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Triathlon-Rekordversuch : Superstar Blummenfelt knackt die sieben Stunden

  • -Aktualisiert am

Profi-Triathlet Kristian Blummenfelt durchschwimmt den Senftenberger See. Bild: dpa

Der Norweger Kristian Blummenfelt bleibt beim Triathlon-Rekordversuch in der Lausitz klar unter der magischen Marke – und beweist seine aktuelle Ausnahmestellung. Auch zwei Frauen dürfen feiern.

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          Ironman-Triathlon oder Show-Event? Die Szene war gespalten vor dem Rennen auf dem Lausitzring, wo sich am Sonntag der Norweger Kristian Blummenfelt, der Brite Joe Skipper, die Schweizerin Nicola Spirig und die Britin Kat Matthews daran machten, die Bestzeiten über die Triathlon-Langstrecke unter die Schallmauern von acht Stunden bei den Frauen und sieben Stunden bei den Männern zu schrauben.

          Zeiten, weitaus besser als bisher in Wettkämpfen erzielt. Es war ein Rennen über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren, 42,195 Kilometer Laufen unter besonderen Bedingungen: optimierte Streckenführung, Abschaffung der Windschattenregel beim Radfahren verbunden mit der Möglichkeit für jeden Starter, zehn Tempomacher einzusetzen, egal ob beim Schwimmen, Radfahren oder Laufen.

          Eine andere Zeitrechnung

          Die Ergebnisse fielen erstaunlich aus. Alle vier blieben deutlich unter den avisierten Zeiten. Blummenfelt gewann das Duell gegen Skipper mit einer Zeit von 6:44:25 Stunden. Kat Matthews unterbot die Acht-Stunden-Marke als Erste nach 7:31:54 Stunden. Vor allem die Züge der Helfer auf dem Rad ermöglichten den rasenden Vier Geschwindigkeiten in einer anderen Zeitrechnung.

          Skipper, der nach dem Schwimmen fünf Minuten Rückstand auf Blummenfelt hatte, legte die 180 Kilometer mit einer sagenhaften Durchschnittsgeschwindigkeit von 54,9 Kilometern pro Stunde zurück. Acht Spitzenkräfte aus der starken britischen Zeitfahrszene, darunter der ehemalige Stundenweltrekordler Alex Dowsett vom Team Israel Start-Up Nation, der vom Giro d’Italia an den Lausitzring gekommen war, zogen Skipper zu einer Zeit von 3:16:42 Stunden. Zum Vergleich: Bei der letzten Ironman-WM auf Hawaii 2019 war er – ohne Windschatten – auf dem Rad mit 4:16:18 Stunden ziemlich genau eine Stunde länger unterwegs.

          Blummenfelt mit Problemen

          Während Skippers Radteam auf dem Testoval des Lausitzrings glänzend harmonierte, hatte der favorisierte Norweger Blummenfelt Probleme mit der Feinabstimmung seines Hochgeschwindigkeitszuges. Beim Wechsel zum Laufen hatte er rund drei Minuten Rückstand. Den abschließenden Marathon lief er in 2:30:50 Stunden, das reichte, um mit drei Minuten Vorsprung als Erster über die Ziellinie zu laufen.

          Blummenfelt bleibt damit der Athlet, um den sich in Abwesenheit des verletzten dreimaligen Hawaii-Champions Jan Frodeno alles dreht. Der Norweger ist aktueller Olympiasieger über die Kurzstrecke und Ironman-Weltmeister, er hält die Weltbestzeit über die klassische Ironman-Distanz (7:21:12 Stunden) und hat nun beim Sub7-Projekt als Erster die Sieben-Stunden-Schallmauer durchbrochen.

          Er ist der Triathlon-Superstar, und alles läuft nun auf den großen Showdown am 8. Oktober auf Hawaii hinaus, wo Frodeno und der derzeit ebenfalls verletzte zweimalige Hawaii-Champion Patrick Lange die über Jahre gewohnte deutsche Dominanz auf der Langstrecke gegenüber Blummenfelt wieder herstellen wollen – dann im Ironman-Modus, ohne Windschatten, ohne Boxengassen, ohne Helfer, ohne Laborbedingungen.

          Auch bei den Frauen ging es spannend zu. Nach dem Schwimmen hatte die WM-Zweite Kat Matthews, die im Wasser von der Deutschen Angela Maurer unterstützt wurde, sieben Sekunden Vorsprung, nach dem Radfahren rund drei Minuten. Beim Laufen verlor sie nach 14 Kilometern die Führung an Nicola Spirig, holte die Konkurrentin aber wieder ein und lief bis ins Ziel einen Vorsprung von zwei Minuten heraus.

          Was war es nun? Bloß eine große Show? Lothar Leder, der 1996 in Roth als erster Triathlet unter acht Stunden geblieben war, sieht in der Sub7-Idee mehr als das. Mehrere Elfer-Teams bei Frauen und Männern im Kampf gegeneinander, jeweils gruppiert um einen Kapitän, eine Kapitänin, dieses Konzept, meint er, hätte Zukunft, „es hätte etwas von Tour de France“.

          Laura Philipp in Hamburg überlegen

          Auf der Suche nach frischen Triathlon-Formaten habe die Team-Idee jedenfalls Potential für Publikum und Sponsoren. Mit klassischem Ironman-Triathlon hat es freilich nur noch die Distanz gemein. Die erzielten Zeiten sind extrem, wie die Premiere auf dem Lausitzring zeigte, die Leistungen freilich, die auf der Ironman-Strecke traditionell zählen, sind die von Solisten, denen jede Hilfestellung von außen strikt verboten ist.

          Und so ist es auch keine Frage, dass die größte Leistung einer Triathletin am Wochenende nicht am Lausitzring zu bewundern war, sondern bei der Ironman-EM in Hamburg, wo die Heidelbergerin Laura Philipp die Frauenkonkurrenz überlegen in 8:18:20 Stunden gewann. Es war die zweitschnellste jemals von einer Frau über die Langstrecke erzielte Zeit, nur sieben Sekunden über der Bestmarke der Britin Chrissie Wellington aus dem Jahr 2011.

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