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Turner Toba und Dauser : Auf die Routinen hören oder sie brechen

  • -Aktualisiert am

Starker Abgang: Andreas Toba turnt zu EM-Silber am Reck Bild: AFP

Andreas Toba gewinnt bei der Turn-Europameisterschaft Silber am Reck, Lukas Dauser Bronze am Barren. Für den einen eine ganz neue Erfahrung, für den anderen Folge einer Veränderung.

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          Routinen sind wichtig im Turnen. Übungen bestehen aus tausendfach wiederholten Elementen, die sich das Gedächtnis des Körpers merkt und die so in quasi automatisierten Abläufen abgerufen werden können. „Ich habe die Übung insgesamt noch besser getroffen als in der Qualifikation“, sagte Andreas Toba. „Bis auf den Hüpfer am Abgang.“ Der Turner wartete danach und bekam 13,833 Punkte. Nur der Russen David Beljawski lag mit 14,066 Punkten vor ihm. „Es ist ein wahrgewordener Traum für mich, ich hätte mir das nie vorstellen können – es war ja für mich schon unglaublich, dass ich das Finale erreicht hatte.“

          Mit 30 Jahren hat Andreas Toba seine erste internationale Medaille gewonnen – Silber am Reck bei der Europameisterschaft in Basel. Ein Alter, in dem ein Turnerkörper schon beansprucht sein kann. „Der Körper hat natürlich etwas gelitten über die Jahre.“ Aber er fühle sich eben immer noch wie 12 oder 15.

          Auch Lukas Dauser konnte am Sonntag seine Routinen abrufen: Nach anderthalb Jahren Wettkampfabstinenz gewann er im Barrenfinale eine von zwei Bronzemedaillen. Der Schweizer Christian Baumann hatte exakt dieselbe Schwierigkeits- und dieselbe Ausführungsnote erhalten. Der neue Europameister Ferhat Arican aus der Türkei hatte einen höheren Schwierigkeitsgrad zu bieten.

          Tapetenwechsel tut auch mal gut

          Die sportlich so wichtigen Routinen können allerdings lähmen, wenn sie sich auf den gesamten Alltag in der Turnhalle ausweiten. Das war offenbar zumindest ein Motiv, warum Lukas Dauser im vergangenen Sommer von Berlin nach Halle gewechselt ist: „Wenn man lange beim gleichen Trainer und im gleichen Umfeld trainiert, dann schläft das manchmal auch ein bisschen ein“, sagte Dauser in Basel rückblickend, deswegen tue in so einem Moment „ein Tapetenwechsel auch ganz gut“.

          Im Berliner Bundesstützpunkt heißt der Chef Robert Hirsch, Sohn des im vergangenen Jahres in den Ruhestand verabschiedeten Bundestrainers Andreas Hirsch. Die „Chemie hat nicht mehr gestimmt,“ sagte Dauser mit Blick auf seinen ehemaligen Trainer nun; Nach nur drei Jahren unter der Anleitung von Robert Hirsch, zog es den 27-jährigen Dauser also weiter.

          In Halle trainiert bereits Nationalmannschaftskollege Nick Klessing unter Hubert Brylok, der in den achtziger Jahren DDR-Meister und EM-Zweiter war. „Ja, ich war ehrlich gesagt, schon ganz schön überrascht“, berichtet der Trainer über seine Reaktion auf den völlig unerwarteten Neuzugang. Ausgerechnet Halle, das just im vergangenen Jahr nach 30 Jahren den Status als Bundesstützpunkt aberkannt bekommen hatte. „Ob das jetzt Bundesstützpunkt oder DTB-Stützpunkt heißt, das spielt letztlich überhaupt keine Rolle“, meint Hubert Brylok. Man habe in Halle eine der am besten ausgestatteten Hallen der Republik. Er selbst ist beim Landessportbund Sachsen-Anhalt angestellt. Mit Lukas Dauser war es nicht getan: Nur wenige Wochen, nachdem sein Wechsel bekannt geworden war, zog Nils Dunkel nach, auch er kehrte Berlin den Rücken.

          In Basel konnte der Sportsoldat verletzungsbedingt nicht an den Start gehen. So hatte Hubert Brylok plötzlich also drei Anwärter auf ein Olympiaticket, von denen es insgesamt nur vier gibt, in seiner Turnhalle stehen. „Das war eine wunderbare positive Sache!“, sagt er. Die drei seien völlig unterschiedliche Charaktere, die sich in der Halle aber auf förderliche Art gegenseitig hochpushen würden. Zufälligerweise sind die starken Geräte von Nick Klessing Sprung und Ringe, wo er in Basel das Finale recht knapp verpasst hatte, die schwächeren von Lukas Dauser, der momentan der beste deutsche Mehrkämpfer ist. Diese Konstellation führt nun, so der Trainer, dazu, dass die beiden sich sehr stark gegenseitig unterstützen. Das sieht auch Lukas Dauser so. Er gehe einfach wieder „sehr gern ins Training“, sagte er in Basel, es mache einfach wieder Spaß.

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