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Läufer Arne Gabius : Hart trainieren, leicht gewinnen

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Man müsste dafür den Halbmarathon in weniger als einer Stunde laufen, zwei Mal. Das halte ich in den nächsten zwanzig Jahren für unmöglich. Kimetto und Kipsang und auch Emanuel Mutai sind Talente des Jahrzehnts. Aber für solch eine Leistung braucht es ein Jahrhunderttalent wie Usain Bolt. Er hat den Stil des Sprints profund verändert, weg von den Muskelmännern hin zu richtigen Läufern.

Halten Sie die Kenianer für sauber?

Kenia hat ein Problem mit Doping, das wird hier eingeräumt. Es ist schade, dass die Top-Athleten nicht regelmäßig getestet werden, sondern nur, wenn sie das Land verlassen. Wenn man in Nairobi oder Addis Abeba ein Labor einrichten würde, müssten nicht alle Proben nach Europa oder Südafrika geflogen werden. Jetzt sprechen die Kenianer davon, ein Anti-Doping-Gesetz nach deutschem Vorbild zu etablieren. Das nützt bloß nichts, wenn man kein Labor hat.

Lauftraining in Iten/Kenia: Hunderte Spitzenkräfte laufen zusammen und gegeneinander
Lauftraining in Iten/Kenia: Hunderte Spitzenkräfte laufen zusammen und gegeneinander : Bild: faz.net

Wie sieht Ihre Zusammenarbeit mit dem Trainer Renato Canova aus?

Bis vor kurzem lebte er hier in Iten, und wir haben viel gesprochen. Er hatte mir einen Trainingsplan für den Halbmarathon gegeben und hat mich ermutigt, Marathon zu laufen. Er ist ein Sportsmann. Er macht aus seinem Wissen kein Geheimnis. Jedem, der ihn fragt, schreibt er Trainingspläne. In einem Forum hat er mal geschrieben, er und ich hätten dieselbe Philosophie und er sehe mich als Freund. Das habe ich natürlich auf meine Website kopiert. Jetzt ist er nach Addis gezogen, weil er Kenenisa Bekele auf den Dubai-Marathon vorbereitete. Wenn ich eine Frage habe, schreibe ich ihm eine E-Mail.

Lässt er sich bezahlen?

Mich hat er noch nie nach Geld gefragt. Renato war früher von Qatar angestellt und hat viel Geld verdient. Er ist gefragt auf Kongressen. Neuerdings ist er Cheftrainer der Chinesen. Deren Verband hat alle Trainer abgesägt aufgrund der neuen Anti-Doping-Regeln dort. Geld haben die Chinesen, also haben sie den Besten verpflichtet. Renato sagt, dieses Angebot habe er nicht ablehnen können.

Sie sind Ihr eigener Coach. Sind Sie auch Ihr eigener Sportarzt?

Die Medizin sollte sich aus dem Sport weitgehend raushalten. In den neunziger Jahren waren Kochsalz- und Glukose-Infusionen angeblich gang und gäbe. Heute ist es nicht mehr vorstellbar, dass Sportler im Physio-Raum an solche Beutel gehängt werden. Auch was eine Dauer-Betreuung angeht, bin ich skeptisch. Wenn ein Athlet verletzt oder krank ist, okay, dann braucht er einen Arzt. Alles andere sollen der Physiotherapeut und der Athlet machen.

Überwachen Sie Ihre Blut- und Hormonwerte?

Die reguliert mein Körper. Für einen Vegetarier wie mich ist es sinnvoll, Eisen zu substituieren. B12 nehme ich auch, das nehmen andere mit Fleisch auf. Aber sonst nehme ich nichts. Ich esse viel Grünzeug wegen der Folsäure. Damit ist für die Blutbildung alles getan. Werte zu messen wäre Erbsenzählerei. Man verliert den Blick auf das Wesentliche. Die Kenianer sagen: Train hard, win easy and recover harder. („Trainiere hart, gewinne leicht und regeneriere noch intensiver.“)

Zweiter über 5000 Meter bei der EM 2012: Gabius’ größter Erfolg auf der Bahn
Zweiter über 5000 Meter bei der EM 2012: Gabius’ größter Erfolg auf der Bahn : Bild: dpa

Thyroxin soll verbreitet sein im Spitzensport. Es gilt nicht als Doping. Wie gehen Sie damit um?

Es ist eines der am häufigsten verschriebenen Medikamente in Deutschland. Man kann Herzrhythmusstörungen bekommen, wenn man es nimmt. Und man legt mit der Einnahme die Produktion der eigenen Schilddrüse lahm. Womöglich muss man dann sein Leben lang Thyroxin-Pillen nehmen. Das ist es nicht wert.

Ist es eine Versuchung für Läufer?

Ich habe mich damit befasst, als mein TSH-Wert (Schilddrüsenwert) zu hoch war bei der Jahreshauptuntersuchung des Deutschen Olympischen Sportbundes. Ich habe mich gegen die Einnahme entschieden, denn ich hatte in der Vorwoche hart trainiert. Vor allem: Ich fühlte mich gut. Da muss ich nichts ändern.

Halten Sie Konkurrenten, die Thyroxin nehmen, für Betrüger?

Einige Athleten arbeiten in der absoluten Grauzone, die nehmen alles, was nicht ausdrücklich verboten ist. Damit halten sie sich wohl noch an die Regeln, haben aber eine völlig andere Auffassung von Leistungssport als ich. Gleichwohl: Ich glaube nicht, dass Thyroxin viel bringt. Wer zu viel intus hat, durch Überfunktion oder durch Einnahme, ist unruhig und kann nicht schlafen. Den Leuten geht es richtig schlecht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Athleten sich das antun. Ich bezweifle, dass das stark verbreitet ist.

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