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Läufer Homiyu Tesfaye : Mutige Ansage, müde Beine

  • -Aktualisiert am

Homiyu Tesfaye: freundlich und zurückhaltend im Gespräch, angriffslustig auf der Bahn Bild: Wresch, Jonas

Homiyu Tesfaye, Mittelstreckenläufer der Frankfurter Eintracht, kündigt schnelle Hallenzeiten an und verfehlt sein selbstgestecktes Ziel um Längen.

          2 Min.

          Hinterher war Homiyu Tesfaye etwas ratlos. „So langsam“, sagte er leise, mit einem verschämten Lächeln im Gesicht, und ließ den Rest des Satzes in der Luft hängen. So langsam, das hätte er nicht gedacht. Seine Ansage vorher war deutlich gewesen: 3:36,09 Minuten wollte er unterbieten. Den deutschen Hallenrekord von Rüdiger Stenzel über 1500 Meter aus dem Jahr 1998 brechen.

          Homiyu Tesfaye, Mittelstreckenläufer der Frankfurter Eintracht, ist bekannt für gewagte Ankündigungen - aber er hat auch schon bewiesen, dass er Worten Taten folgen lassen kann. So war der gebürtige Äthiopier, dessen Bestzeit im Freien bei 3:34,18 steht, bei der Leichtathletik-WM in Moskau als Fünfter mittenrein in die Weltelite gelaufen, er hatte die Bronzemedaille nur um zwei Zehntelsekunden verpasst.

          Der längst vom aktiven Sport zurückgetretene Rekordhalter Stenzel hatte die Ankündigung des jungen Läufers trotzdem gelassen aufgenommen: „Der Rekord hatte lange genug Bestand“, sagte der heute 45-Jährige den Veranstaltern des Düsseldorfer Hallen-Meetings, warnte aber vor zu hohen Erwartungen: „Ich hatte es mir damals auch leichter vorgestellt.“ Läufe in der Halle sind etwas anderes als im Freien. Der Radius der Bahn ist enger, sie ist nur 200 Meter lang, es geht also ständig im Kreis, die Kurven sind leicht angeschrägt. Beim Mittelstreckenrennen unterm Dach sind die Ellenbogen fast so wichtig wie die Beine.

          Tesfaye und Schlangen auf den letzten Plätzen

          Dass sich Homiyu Tesfaye am Donnerstagabend erst mal hinten einreihte, konnte zwei, drei Runden lang noch als Taktik ausgelegt werden. Doch spätestens als vorne das Tempo verschärft wurde, und er immer noch im Schlussdrittel dümpelte, wurde den Beobachtern klar, dass da nicht mehr viel kommen würde. Als die Konkurrenten zum langgezogenen Schlussspurt ansetzen, fiel Tesfaye immer weiter zurück und trudelte letztlich in 3:53,15 Minuten ins Ziel: 14 Sekunden hinter dem Sieger Bethwel Birgen aus Kenia und sogar zehn Sekunden hinter dem Vorletzten Karsten Schlangen, dem zweiten Starter des Deutschen Leichtathletik-Verbandes im Feld, was nebenbei nichts Gutes über die Qualität der deutschen Laufszene im internationalen Vergleich aussagt.

          Homiyu Tesfaye, der im Juli 2010 einen Asylantrag in Deutschland stellte und seitdem in Frankfurt eine neue, auch sportliche Heimat gefunden hat, hat diese Szene aufgemischt. Er wird von alteingesessenen Läufern allerdings nicht ohne Argwohn betrachtet. Es gab Zweifel an seinem Geburtsjahr, das er mit 1993 angibt. Auch seine Identität wurde in Frage gestellt: Er sei eigentlich ein anderer und drei Jahre älter, wurde gemutmaßt. Ermittlungen laufen, bislang ohne Ergebnis. Dass Tesfaye im vergangenen Jahr bei den deutschen Jugendmeisterschaften als Sieger im Ziel Liegestützen machte, bis die Letzten einliefen, sorgte nicht unbedingt für schnellere Akzeptanz - es wurde ihm als Arroganz ausgelegt.

          Von derlei Mätzchen ist er mittlerweile kuriert - und er war am Donnerstag davon auch weit entfernt. Stattdessen versuchte der im Gespräch höfliche und zurückhaltende junge Mann zu ergründen, warum er so langsam war. Erst am Vorabend sei er aus dem Trainingslager in Spanien zurückgekehrt. Er habe Probleme mit dem Rücken, und die Oberschenkel fühlten sich müde an. „Die Beine gehen nicht mehr“, sagte er, aber zumindest Schmerzen habe er keine.

          Schon beim nächsten Meeting an diesem Samstag in Karlsruhe hofft er nun, dass seine Beine wieder aufgewacht sind. Dort wolle er zeigen, was er wirklich drauf habe. Allerdings ohne Rekordvorgabe: „Eine Zeit sage ich nicht mehr an.“

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