zur Siegerehrung, weil kein Klub hinter seinem Namen stand. So landete Schwarzer bei seinem Förderer im Turnverein.

          „Es macht einfach super Spaß zu gewinnen“, begründet das Nationalkadermitglied seine Lust auf den Ausdauersport. „Extremst auffällig“ sei Schwarzer als Jugendlicher allerdings nicht gewesen, sagt der Bundestrainer. Doch der Athlet ist geduldig, arbeitet Pläne sorgfältig und fleißig ab und bekommt von Feyerabend „eine schöne Ruhe“ bescheinigt.

          Zwischen Beruf und Sport

          Mit dieser verfolgt der Teilnehmer der European Games in Minsk seit seinem Abitur vor zwei Jahren auch seine berufliche Karriere. „Ich habe schon immer mit der Polizei sympathisiert“, erklärt Schwarzer. Dass es in Hessen bei dieser eine Sportfördergruppe gibt, kam ihm entgegen. Um die Aufnahme zu schaffen, wechselte er im Herbst 2019 in Schmidts starke Trainingsgruppe nach Frankfurt.

          Den Betreuer, der ihn dahin brachte, hat er trotzdem nicht verlassen. Feyerabend fährt zu Wettkämpfen mit, besucht Schwarzer im Training und kramt in seinem Erfahrungsschatz, wenn es um Details geht. Schmidt begrüßt das „Dreiecksverhältnis“, das in der Laufbahn von Sportlern eine Ausnahme darstellt, aber eine sehr individuelle Betreuung gewährleistet.

          Einen Tag nach seinem Überraschungserfolg hörte der angehende Kommissar wieder Vorlesungen für sein Studium. Die Praktikumszeit, die er vorher absolviert hat, endete kürzlich. Dabei bewies Schwarzer auch im Dienst schnelle Beine: Ihm und seinem Kollegen fiel auf Streife ein Mann mit seltsamem Fahrstil im Auto auf, und als sie diesen anhalten ließen, versuchte dessen Beifahrer zu Fuß zu flüchten. Er konnte nicht wissen, dass er gegen seinen Verfolger keine Chance haben würde.

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