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Kurzbahn-EM : Trotz Medaillenflut nur „Note drei“ für deutsche Schwimmer

  • Aktualisiert am

Zum Abschluß gab es Gold für Antje Buschschulte Bild: AFP

Obwohl die deutschen Schwimmer bei der Kurzbahn-EM in Helsinki ihre kontinentale Vormachtstellung verteidigt haben, zog DSV-Teamchef Örjan Madsen eine kritische Bilanz und forderte: „Wir dürfen uns nicht einlullen lassen.“

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          Sechs Titel, insgesamt 15 Medaillen und ein Weltrekord: Deutschlands Schwimmer haben bei der Kurzbahn-EM wieder kräftig abgeräumt und Platz eins auf dem Kontinent behauptet. Doch Teamchef Örjan Madsen zeigte sich von der Medaillenflut in Helsinki unbeeindruckt. „Wenn ich eine Note für die Mannschaft vergeben müßte, wäre es eine drei. Wir haben noch unglaubliches Verbesserungspotential. Wir dürfen uns nicht einlullen lassen“, erklärte der Sportdirektor des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) und erhöhte drei Monate vor der WM in Melbourne den Druck.

          „Die Gesamtausbeute war schon gut, und ich bin keinesfalls enttäuscht. Aber ich hatte sogar mit ein paar Medaillen mehr gerechnet“, zog Madsen nach dem letzten internationalen Kräftemessen vor Australien ein zufriedenes, aber auch kritisches Fazit.

          Zweimal Gold für Meuuw

          In Abwesenheit der vierfachen Langbahn-Europameisterin und Weltrekordlerin Britta Steffen, die wegen einer starken Erkältung gar nicht erst mit in die finnische Hauptstadt gereist war, überzeugte vor allem das neue deutsche Schwimm-Traumpaar Helge Meeuw und Antje Buschschulte. „Helge ist ein echter Wettkampftyp und Antje besticht immer durch ihre vorbildliche Einstellung und große Kontinuität“, zollte Madsen seinen beiden Leistungsträgern ein Sonderlob.

          „Nicht einlullen lassen”, warnt Örjan Madsen
          „Nicht einlullen lassen”, warnt Örjan Madsen : Bild: dpa

          Der 22 Jahre alte Neu-Frankfurter Meeuw, der bei den deutschen Wintermeisterschaften noch mit einer starken Erkältung zu kämpfen hatte, führte die deutsche 4 x 50-Meter-Lagenstaffel als Startschwimmer mit Weltrekord zu Gold und triumphierte über 50 Meter Rücken. Zum Abschluß blieb ihm über 100 Meter Rücken der dritte Streich um fünf Hundertstel verwehrt, er konnte sich aber wie auf der doppelten Distanz mit Silber trösten.

          „Leistungen auch über die olympischen Distanzen abrufen“

          Die Magdeburgerin Buschschulte schwamm zum Abschluß mit ihrem dritten deutschen Rekord innerhalb von zwei Tagen noch zu Gold über 100 Meter Schmetterling. Mit Staffel-Gold sowie Silber über 100 Meter Rücken erhöhte sie ihr Kontingent auf insgesamt 57 internationale Medaillen.

          Daneben glänzten die Wolfsburgerin Janne Schäfer und Janine Pietsch aus Ingolstadt mit Gold über 50 Meter Brust beziehungsweise Rücken. „Ich will die Erfolge nicht schmälern, aber die Aufgabe muß generell sein, diese Leistungen auch über die olympischen Distanzen abzurufen“, sagte Madsen: „Denn Peking 2008 ist und bleibt unser ganz großes Ziel.“ Das ließ sich zumindest Schäfer zum Abschluß mit Bronze über 100 Meter Brust nicht zweimal sagen.

          Madsen fordert weitete Professionalisierung

          Ernüchternd verlief die EM hingegen für Thomas Rupprath. Der Schwimm-Profi, der auf der Kurzbahn Wiedergutmachung für die verpaßte Teilnahme an der Langbahn-EM im Sommer betreiben wollte, verlor seine Titel über 50 Meter Rücken und 100 Meter Schmetterling. Das erneute Staffel-Gold sowie Platz zwei über seine Weltrekordstrecke 50 Meter Rücken waren da nur ein kleiner Trost. Auch am letzten Tag reichte es für Rupprath als Zweiter über 50 Meter Schmetterling und Dritter über 100 Meter Rücken nicht zum ersehnten Einzel-Titel. Zudem hat sich der 29jährige mit seinem Klub Wasserfreunde Hannover überworfen und muß sich einen neuen Verein suchen.

          Unterdessen unterstrich Madsen, an den teilweise umstrittenen Höhentrainingslagern auf dem Weg nach Peking festzuhalten. Der 60jährige ist jedoch zu Ausnahmen bereit. „Ich bin weiter davon überzeugt, daß Höhentrainingslager eine positive Wirkung erzielen - aber eben nicht für alle. Man kommt nicht so einfach ins gelobte Land, deshalb sind Veränderungen immer nötig“, erklärte Madsen, der mit Blick auf Olympia eine weitere „Professionalisierung“ der Athleten fordert: „Unsere Schwimmer müssen 24 Stunden am Tag für ihren Sport leben. Sonst haben wir in Peking keine Chance.“

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