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Kricket-WM : Das Duell der Duelle

  • -Aktualisiert am

Indiens Yuvraj Singh: Die Sehnsucht nach dem zweiten WM-Titel ist groß Bild: REUTERS

Es ist die vielleicht brisanteste Begegnung zweier Mannschaften im Weltsport: Im Halbfinale der Kricket-WM trifft an diesem Mittwoch Gastgeber Indien auf seinen Erzrivalen Pakistan. Ein Scheitern würde für viele Inder einer Katastrophe nahekommen.

          Bisher verlief die Kricket-Weltmeisterschaft auf dem indischen Subkontinent eher lahm und träge. Mit dem Beginn der K.o.-Runde hat sich das schon etwas verändert. Nun herrscht Ausnahmezustand. Grund ist das Duell der Duelle, eine nicht nur sportlich besonders aufregende Begegnung – vielleicht das brisanteste Aufeinandertreffen zweier Mannschaften im Weltsport. An diesem Mittwoch werden Menschen in großen Teilen Indiens und Pakistans gebannt vor den Bildschirmen sitzen, um das zweite Halbfinale der Kricket-WM zwischen den beiden Nachbarländern anzuschauen. Die Partie zwischen Indien und Pakistan wird vor allem auch durch die brisante politische Komponente geprägt, die sogenannte „Kricket-Diplomatie“. Der indische Premier Manmohan Singh hat sein pakistanisches Pendant Yousuf Raza Gilani zum Spiel eingeladen, der gab nach Beratungen mit seinem Präsidenten Zardari seine Zusage. Zum Spiel im indischen Stadt Mohali werden auch politische Gespräche stattfinden, in denen es um wichtige Themen wie Terrorismus, Kaschmir und Nuklearwaffen gehen wird. Der Lieblingssport des Subkontinents macht es möglich.

          Die beiden Nationen haben sich einst bekriegt und sind sich bis heute nicht wohl gesonnen. Seit den Anschlägen in Mumbai 2008 ist es für Pakistaner sehr schwierig, ein indisches Visum zu bekommen. Dies hat auch zur Folge, dass die Kricketprofis aus Pakistan bislang von der lukrativen Indian Premier League, in der die besten Spieler der Welt engagiert sind, ausgesperrt bleiben. Zudem zeigten sich die Pakistaner vor der WM tief betrübt, weil ihr Land wegen der begründeten Terrorgefahr als Mitausrichter des Turniers gestrichen wurde. Trauriger Anlass für die Entscheidung war auch der blutige Feuerüberfall auf das Kricketteam Sri Lankas in Lahore im Jahr 2009. So wird das Thema Sicherheit allgemein bei dieser WM großgeschrieben, aber über Maßnahmen und mögliche Gefahrenquellen wird nicht gesprochen. Besonders nicht vor dem brisanten Halbfinale.

          Die vergangenen Tage waren geprägt von Psychospielchen

          Das Spiel ist ausverkauft, die Tickets waren schnell vergriffen. Vor den Vorverkaufsstellen am Stadion in Mohali gab es Tumulte. Fans, die unbedingt dabei sein wollten, waren bereit, horrende Summen auf dem Schwarzmarkt zu zahlen. Die billigste Karte im Wert von umgerechnet rund vier Euro ist inzwischen zu Schwarzmarktpreisen bis zu 320 Euro erhältlich. Die teuerste Ticketkategorie im Wert von 230 Euro wird aktuell für knapp 1600 Euro angeboten. Und vermutlich sind die Preise am Spieltag noch weiter gestiegen.

          Grund zur Freude: Indischer Halbfinaleinzug

          Natürlich waren die vergangenen Tage geprägt von den bekannten Psychospielchen, die den Gegner belasten sollten. Aus dem pakistanischen Lager hört man immer wieder, dass der Druck ausschließlich auf den Indern liege, da es deren Heim-WM sei. Man wolle verhindern, dass Indiens Superstar Sachin Tendulkar einen neuen Rekord als Schlagmann aufstellt. Der pakistanische Teammanager Intikhab Alam, selbst ein ehemaliger Profi, versucht gleichzeitig zu beschwichtigen: „Lasst es Kricket bleiben, und lasst uns nicht das Gefühl vermitteln, dass wir an einer Kriegsfront stehen.“

          Ein Skandal liegt in der Luft

          Kricket-Fans und Funktionäre haben dieser Tage ein mulmiges Gefühl, wenn sie über das pakistanische Kricket sprechen. Denn erst im Februar sind drei pakistanische Spieler vom Weltverband wegen Spielmanipulation und Bestechlichkeit gesperrt worden. Das war Pakistans Innenminister Rehman Malik Anlass genug, seine Spieler zu warnen, sich nicht von der Wettmafia bezahlen zu lassen und das Spiel gegen den Erzrivalen zu verlieren. Das würde in Pakistan eine harte Bestrafung nach sich ziehen. Ein Skandal liegt bei diesem Duell aber weiterhin in der Luft, wird der Kricketsport doch von kriminellen Machenschaften indischer Wettpaten auf gefährliche Weise beeinflusst.

          Der Weg ins Halbfinale hätte für beide Teams nicht unterschiedlicher sein können. Pakistan demontierte dabei die Mannschaft der Westindischen Inseln. Indien musste da schon den schwereren Brocken aus dem Weg räumen, den dreimaligen Titelverteidiger Australien. Das Team zeigte dabei seine bis dato beste Turnierleistung. Die WM-Statistik spricht eindeutig für Indien. Bisher trafen beide Nationen vier Mal bei einer WM im One-Day-Cricket aufeinander, wobei alle vier Vergleiche an Indien gingen. Das werden Pakistans Kapitän Shahid Afridi und seine Männer sicherlich ändern wollen, aber sie spielen nicht nur gegen elf Sportler sondern gegen knapp 1,2 Milliarden Inder.

          Ein Scheitern würde einer Katastrophe nahekommen

          Interessanterweise haben beide Mannschaften im Training in den vergangenen Tagen viel Fußball gespielt. In den Medien wurde über die mangelnde fußballerische Qualität berichtet, obwohl die Spieler beider Mannschaften immer wieder betonten, dass sie sich fußballerisch verbessert hätten. Am vergangenen Mittwoch waren die Fußball-Nationalmannschaften Indiens und Pakistans in der Qualifikation zum Challenge Cup in Asien aufeinandergetroffen. Indien gewann nach hartem Kampf am Ende verdient 3:1 und lieferte eine perfekte Steilvorlage für die Kricketspieler ab.

          Die Sehnsucht nach dem zweiten WM-Titel ist groß in Indien, und ein Sieg gegen den Erzrivalen Pakistan wäre die Krönung. Der bislang letzte Triumph beim WM-Turnier liegt bald 30 Jahre zurück. Ein Scheitern würde daher für viele Inder einer Katastrophe nahekommen.

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