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Radsport in Deutschland : Kurze Tour, enormer Wert

  • -Aktualisiert am

Sieger der Deutschland-Tour 2021: Nils Politt Bild: dpa

Dem deutschen Radsport hat die Deutschland-Tour extrem gutgetan. Sie ist ein Hoffnungsschimmer für die Profis, die mittlerweile zur Weltspitze gehören. Und für die, die nachkommen.

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          Deutschland, ein Land der Autofahrer, traditionell. Ebenso eine Radfahrer-Nation – folgt man zumindest den Schätzungen, dass mehr als 75 Millionen Velos im Einsatz sind. Also beinahe ein Rad je Einwohner. Und wer einen neuen Drahtesel bestellt, wartet ob des pandemiegetriebenen Zweirad-Booms monatelang auf die Auslieferung.

          Ziemlich genau 700 Tage musste der Profiradsport hierzulande warten, bis er wieder wirklich sichtbar geworden ist. Die am Sonntag zu Ende gegangene viertägige Deutschland-Tour hatte mal wieder ein Peloton mit professionellen Pedaleuren auf deutsche Straßen geschickt. Nur zwei weitere Renntage mit Profibeteiligung wird es in diesem Jahr hierzulande noch geben. Mit dem vom traditionellen Maifeiertags-Termin auf den 19. September verschobenen Rennen Eschborn–Frankfurt und dem Münsterland-Giro. Macht also sechs Renntage insgesamt.

          Nicht gerade viel angesichts der Tatsache, dass andernorts das große Rad längst wieder gedreht wird. Eine Radfahrer-Nation muss noch keine Radsport-Nation sein. Zumal hinter der Deutschland-Tour und Eschborn–Frankfurt der französische Sportveranstaltungs-Multi Amaury Sport Organisation steht. Gut möglich, dass der Profiradsport in Deutschland ohne französische Hilfe noch ein weiteres Jahr lang quasi von der Bildfläche verschwunden gewesen wäre.

          Deutsche Radfahrer an der Weltspitze

          „Die Deutschen waren extrem streng in Sachen Veranstaltungen im Gegensatz zu den anderen Ländern. Man muss sagen, dass der Sport darunter gelitten hat“, sagte Nils Politt dieser Tage. Der Kölner erlebt gerade die erfolgreichste Phase seiner Karriere: Etappensieg bei der Tour de France im Juli, Erfolg nun bei der Deutschland-Tour. Der deutsche Radsport verfügt etwa mit Politt, Pascal Ackermann, Emanuel Buchmann, Maximilian Schachmann oder Lennard Kämna über Rennfahrer, die an guten Tagen – jeder auf seinem speziellen Terrain – zur absoluten Weltspitze zählen.

          Und auch auf absehbare Zeit noch zur Elite ihres Sports gehören können. Mit der Mannschaft Bora-hansgrohe aus Oberbayern gibt es ein ehrgeiziges Radsportunternehmen, das sich höchste Ziele setzt und im neuen Jahr, davon ist auszugehen, mit aller Kraft einen Podiumsplatz bei der Tour de France anstrebt. Das belegt: Sportlich wird auf der Profiebene durchaus groß gedacht.

          Die Velo-Veranstaltungen hierzulande jedoch können da schon länger nicht mehr Schritt halten. Deutsche Juniorenfahrer zum Beispiel wuchsen zwar auch schon vor der Pandemie heran, aber sie hatten mehr Einsätze in Nachbarländern als daheim – Besserung ist erst mal nicht in Sicht. Und die Deutschland-Tour ist international, zumal in diesen Tagen auch die Spanien-Rundfahrt stattfindet, eher ein Leichtgewicht. Trotzdem ist sie, auch in einer Kurzversion, ein Event von enormem Wert. Für die Profis, auch jene aus der zweiten Garde, für die Nachwuchsfahrer. Man nimmt, was man kriegt, vor allem nach der langen Flaute. Ein Hoffnungsschimmer, immerhin.

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