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Saisonpause wegen Coronavirus : Kurzarbeitergeld für Handballer?

  • -Aktualisiert am

Der Spielbetrieb im Handball ruht, die Vereine haben Sorgen. Bild: Reuters

Wegen der Corona-Krise setzen die erste und zweite Liga im Handball mindestens bis zum 23. April aus. Die Bundesliga kann keinen Rettungsschirm spannen und wünscht sich Unterstützung von der Politik.

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          Aus den vielen Gesprächen der vergangenen Tage hat Frank Bohmann ein einheitliches Bild mitgenommen: „Alle in den Vereinen der Handball-Bundesligen sind richtig angefasst. Es ist eine nie dagewesene Situation, und was die Lage zusätzlich verkompliziert, ist, dass die Perspektive fehlt. Wir können ja nicht sagen, die Probleme sind mit Ende der Saison vorbei, und dann starten wir einfach die nächste Saison. Die Lage ist dramatisch.“

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          Wegen der Corona-Krise setzen die erste und zweite Liga zunächst bis zum 23. April aus. Eine Beendigung der Spielzeit 2019/20 irgendwann im Frühsommer ist der große Wunsch aller Vereine. Doch lassen sich die Folgen der Corona-Krise nur schwer absehen. Bohmann, der Geschäftsführer der Handball-Bundesliga-Vereinigung HBL, glaubt nicht, dass die Saison mit Verspätung beendet wird: „Ich schätze die Chance gering ein, dass wir spielen können.“ Die Pokalendrunde „Final Four“ in Hamburg wurde verschoben und soll eventuell im Juni nachgeholt werden.

          Auch deshalb wünscht sich die HBL Unterstützung von der Politik in Form von Kurzarbeitergeld. Bohmann sagt: „Alle Vereine der ersten und zweiten Liga sind berechtigt, Kurzarbeitergeld zu beantragen. Das könnte für ein paar Monate helfen. Der Ruf nach Hilfe vom Staat ist einheitlich laut geworden.“ In erster Linie geht es darum, die Vereine vor der Insolvenz zu bewahren und auch der HBL die nötige Liquidität zu sichern. Schließlich können die Handballprofis ihrem Beruf nicht nachgehen – das Training ist an vielen Standorten wegen geschlossener Hallen unmöglich.

          Dazu sagte Dierk Schmäschke, Geschäftsführer der SG Flensburg-Handewitt, dem NDR: „Ich mache mir große Sorgen um die SG und alle anderen Vereine. Für unseren gesamten Sport ist das existenzbedrohend. Wir haben keine großen Rücklagen und arbeiten Jahr für Jahr Spitz auf Knopf. Es gibt keine Versicherung für diesen Fall, und die HBL kann keinen Rettungsschirm spannen. Wir müssen uns mit unseren Partnern, Sponsoren und Fans zusammensetzen. Klar ist, dass wir alle Abstriche machen müssen, um zu überleben.“

          Etwa 25 bis 30 Prozent im Etat eines Bundesligaklubs kommen aus den Einnahmen durch verkaufte Eintrittskarten. Für alle Klubs hat der Verkauf von Dauerkarten für die Spielzeit 2020/21 begonnen – aber wer würde die in der aktuellen Situation erwerben? Sponsoren werden überlegen, ob sie ihren finanziellen Leistungen in vollem Umfange nachkommen werden, wenn es keine Spiele mehr gibt, in denen sie ihre Werbebotschaften sichtbar machen können. Bohmann will die Vereinsvertreter bei einer Telefonkonferenz am Montagvormittag zum Thema staatliche Hilfen und Notfallmanagement informieren.

          Auch Uwe Schwenker, Präsident der HBL und Vizepräsident des Deutschen Handballbundes (DHB), sieht den Ernst der Lage: „Der Ball ruht zwar, aber die Verantwortung des Sports nicht. Unsere Manager sind auch in dieser schwierigen Situation Optimierer und steuern jetzt als Krisenmanager das Geschehen ihrer Klubs. Das ist eine echte Bewährungsprobe, der wir uns stellen müssen.“

          Der DHB reagierte am Freitag und stellte den Spielbetrieb des gesamten deutschen Handballs bis zum 19. April ein. Das erste Länderspiel der Männer-Nationalmannschaft mit Trainer Alfred Gislason am Freitagabend in Magdeburg gegen die Niederlande wurde am Donnerstagabend abgesagt. Es hatte nach DHB-Plänen ohne Zuschauer stattfinden sollen. Doch eine Absage durch das niederländische Gesundheitsministerium machte dem DHB einen Strich durch die Rechnung. Das Spiel hatte als Vorbereitung für das Olympia-Qualifikationsturnier in Berlin dienen sollen. Das DHB-Team hätte ursprünglich vom 17. bis zum 19. April gegen Schweden, Slowenien und Algerien um zwei Startplätze bei den Olympischen Spielen (24. Juli bis 9. August in Tokio) spielen sollen.

          Am Freitag teilte der Handball-Weltverband mit, dass das Turnier nun im Juni stattfinden solle. Über einen genauen neuen Termin wird zu einem späteren Zeitpunkt und in Anbetracht der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie informiert. Auch die Europäische Handballföderation reagierte und teilte am Freitag mit, dass keine Partien ihrer Wettbewerbe bis zum 12. April stattfinden werden. Davon betroffen sind unter anderem die für Ende März geplanten EM-Qualifikationsspiele der deutschen Frauen gegen Slowenien.

          Alfred Gislason richtete den Blick weg vom Handball und stattdessen aufs große Ganze, als er dem Sportinformationsdienst sagte: „Jetzt hat jeder von uns etwas anderes im Kopf. Wir sollten uns alle darauf konzentrieren, gesund zu bleiben und unseren Teil zum Kampf gegen das Coronavirus beizutragen.“

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